"Rock ’n’ Roll und Subventionen – das schließt sich eigentlich aus", Chico zu 25 Jahren Swamp

Simon Langemann

Seit 25 Jahren betreibt Carmelo "Chico" Policicchio das Swamp – und schafft seit jeher die Gratwanderung zwischen Fußballfans und Konzert-Connaisseuren. Simon Langemann hat mit ihm über das Swamp und die Arbeit als Veranstalter gesprochen.

In ein paar Tagen gibt es das Swamp genau 25 Jahre. Wie kam es dazu, das Ganze gleich an zwei Abenden zu feiern?

Im Prinzip habe ich es gar nicht so mit Jubiläen. Trotzdem war wieder die Frage: Machst du zum 25-Jährigen eine große Party mit einer Band? Das wäre dann in der Wodan Halle am Pfingstsamstag gewesen – aber da wären viele Leute vielleicht schon im Urlaub gewesen. Dann dachte ich: Warum nicht einfach an zwei Tagen feiern? Die Wave Pictures kannst du an einem Tag im Swamp sowieso nicht machen, weil die mittlerweile zu groß sind. Aber im Prinzip kann man auch einfach das ganze Jahr 2018 als Jubiläumsjahr sehen.

Der Kultstatus des Swamp beruht einerseits auf den Konzerten, andererseits auf der Fanszene des SC Freiburg. Wenn du eines abgeben müsstest – würdest du eher auf das Sky-Abo oder auf die Bands verzichten?

Das sag ich dir gleich: auf das Sky-Abo. Weil das mittlerweile 700 Euro im Monat kostet. Dabei muss man berücksichtigen, dass drei Monate im Jahr gar kein Fußball ist. Das sind über 2000 Euro, die du für nix zahlst. Also im Endeffekt komme ich da bei plus minus Null raus. Aber das Sky-Abo abzugeben, hieße nicht, die Liebe zum SC abgeben. Und das bedeutet im Gegenzug auch nicht, dass ich mit den Konzerten großen Gewinn mache. Da macht man vielleicht mehr Umsatz mit Getränken.

Schreibst du die Bands, die du gerne veranstalten würdest, gezielt an? Oder bist du sowieso jemand, der Anfragen ohne Ende bekommt?

Den Großteil kriege ich zugeschickt. Ich habe pro Tag zehn Anfragen. Wobei da natürlich auch viel Mist dabei ist. Andererseits gibt es bestimmte Agenturen, bei denen man weiß: Da sind immer interessante Sachen dabei. Aber auch solche, die erst noch groß werden müssen. Die sind in größeren Städten vielleicht schon bekannt, in Freiburg aber noch nicht – und von der Gage her trotzdem nicht ganz billig. Manchmal frage ich aber auch selber Bands an, wenn ich sehe, dass sie auf Tour kommen. Und manchmal kriege ich auch Tipps von irgendwelchen Gästen.

In der Freiburger Kulturszene herrscht seit einiger Zeit schlechte Stimmung angesichts der widrigen Umstände. Kannst du da zum 25-jährigen Swamp-Jubiläum nur müde drüber lächeln?

Das betrifft ja vor allem Bands, die Proberäume brauchen. Das ist keine Thema, das mich interessieren muss. Und ich sage per se: Rock ’n’ Roll und Subventionen – das schließt sich eigentlich aus. Subventionen beinhalten immer, dass du irgendjemandem etwas schuldig bist. Die einzige Unterstützung, die ich kriege, kommt vom Carl-Schurz-Haus. Die überweisen mir vierteljährlich einen Betrag für die ganzen amerikanischen und kanadischen Bands. Die fragen nicht groß. Die finden es gut, dass ich so etwas mache, und bringen das auch in ihrem Heft.

Ansonsten finde ich es schwierig. Auch so etwas wie den Pop-Beauftragten. Vielleicht komm ich da zu sehr aus einer anderen Zeit. Pop-Beauftragter – das sind zwei zusammengesetzte Wörter, die sich für mich ausschließen. Und nach meiner Erfahrung stellt sich bei solchen Leuten, die sich für kulturell oder künstlerisch befähigt halten, oft hinterher raus, dass die nicht auf der Höhe der Zeit sind. Mich stört es nicht, wenn jemand einen Pop-Beauftragten braucht, aber ich brauche keinen.

Eine Kulturförderung durch die Stadt war für dich also nie ein Thema?

Nein. Das Einzige, was ich will, ist dass man mich in Ruhe arbeiten lässt. Und dass man das vielleicht auch richtig einordnet. Ich kann mich noch an eine Begegnung erinnern, die ich damals irgendwie bezeichnend fand. Da habe ich gerade neben einem Schreibwarenladen plakatiert.

Auf einmal kam der Typ rausmarschiert, ganz empört, und meinte, ich würde mit meinen Plakaten die ganze Stadt verschandeln. Dann habe ich gesagt: "Was verkaufen Sie hier?" Er: "Ja, das sieht man doch, Schreibwaren, Kopien und so Zeug." Und ich: "Ja, Sie haben doch bestimmt Studenten als Kunden. Meinen Sie, die kommen nach Freiburg, weil Sie so einen tollen Schreibwarenladen haben? Oder weil in Freiburg vielleicht gerade für Studenten ab und zu noch was geboten ist?"

Weißt du, worauf ich hinaus will? Die Dinge, die ich mache, die der Tom im Räng Teng Teng macht, die der Slow Club macht, die von mir aus auch der Walfisch und das Atlantik machen – das ist auch ein Beitrag zur Kultur. Das trägt auch dazu bei, dass die Wertigkeit der Stadt für eine bestimmte Klientel steigt. Keiner muss auf die Konzerte kommen. Aber es muss jedem klar sein, dass ein Kulturprogramm halt nicht nur Oper oder Theater oder E-Werk oder Tanz oder so was ist.

War das Swamp schon mal in Gefahr?

Ich muss generell aufpassen, dass ich nicht zu viel mache, wegen der Nachbarn. Zu denen habe ich ein gutes Verhältnis. Es wohnt so eine ältere Dame drüber, die hat sich noch nie beklagt. Also bezüglich Lärmschutz war es nie ein Problem, zumal wir ja sowieso direkt an der Straße liegen. Da hab ich echt Glück gehabt. Ein einziges Mal war die Polizei da. Aber es gab auch noch nie Schlägereien oder so. Also in der Hinsicht war das Swamp noch nie in Gefahr. Aber ich kümmere mich jetzt drei Tage die Woche um meine Kinder, Sky ist teurer geworden, die Miete ist gestiegen – Reichtum häuft man mit dem Swamp also keinen an. So gesehen: keine Ahnung, wie lange ich das noch mache. Aber noch macht es Spaß.
Das Swamp an der B31 genießt Kultstatus – als Ort für geschmackssichere Indie-Konzerte sowie als Treffpunkt der alternativen SC-Fanszene. Am Freitag und Samstag feiert Gründer Carmelo "Chico" Policicchio das 25-jährige Jubiläum der Kneipe mit zwei Konzerten der britischen Alternative-Rock-Band The Wave Pictures.

Was: Jubiläumskonzert 25 Jahre Swamp mit The Wave Pictures
Wann: Freitag und Samstag, 18. und 19. Mai, 21 Uhr (die Band spielt an beiden Tagen)
Wo: Swamp Freiburg, Talstraße 90