Übung

Rettungshunde schnüffeln durch die Trümmer des Freiburger Volksbank-Gebäudes

Simone Lutz

Im Volksbank-Gebäude an der Bismarckallee, das gerade abgerissen wird, hat am Sonntag die Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes geübt.

Kaum zu glauben, dass das hier mal der Hauptsitz einer Bank war. Das Volksbank-Gebäude an der Ecke Bismarckallee und Eisenbahnstraße ist nur noch eine in weiten Teilen ausgehöhlte, trostlose Ruine. Kabel hängen von geborstenen Deckenplatten, klaffende Löcher in allen Wänden, Scheiben und Spiegel sind gesprungen, überall Schutthaufen.


Es knirscht, als die 13 Hundeführerinnen und Hundeführer der DRK-Rettungshundestaffel einen dunklen Treppenschacht hochsteigen, nur erhellt vom Licht der Taschenlampen . "Vorsicht, es liegen jede Menge Scherben rum", sagt Ausbildungsleiter Karsten Hanke. An diesem Sonntag Morgen üben die Rettungsteams – Mensch und Hund –, wie man vermisste Personen in einem Trümmerfeld findet.

Magnus darf als Erster ran. Der sechsjährige Labrador ist schon freudig aufgeregt: Gleich schnüffeln! Gleich suchen! Gleich Leckerli! Herrchen Karsten Hanke zeigt ihm den Weg an, und fort ist der Hund, schnell wie ein Blitz. Gleich wird er schnüffeln, ob irgendwo ein Mensch liegt, hinter einer Tür oder einer Säule; im Ernstfall könnte es auch ein Trümmerfeld sein.

"Wir lernen alle noch dazu." Karsten Hanke
Hunde haben extrem feine Nasen, erklärt Claudia Heckle, die stellvertretende Ausbildungsleiterin, kein technisches Gerät ist so effektiv wie eine Hundeschnauze. Das liegt daran, dass die Tiere bis zu 220 Millionen Riechzellen haben, ein Mensch hat gerade mal fünf Millionen. Und damit die Rettungshunde nicht von anderen Gerüchen, von Rauch oder Lärm abgelenkt werden, wird in möglichst realitätsnahem Gelände trainiert.

Magnus hat sich inzwischen durch alle Ecken durchgeschnüffelt, hinter alle Schutthaufen geschaut und einen Helfer gefunden, der sich hinter einer Säule versteckt hatte. Der Labrador bellt, um anzuzeigen: Hier ist ein Mensch. Wäre dies der Ernstfall und der Mensch verschüttet, würde noch ein Rettungshund losgeschickt – und wenn der an der gleichen Stelle bellt, kommen die Retter mit schwerem Gerät.

"Fein gemacht, braver Hund", gratuliert Karsten Hanke, wuschelt den aufgeregten Magnus liebevoll und lässt ihn sein Leckerli – rohes Hühnerherz – aus einem Apportierbeutel fressen. Das Training läuft über Spiel und Belohnung, erklärt Claudia Heckle; selbst wenn die Hunde keinen Menschen finden, bekommen sie eine Belohnung.

Für Finden gibt’s eine Belohnung – und viel Lob

Unten vor der Volksbank zerrt schon Sweep, ein zweijähriger Settermischling, an der Leine. Sweep ist noch in Ausbildung, vielleicht noch ein wenig unsicherer als Magnus, als sie den Treppenschacht hinaufhechelt. Aber auch sie findet die versteckte Person, bellt und bekommt ihre Streicheleinheiten und das Leckerli. Die achtjährige Shanna, ein Mischling, kläfft ebenfalls aufgeregt, als sie hinter einer angelehnten Tür in einer dunklen Abstellkammer einen zusammengesunkenen Menschen ausmacht – der richtet sich auf, gibt ihr die Belohnung und lobt: "Feiner Hund, feiner Hund!" Bei jedem Hund diskutieren die Hundeführer, was gut war und was man besser hätte machen können, "wir lernen alle immer noch dazu", sagt Karsten Hanke.

26 Teams hat die Freiburger Rettungshundestaffel, die Hundeführer machen das alle ehrenamtlich. Mehr als 1000 Stunden im Jahr, so die Schätzung, verbringen sie im Training, bei Einsätzen oder in der Öffentlichkeitsarbeit. Erst vor kurzem hatte die Staffel einen Einsatz in Herdern, da wurde eine verwirrte Person vermisst. "Ich habe mir gedacht: Wenn ich schon einen Hund wie Valco habe, dann kann ich doch gleich was Vernünftiges anfangen", sagt Regula Wolf. Ihr schwarzer Labrador war 13 Wochen alt, als sie sich im Juli vergangenen Jahres die Rettungshundestaffel anschauten. Regula Wolf und Valco sind geblieben, am Sonntag Morgen gingen auch sie auf die Suche nach vermissten Personen im Volksbank-Gebäude.

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