Rocko Schamoni: "Freiburg ist eine Zeitmaschine!"

Alexander Ochs

Rocko Schamoni liest morgen abend im E-Werk aus seinem jüngsten Roman "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit". Zwischen Essen bestellen und Essen serviert bekommen ließ er sich auf die Schnelle noch ein paar Fragen von fudder-Autor Alex auftischen.



Herr Schamoni oder Rocko – was passt besser?

Rocko.

Okay. Rocko, bist du ein Tausendsassa?

Das wird immer so gesagt, ich wäre ein Tausendsassa. Für mich ist es selbstverständlich, mehrere Sachen parallel zu machen, viele Sachen auf einmal. Eine Bezeichnung dafür ist mir eigentlich egal. Ich mache immer viele Sachen, weil ich mich sonst schnell langweile.

Du bist Musiker, Schauspieler, Entertainer, Autor, Clubbetreiber: was davon liegt dir am meisten?

Kann ich nicht sagen. Alles, was ich mache, ist miteinander verwoben, ich sehe mich in allen Bereichen gleich stark vertreten und switche ständig zwischen allem hin und her.

Würdest du sagen, du bist als Musiker gescheitert?

Nach den Kriterien des Marktes und des Erfolgs muss man sagen, dass der Begriff „Scheitern“ angebracht ist. Ich bin nicht angetreten, um 1.600 CDs zu verkaufen. Ich bin auch nicht angetreten, um 160.000 CDs zu verkaufen. Ich bin angetreten, um damit meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das hat nicht geklappt. Ich bin gescheitert.

Nachdem du jahrelang als Musiker auf der Bühne gestanden hast, ist es da ein komisches Gefühl, auf einmal eine Lesung zu bestreiten? Alle lauschen andächtig des Meisters Worten?

Es ist etwas komplett Anderes, weil Konzerte mehr Spaß bringen. Die Atmosphäre, die gute Stimmung fehlt bei der Lesung, die Hysterie fällt weg. Aber Lesungen haben einen ganz anderen Reiz: Die Leute sind konzentrierter, und Lesungen sind nicht so oberflächlich wie ein Rockkonzert.

Wie sehr gehst du bei der Lesung auf das Publikum ein? Kommt das spontan oder überlegst du dir vorher etwas?

Ich gehe immer auf das Publikum ein, das hängt ein bisschen vom Tag ab, von der Tagesform. Ich improvisiere auch. Zieh mir zum Beispiel bei der Reinfahrt in die Stadt was rein.

Was kann das Publikum in Freiburg erwarten?

Wenn die Freiburger locker sind, kommt ganz viel. Wenn alle in Freiburg verkatert sind oder ich verkatert bin, dann kommt da nix.

Verbindest du etwas Bestimmtes, etwas Besonderes mit Freiburg? Du bist ja schon häufig hier aufgetreten.

Ich habe seit ’86 im Cräsh, im Jazzhaus und im Jos Fritz gespielt, deswegen habe ich lange, teilweise auch sehr schöne Erinnerungen. Eigenartig: 1991, 1994, 1998 und 2002, glaube ich, bin ich im Jazzhaus aufgetreten*. Da hat sich nichts verändert! Da war immer eine gute Stimmung, da waren immer gleich viel Leute. Das sah immer gleich aus. Zeitmaschine Freiburg!

Mal was ganz anderes: Wie lässt sich ein Tour-Leben mit Familie unter einen Hut bringen? Muss das ein besonders großer Hut sein?

Das geht eigentlich ziemlich easy. Ich habe im Schnitt etwa 40 bis 50 Auftritte im Jahr. Sonst bin ich für meine Familie da und stehe meinen Mann.

Was hast du dir als nächstes „Projekt“, wie das ja heute immer so heißt, vorgenommen? Schreiben, Schauspielen, Musik machen…?

Gerade ist ja „Dorfpunks“ am Schauspiel Hamburg angelaufen, mit großem Erfolg. Die Vorstellungen sind immer ausverkauft. Bis zum Ende der Spielzeit werden 15.000 Leute das Stück gesehen haben. Danach beginnen die Dreharbeiten zum Film „Dorfpunks“, so im August, September. Und im Herbst kommt dann der neue Studio-Braun-Film mit dem Arbeitstitel „Fraktus“, dem Namen einer fiktiven Band.

Dann viel Spaß in der Zeitmaschine Freiburg! Und guten Appetit!

Danke!

Mehr dazu:


Was:
Lesung aus "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit"
Wann: Dienstag, 3. Juni 2008, 20 Uhr
Wo: E-Werk, Freiburg
Eintritt: 13 Euro, 10 Euro ermäßigt

Personalien

Rocko Schamoni (eigentlich Tobias Albrecht) hat unzählige Platten in verschiedenen Formationen herausgebracht, damit aber nie "den großen Durchbruch" erzielt. Mit seinen beiden Mitstreitern Heinz Strunk und Jacques Palminger bildet er das Komikertrio Studio Braun, das sich unter anderem durch anarchisch-psychedelische Telefonspäße hervortut. Zwischendurch findet er immer wieder Zeit fürs Schauspielern, wie in dem Film "Fleisch ist mein Gemüse", der im April in die Kinos kam.

Seit dem Jahr 2000, als sein Debütroman „Risiko des Ruhms“ erschien, ist Schamoni auch als Schriftsteller aktiv – und erfolgreich; vor allem mit seinen nachfolgenden Büchern "Dorfpunks" (2004) und "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit" (2007).



[*Anm.d.Red: laut Jazzhausarchiv war das 1990, 1991, 2002 und 2004]