Rock Am See 2009: Looking back in anger

Gina Kutkat

"Oasis haben sich gerade entzweit. Schlägerei in der Umkleide. Fällt einfach aus. Gruß aus Paris". Diese SMS erreicht mich Freitagabend um viertel nach zehn. Da war das Ticket für den nächsten Tourstopp von Oasis leider schon gekauft. Also auf zu Rock Am See und zu tausend anderen enttäuschten Fans. Eine kleine Bilanz der großen Enttäuschung.



Samstagmorgen, 8.17 Uhr, Freiburg

Abfahrt vom Siegesdenkmal mit zwei Freunden. "Habt ihr schon das Gerücht gehört?" Noch nicht einmal zwölf Stunden nach der Trennung hat es sich schon herumgesprochen: Oasis haben sich aufgelöst. "Die haben sich schon oft gestritten, vielleicht kommen sie ja doch!"


9.20 Uhr

Nach dem ersten Schock wechseln sich Wut und Hoffnung ab.

- Was ist das denn für eine Arbeitsmoral?

 - Es kann sich nur um einen schlechten Scherz handeln!

Samstagmorgen, 10.28 Uhr, Festival-Campingplatz, Konstanz

Wir zelten zusammen mit Freunden aus Mannheim, darunter zwei absolute Ultra-Oasis-Fans, die schon einen Tag länger hier sind. Noch etwas hung over, wird per Handy gecheckt, ob die Gerüchte stimmen. Angeblich gab es kurz vor dem Auftritt in Paris einen Streit zwischen Noel und Liam, bei dem auch Gitarren zu Bruch gingen.



10.31 Uhr

Jemand liest Noels Statement von der Oasis-Homepage vor: "It's with some sadness and great relief to tell you that I quit Oasis tonight. People will write and say what they like, but I simply could not go on working with Liam a day longer. Apologies to all the people who bought tickets for the shows in Paris, Konstanz and Milan." Als gestandener Oasis-Fan kann einen so eine Nachricht nicht wirklich schocken, aber diesmal scheint es ernst zu sein.

Samstagmittag, 12.05 Uhr, auf dem Weg zum Festivalgelände

Man munkelt, dass für den Abend bereits ein Ersatz gefunden wurde. Deep Purple sollen an Stelle von Oasis spielen. Deep Purple! Die hat meine Mutter schon 1970 beim Europop-Festival in München gesehen und Gitarrist Ritchie Blackmore sogar die Hand geschüttelt. So schließt sich also der Kreis. Das Schlimme an der Nachricht: der Auftritt von Oasis ist in weite Ferne gerückt.



12.23 Uhr


Die Stimmung unter den Festival-Besuchern ist gespalten. Unter den zahlreichen Oasis-Fans ist Trübsalblasen angesagt. Sie wollen ihre Tickets verkaufen oder gleich ihr Geld zurück. Aus dem Vorfreude-Bierchen ist ein Frusttrinken geworden. Anderen schlägt die Nachricht nicht so sehr aufs Gemüt. Man spielt nun "Smoke On The Water" anstatt "Wonderwall" auf der mitgebrachten Gitarre.

13.07 Uhr

Die Kilians eröffnen gerade das Rock Am See Festival. Auf dem Zeltplatz wird aus Wehmut der iPod mit Oasis-Songs an den Ghetto-Blaster angeschlossen. Frustrierte Fans finden sich zu "Don't Look Back In Anger"-Chören zusammen. Aus dem üblichen Festival-Ruf "Helga" ist das verzweifelte Schreien nach "Oasis" geworden.



14.00 Uhr

Die Schweden von Sugarplum Fairy sind an der Reihe. Zwischen die Schweden-Flaggen mischen sich UK-Flaggen mit Aufschriften wie "Noel or Die". Obwohl die allgemeine Unmut zu spüren ist, schlägt die Stimmung nicht um. Gute Miene zu bösem Spiel.

15.00 bis 22 Uhr

The Sounds, Kasabian, The Hives und Mando Diao spielen gute Rock-Shows bei perfektem Festival-Wetter. "Nobody can cancel this band!" ruft Hives-Frontmann Pelle Almqvist ins Publikum und erntet tosenden Applaus. Björn Dixgard und Gustav Norén widmen Oasis den Song "If I Don't Live Today".

22.15 Uhr

Deep Purple, die Rock-Opas, versuchen nicht, Oasis zu ersetzen, sondern ihr eigenes Ding zu machen. Druckvolle Rockmusik erfüllt das Bodenseestadion zu später Stunde. Die Tribünen sind besetzt - und die meisten Oasis-Fans schon wieder auf dem Weg zu ihren Zelten.


00.45 Uhr

Die Nachricht hat sich gesetzt. Oasis ist endgültig Geschichte. Wenn Fans trauern.

[Fotos: Andreas Kutscher]