Rhythm Island Records: Kooperationen im Königsformat

Oliver Maier

Man kann als ein der Gitarrenmusik zugeneigter Mensch in Freiburgs Nachtleben ja hingehen, wo man will: Matthias Cromm ist bereits da. Konzertveranstalter, Plattenladenangestellter, Möbelverkäufer, Thekenfachkraft, T-Shirt- und Buttondesigner für alle möglichen Bands und, wenn noch Zeit über ist, Student der Soziologie. Ende vergangenen Jahres hat er nun sein eigenes Plattenlabel gegründet.



Die Idee von Matthias' Label: Bandfreundschaften – auf jeder Veröffentlichung von Rhythm Island gibt es 2 Bands. "Bei den ganzen Konzerten, die ich so veranstalte, laufen einem halt zwangsläufig obernette Leute über den Weg. Ich habe mich schon immer besonders gefreut, wenn sich Bands untereinander gut verstehen, in Kontakt bleiben und mal was gemeinsam anzetteln“, erklärt der Labelchef. Festgehalten wird das Ganze auf dem, laut Matthias, Königsformat 10'', eine “Liebhaberei, wunderschön! Es passt fast genauso viel drauf wie auf eine LP, ist aber irgendwie die schönste Größe und die Wiege des Vinyls.“


Den Gedanken der Wirtschaftlichkeit verschwendet Matthias dabei nicht: „Ich denke, dieses Label muss ich als Hobby sehen, das hat viel mit Liebe und Engagement zu tun. Es ist viel Arbeit, teuer und macht Spaß. Im Zuge des großen Labelsterbens, in dem auch unglaublich viele Indie-Labels sterben oder in die fetten Player aufgesogen werden, muss doch irgendwer die Fahne außerhalb des Break-even-Gedankens hochhalten, je mehr, je besser!“



Obwohl Matthias vom Punk-Rock kommt, und er selbst einen sehr breit gefächerten Musikgeschmack hat, ist Rhythm Island stilistisch von Roots-Musik, also Rockabilly, Country, Swing, Folk und artverwandtem geprägt. Dabei hält er auch an einem physikalischen Tonträgerformat fest. Er liebt das Vinyl und steht ganz und gar nicht auf Downloads. „Das ist für den Augeblick, aber eine Hank Williams-Platte, die ist für immer, wenn ich sie liebe. Das geht mir auch mit vielen neuen Sachen so. Auflegen und bewusst hören ist was sehr Wertvolles, das ich nicht missen möchte. Ein anderer Umgang mit Musik als der Shuffle-Befehl."

Bei seinen ersten Veröffentlichungen setzte Matthias auch auf lokale Bands – die Leopold Kraus Wellenkapelle und The Shape Shifters – was einerseits aus persönlichen Freundschaften resultiert, andererseits betrachtet er sich auch als Fan. Und wenn sich mit lokalen Bands was ergibt, ist er dabei. Er schätzt den Kampf dieser Bands, eine Szene am Leben zu erhalten.

Sein neuester Wurf ist jedoch eine Kollaboration mit der Rock'n'Roll-A-Prominenz Jon Spencer und seiner Band Heavy Trash. Eine Verbindung, die aus einer Rock'n'Roll- und Alkohol-Nacht vor einigen Jahren in Hamburg entstanden ist. Seither ist man in Kontakt und Matthias hat die Band auch schon in den USA besucht. Und deshalb liest sich der Tourplan von Heavy Trash nun: Berlin, Köln, Freiburg!



Viele neue Platten im Königsformat sind geplant, Kontakte wurden geknüpft, Aufnahmen gemacht, doch „Ich muss allerdings erst mal wieder sparen…“. Deshalb ist dem Leser geraten, sich die Scheiben von Rhythm Island zuzulegen, damit es schnell weitergeht.

Mehr dazu:


Was:
Heavy Trash & Powersolo - Rhythm Island Record Release Gig (Local Support: Marvin Firewall & Buddy Breslauer)
Wann: Sonntag, 20. Januar 2008, 20 Uhr
Wo: Café AtlantikEintritt: 10 €