Robben Ford: Wah-Wah und Pflichterfüllung

Max Orlich

Bereits vor Konzertbeginn am Mittwochabend galt es, ein kleines Rätsel zu lösen: Neben dem Equipment für Bass und Gitarre stehen auf der Bühne des Jazzhauses zwei Schlagzeuge. Mit welch seltsamer Besetzung tritt Robben Ford heute auf? Vertagen wir diese Frage. Denn Ford betritt die Bühne zunächst mit klassisch-sparsamer Trioformation.



Der Beginn ist etwas holprig, der jazzige Song ohne Ecken und Kanten wirkt diffus und Ford hat leichte rhythmische Probleme, die man sonst gar nicht von ihm kennt. Vielleicht liegt es aber auch nur am Wintereinbruch, der für eingefrorene Finger sorgt. Denn schon bei der folgenden bluesigeren Nummer wird die Band warm, nimmt Tempo auf und gewinnt bei „Help the poor“ weiter an Präzision. Ein groovender Song, angetrieben von einem Basslauf, der dem King of Pop und seiner Billie Jean ganz dicht auf den Fersen ist.


Neben Ford haben auch Drummer Gary Novack und Bassist Travis Carlton Gelegenheit, ihr Solokönnen unter Beweis zu stellen. Der Schlagzeuger macht mit komplexen Rhythmen seinen Jazz-Hintergrund deutlich. Auch Carlton weiß zu beeindrucken: Extrem entspannt sieht er aus und das, obwohl er mit seinen Fingern wieselflink über das gesamte Griffbrett seines mächtigen Fünfsaiters huscht.



Demgegenüber wirkt Fords Stimme streckenweise recht dünn. Sie will so gar nicht zur druckvollen Vorstellung der Rhythmusfraktion passen. Zudem ist Ford als Songwriter längst nicht so beeindruckend, wie als Gitarrist. Viele Songs und Melodien sind doch etwas einfach gestrickt. Wie kann man doch so schön auf seiner Homepage lesen: „The single with Susan Tedeschi is in rotation at Starbucks.“ Passt.

Auch „Riley B. King“ kommt leicht und funky, ja fast schon poppig daher. Fords Gitarre sorgt jedoch dafür, dass es nicht abrutscht, denn hier scheint Jimi Hendrix auf Little Wings angeschwebt zu kommen. Leider fällt der Text dagegen deutlich ab. Wenn ein Song, der als Tribut für B.B.King angesagt wird, mit dem Worten „He’s a king without a castle or a crown“ beginnt, so wirkt das doch etwas zu platt und lieblos.

Zurück zum Geheimnis des zweiten Schlagzeugs: Es ist für Fords Neffen bestimmt, der bei einigen Stücken mitwirkt. Gleich beim zweiten Song mit der doppelten Schlagzeugpackung gibt’s dann auch ein „Solo-Duett“, das im halb gefüllten Jazzhaus karnevalesken Druck macht. In diesen Momenten, da die Band sich im klassischen Blues bewegt, garniert mit etwas Rock, kommt doch noch Lockerheit und Spielfreude auf. Die sonst angezogene Handbremse wird zwischenzeitlich gelöst.



Nach anderthalb Stunden lassen sich Ford und Co. für eine Zugabe zurück auf die Bühne klatschen. Das Encore bildet dann nochmal einen Wah-Wah geschwängerten Höhepunkt des Abends. Doch als Ford sich danach mit den Worten „You make us feel good, playing for you“ verabschiedet, mag man ihm das nicht so ganz glauben.

Zu zurückhaltend, zu routiniert wirkte vor allem er selbst heute Abend. Sein Gitarrenspiel kommt etwas zu kopflastig daher und bei vielen Songs vermisst man das, was den Blues ausmacht: das Gefühl. Das vermittelt heute Abend nicht Ford, sondern sein Basser, der die ganze Zeit herrlich mitzuleiden scheint. Kein schlechtes Konzert, aber auch kein wirklich mitreißendes. Es roch ein wenig nach Pflichterfüllung.