Robin Dutt: "Aha, ein Büstenhalter!"

Christoph Ries & Robin Faißt

Gestern war Robin Dutt am Freiburger Rotteck-Gymnasium zu Gast. Bei der Schüler-Talkrunde "nachgefragt" sollte der SC-Coach die Schmach gegen Gladbach analysieren und Gegenstände in schwarzen Säcken ertasten. Christoph und Robin waren dabei und haben für fudder mitgefühlt.



Die Hand fährt in den Samtsack, ertastet einen Stoffbügel und zuckt zusammen. Robin Dutt errötet. „Sind Erstklässler da?“ fragt der Freiburger Fußballtrainer in die Runde. Nein, die sind alle schon zuhause. „Gut, dann ist das ein Büstenhalter. Aber raus hole ich ihn nicht.“


Ganz am Ende sollte Robin Dutt noch Gegenstände ertasten. Da war der SC-Coach schon gewarnt, was auf ihn zukommen würde. 90 Minuten hatten ihn die Moderatoren Sarah Veit und Felix Rohrbach einiges mehr abverlangt, als eine nüchterne Expertenmeinung zum letzten SC-Spiel.

Auf klapprigen Holzleitern klettern, mit Rotstift die Fehler in der SC-Abwehr umkringeln und Stellung beziehen zu den Themen Finke, Religion und Alkohol. Das alles kam in 90 Minuten "nachgefragt" auf Robin Dutt zu.



Nicht alles davon war der eloquente Fußballlehrer bereit, preiszugeben. Doch wenn Interviews zum Ziel haben, scheinbar abgebrühten Medienprofis einen Moment der Sprachlosigkeit zu entlocken, dann hatten Sarah und Felix ihr Ziel bereits vor der ersten Fragerunde erreicht.

Gleich zu Beginn stockte dem sonst eloquenten SC-Coach der Atem, als ihm Moderator Felix Rohrbach einen von drei Hockern anbot, auf denen die 1:3-Schmach gegen den Tabellenführer in weißen Pinselstrichen dokumentiert war. „Welcher darf’s denn sein, Herr Dutt?“ Dutt entschied sich kommentarlos für die „1“.

Seine anfängliche Zurückhaltung gab der smarte SC-Coach schnell auf. Im gewohnt bissigen Ton reagierte Dutt auf Ungenauigkeiten und nutzte jede Gelegenheit zur Pointe. „Wo spielst du denn Fußball?“ fragte Dutt, als Felix wissen wollte, ob der Trainer nach dem 1:0 nicht hätte reagieren müssen. „Ach, richtig: in Merzhausen.“ Das Publikum, bis auf einige Merzhausener Kicker, kreischte.



Nach der Analyse am Kloppo’schen Touch-Screen - allein dieses Wunder der Technik war es wert, gestern dabei zu sein - bastelte der Deutsch-Inder aus Pappkisten seinen Biographie-Turm zusammen und stolperte über die Kiste mit der Aufschrift „Größter Erfolg“.

„Der steht noch bevor, also ganz nach oben damit.“ „Aha, wir sprechen also doch schon vom Aufstieg,“ analysierte Felix. „Nein, ich spreche davon, einen Tag mit meinem Sohn zu verbringen.“ Die Ironie in Dutts Worten war greifbar.

Das Themenspektrum von „nachgefragt“ stand dem einer professionellen Talkrunde in nichts nach. Wie er es geschafft habe, den Ärger um seinen Vorgänger Finke auszublenden, wollte Sarah wissen, und ob der Kontakt zur in Stuttgart lebenden Familie leide, wenn der Papa im Breisgau gebraucht werde.



Dutt spielte mit, palaverte intimer und persönlicher als im Fernsehen und blieb in den entscheidenden Fragen dennoch standhaft. Kein Kommentar zum Thema Finke, es bleibt dabei.

Als Dutt deutlich machte, was er von Alkoholmissbrauch bei Fußballprofis halte, erlebte der Abend eine seiner insgeheimen Sternstunden. Wie es dann sein könne, dass ausgerechnet ein SC-Spieler gegen diese Regel verstoßen habe, wollte Felix wissen und spielte damit auf die hartnäckigen Gerüchte an, SC-Keeper Walke habe vor der Saison unter Alkoholeinfluss einen Unfall gebaut.



„Weißt du, das hier ist ein sehr anspruchsvolles Podium und eure Fragen sind sehr gut. Aber ich finde es sehr gefährlich, wenn du hier Sachen behauptest, die du nicht beweisen kannst.“ Dutt blieb locker und erntete für seinen Konfrontationskurs Szenenapplaus. Sein kritischer Kommentar zu Felix’ Frage adelte das kompetente Moderatoren-Duo mehr als jedes Kompliment, das der gebürtige Schwabe verteilte.

Am Ende hätte er wohl allen Grund gehabt zu mäkeln. Dass der Titel der Talkshow nicht automatisch nahelegt, dass der Talkgast über Leitern klettern muss. Oder dass unbequeme Spielanalysen doch bitte ins Sportfernsehen gehören und nicht ins Programm einer Schüler-Talkshow.



Doch „nachgefragt“ war gestern Abend höchst professionell und glaubwürdig aufgezogen. Wohl auch deshalb spielte Dutt bei weniger angenehmen Fragen mit und konstatierte am Ende: „Ihr habt das überragend gemacht und das ist einen Applaus wert.“

Fotos: Robin Backes