"Rock your life!" sucht Mentoren für sozial benachteiligte Schüler

Enya Steinbrecher

Du hast Interesse daran, mit Schülern zu arbeiten und studierst? "Rock your life!" vermittelt Studenten als Mentor an Schüler aus Brennpunktfamilien – und sucht aktuell Verstärkung!

Bildungsgerechtigkeit ist seit vielen Jahren ein großes Thema, das auch Marcel Seeßler und Janek Weber beschäftigt. In seinem Studiengang Zahnmedizin habe Marcel bemerkt, dass Arbeiterkinder oft keine Chance haben. Dies hat in ihm den Wunsch geweckt, etwas zu ändern. Aus diesem Grund arbeiten er und sein Kollege Janek Weber ehrenamtlich im Vorstand für den Verein "Rock your life!", der sozial benachteiligten Schülern eine Chance bieten will.


Bereits 2008 wurde "Rock your life!" von Studenten am Bodensee gegründet. Einer der ersten Standpunkte abseits des Bodensees war Freiburg – seit 2010 vermittelt "Rock your life!" Studenten zu Mentoringzwecken an Schüler von Werkrealschulen sowie Gesamtschulen in Freiburg.

"Rock your life!" ist auch im Ausland erfolgreich

Dass das Programm gut funktioniert, zeigen die Zahlen: 5.000 Schülern habe der Verein "Rock your life!" bereits ins Berufsleben geholfen, so Janek. Der 26-jährige Lehramtstudent ist seit 2016 als Vorsitzender und Mentor von "Rock your life!" tätig. Über fünfzig Standorte hat "Rock your life!" in der Zwischenzeit – auch im Ausland, in den Niederlanden und in Frankreich, schlägt das Konzept an.

"Jeder kann sich einbringen." Janek Weber
In Freiburg hat der Verein zwischen sechzig und siebzig ehrenamtliche Mitglieder, von denen etwa vierzig sich um die Organisation kümmern – "Jeder kann sich einbringen", sagt Janek. Es werde auch im Bereich Presse, Netzwerken und Foundraising immer gesucht.

Wer sich jedoch als Mentor einbringt, bekommt neben einem umfassenden Training die Möglichkeit, Freundschaften zu knüpfen, die häufig über die zwei Jahre des Mentoringprogramms hinausgehen.

Klare Kommunikation ist wichtig

Am Anfang steht das Matching zwischen Schüler und Student. Nur selten gebe es danach noch einen Wechsel, sagt Marcel. Den Grund dafür sehen die beiden in der umfassenden Betreuung, der guten Information und der klaren Kommunikation.

"Es kommen nur selten Leute, die sagen, sie haben es sich anders vorgestellt", sagt Janek. Für "Rock your life!" stehen die Schüler an erster Stelle. So sei es "blöd für die Kids, wenn eine Vertrauensperson nach einem halben Jahr plötzlich abbricht", sagt Janek.

Ein Speeddating soll das Matching zwischen Mentor und "Menti" leichter machen

Dies kommt jedoch nur selten vor: Bereits im ersten Training lernen interessierte Studenten, was sie beim Umgang mit den häufig sozial benachteiligten Kindern wissen müssen. Das aktive Zuhören sowie ein respektvoller Umgang miteinander wird geschult, ebenso aber auch, die Distanz zu wahren. Erst danach lernen die Studenten ihre "Mentis", die Achtklässler, deren Mentoren sie werden sollen, kennen. Am Ende wählen die Schüler.

"Es gibt eine Art Speeddating", sagt Janek. Die Anzahl der Schüler und Studenten passte bisher immer. Drei weitere Trainingseinheiten gibt es im Laufe der nächsten zwei Jahre – sie sind verpflichtend. Alles andere, wie regelmäßige Treffen, bleibt der Organisation zwischen Schüler und Student überlassen.

"Rock your life!" will den Kindern auch eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bieten

"Einmal monatlich bieten wir Spaßevents an", so Janek. "Da geht es dann zum Beispiel in die Kindergalaxie. Heute haben wir unser Winterfest." "Wir wollen den Kids eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bieten", sagt Marcel. Deswegen gebe es die regelmäßigen Events mit anderen Kindern.

"Die Entwicklung lässt sich beobachten." Obwohl die Mentoren und ihre "Mentis", die zusammen ein sogenanntes "Tandem" bilden, vieles selbst organisieren, werden sie nie allein gelassen: Jeweils fünf Tandems haben einen Betreuer, an den sie sich bei Fragen und Probleme wenden können. Nicht nur die Studenten, die sich ihre Arbeit auch zertifizieren lassen können, sind damit zufrieden.

Am Ende steht der Wunsch, die Schulabgänger in einem festen Ausbildungsverhältnis zu wissen

"Die beste Situation ist, den Schülern beim Schulabschluss zu helfen und ihnen Praktika zu organisieren, damit sie am Ende einen festen Ausbildungsplatz bekommen", sagt Marcel. Viele der Schüler wollen nach dem erfolgreichen Mentoring auch studieren und ebenfalls ein Mitglied von "Rock your life!" werden.

"In der Schule ist das Bildungsniveau zwar dasselbe, aber zu Hause hat jedes Kind ein anderes Umfeld", sagt auch Janek. "Da hört die Bildung auf." Viele ihrer Schützlinge wüssten anfangs des Mentoringprogramms nicht einmal, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. "Die muss man erst einmal finden", so Janek. Dies soll in Zusammenarbeit mit den Mentoren gelingen. Das wichtigste, was die Mentoren mitbringen müssten, ist Interesse, sagt Marcel.

"Natürlich haben wir auch die Erwartung, dass Zeit reingesteckt wird", sagt Janek. Als Mentor soll man sich etwa zwei Mal pro Monat für eine Stunde mit seinem "Menti" treffen – "natürlich gern auch öfter." Im Vorstand werde mehr Zeit benötigt, in anderen Teams der Organisation weniger.

"Durch wenig Einsatz kann man bei uns viel erreichen."

Zeitmangel sei selten ein Problem – es sei auf jeden Fall machbar. "Rausgeworfen wurde noch nie jemand", so Janek. "Die Leute finden selbst raus, ob es passt." Auch einige Studenten, die erst Teil des Organisationsteams waren, wollten schließlich Mentoren werden. Janek selbst hat als Mentor angefangen – "Nach zwei Wochen wurde ich zum Vorsitzenden gewählt", sagt er. "Ich würde es nie wieder aufgeben wollen."

Marcel ist derselben Meinung: Mit nur ein paar Stunden im Monat, könne man das Leben eines Schülers positiv verändern. "Durch wenig Einsatz kann man bei uns viel erreichen."
Wer sich informieren möchte, kann dies auf der Infoveranstaltung oder auf der Webseite tun.

Was: Infoveranstaltung "Rock your life!"

Wann: 24. Januar um 18 Uhr

Wo: KG III, HS 3043, Uni Freiburg

Webseite: Rock your life!