Rock Symphony Night: Stilmix gelungen

Daniel Weber

"So werden Songs der Kultband Depeche Mode zu einer geheimnisvoll düsteren Sinfonie verwoben...", hieß es unheilschwanger im Werbetext für die "Rock Symphony Night" des Orso-Orchesters in der Rothausarena am Samstag. Daniel erwartete die Ortenauer Version von "Rondo Veneziano" und wurde dann doch positiv überrascht.



In der Mitte der zurückhaltenden Bühnenbeleuchtung hängt sie und kreist langsam umher: Eine kleine Discokugel. Sie scheint etwas verloren über der großen Bühne mit dem 200-köpfigen Orchester. Die Musiker traditionell in weißen Hemden, schwarzen Anzügen und Fliegen am Revers gekleidet, der große Chor steht in blauen, glitzernden Roben dahinter aufgereiht. Es braucht eigentlich keine Discokugel, die ihre Reflektionen in den Raum wirft und Stimmung erzeugen soll. Diesen Job übernimmt Dirigent Wolfgang Roese selbst, der Arrangeur und künstlerische Leiter von ORSO (ursprünglich stehend für  "Ortenauer Rock-Symphony-Orchestra", inzwischen unter dem Markennamen „Orchestra and Choral Society“ firmierend).


Das Orchester beginnt mit Europes „Final Countdown“ als traditionelle Referenz an den Ursprung von ORSO. Mit diesem begann vor 16 Jahren das erste ORSO-Konzert als Schülerorchester in der Kippenheimer Stadthalle, wie die Moderatorin mit der rauchigen Stimme später erklärte. Auch damals stand der gebürtige Kippenheimer Wolfgang Roeser vorne und dirigierte sein Ensemble, was inzwischen zu einem semiprofessionellem Orchester ist.

Es folgt eine Reise durch Rock, Pop und Swing. Gemischt mit der klassischen Ausgangslage ging es darum, Grenzen zu sprengen, wie im Programm zu lesen zu war. Es gelang, wenn auch mehr verschoben als gesprengt wurde. Die Energie der Aufführung erstreckte sich nicht in brachialer Überladung, sondern in stilvoller Zurückhaltung, die ihre großen Momente langsam aufbaute, um in diesem vom gesamten Orchesterapparat interpretiert zu werden.

In langen Arrangements von Stücken von Pink Floyd, Depeche Mode oder Metallicas „Nothing Else Matters“ wuchs die Strahlkraft innerhalb des Stücks, Stimmungen wurden gewechselt und mit Hilfe der zahlreichen in der Oper- und Musicalwelt bekannten Solisten entstand in jedem Song etwas Eigenes und Unterschiedliches. Etwa der mit tiefer Stimme singende und sich dabei nicht bewegende Gunnar Schierreich bei der Metallica-Interpretation oder die tanzende und kraftvoll quiekende Isabel Dörfler mit Madonnas „Back In Business“.



Die Rothausarena war zwar nicht ausverkauft, aber gut gefüllt. Menschen in Anzügen und Kleidern,  dazwischen der ein oder andere Fußballfan im Sportclub-Trikot, der wohl nach drei SC- Toren im Köln-Spiel von den 15 Euro Rabatt an der Abendkasse Gebrauch machte, waren gekommen. Zu hören bekam das Auditorium vor allem ältere Stücke, zurückreichend bis in die Swingzeiten der 30er Jahre. Faszinierend war die Interpretation von Supertramps „Dreamer“, aus dem Wolfgang Roese mit Orchester und Chor eine Marathonversion machte, die in Perfektion die Stimmungen wechselte. Von freudig vergnügt wie im Original über zurückgelehnt und minimalistisch zum bombastischen Geschütz aus kraftvollen Klängen hin zur paranoiden Verschrobenheit.

Die Discokugel drehte sich langsam und entspannt weiter. Es schien, als genieße auch sie, was sie zu hören bekam. Den ungewöhnlichen Stilmix aus klassischer Musik, Rock und Pop.

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