Republic of Culture: Viel Kultur um nichts?

Friederike

Eine Freiburger Kommunikationsagentur will mit der geheimnisvoll klingenden "Republic of Culture" gegen die Geiz-ist-Geil-Mentalität ankämpfen. Ehrlich gesagt: Wir haben nicht ganz verstanden, inwiefern sich diese Kulturrepublik von einem bloßen Basar diverser Gewerbetreibender unterscheidet. Aber vielleicht findet Ihr das Interview mit Initiator Thomas Feicht ja etwas erhellender (oder zumindest amüsanter).



Herr Feicht, der Begriff "Republic of Culture" ist recht abstrakt. Was verbirgt sich dahinter?

Hinter der Idee steckt Medirata, unsere Agentur für Kommunikation. Man redet ja heute immer über Netzwerke, aber sie sind schwer zu leben. Es geht uns, um das mal abzukürzen, um die Vernetzung verschiedener Kulturszenen: klassische Kultur, Auftragskultur, kommerzielle Kultur und Vertriebe, speziell Läden und Galerien.

Wie wollen Sie diese Vernetzung durchführen?

Es sind sicherlich auch Netzwerke, aber das Ganze ist auch eine Initiative für das Gute und Qualität. Wir leben ja heute mit einer Billig-billig-Geiz-ist-geil-Mentalität. Unser Motto hingegen lautet „Lust auf Gut“. Das ist der emotionale Claim, der dagegen arbeitet. Wir wollen Leute zusammenbringen, die einfach die Dinge gut machen oder dies zumindest versuchen. Dafür machen wir ein Magazin und natürlich auch einen Internetauftritt.

Was unterscheidet die "Republic of Culture" von einer bloßen Werbekampagne für unterschiedliche Händler, die versuchen, ihr Geschäft ins Gespräch zu bringen?

Es ist eine Eigeninitiative, die auf Bedürfnisse gestoßen ist. Die Leute sagen: "Wir brauchen das. Wir wollen zeigen, dass wir Dinge gut machen, dass wir gute Produkte haben, dass wir guten Service machen, dass wir gute Qualität liefern." Architekten und Designer zum Beispiel haben ja gar keine Plattform, dementsprechend groß war ihr Interesse an diesem Projekt. Wir wollten ursprünglich ein Magazin mit 64 Seiten machen. Jetzt sind wir schon bei 104 Seiten.

Ist die Republic of Culture ein Verein? Gibt es Mitgliedsbeiträge?

Das ist ohne eingebürgerte Staatsbürger. Es ist eine Initative, die vielleicht sogar in einer neuen Innenstadtkommunikation mündet, aber das kann man natürlich aufbauen und das wird vielleicht nächstes Jahr stattfinden. Der Start ist jetzt dieser Culture Day am 13. November, da machen die verschiedenen Läden was. Es gibt zum Beispiel offene Ateliers.



Und dafür muss man eine "Kulturrepublik" gründen?

Jetzt am Anfang werden die Leute auf ihre Produkte aufmerksam machen. Schafferer wird zeigen, dass dieser Name mit Kaffeekultur, Teekultur, Esskultur zu tun hat. Im Rombach zum Beispiel gibt es dann Lese-und Reisekultur, auch Architekturkultur. Und beim Saumer gibt es was zu gewinnen, die verlosen was, ein Möbelstück.

Wobei wir wieder bei der Billigheiner-Mentalität wären.

Ein paar Aktionen gibt es schon am Freitag, den 12. November. Previews. Es ist eine Kooperationsgeschichte. Viele der Geschäftsinhaber kennen sich nicht mehr untereinander. Sie kennen den Laden, aber nicht den Inhaber. Wir leben in einer Innenstadtverödung, weil die Mieten hochgehen und jede Einkaufsstraße in jeder Stadt gleich aussieht und die Spezialläden gehen entweder kaputt oder gehen in die Wiehre oder in den Stühlinger.

Glauben Sie wirklich, dass der normale Kunde den theoretischen Überbau ihres Projekts versteht?

Im Prinzip wird man nur auf neue Produkte aufmerksam machen. Im nächsten Jahr wird man dann verstärkt kulturelle Projekte miteinbeziehen, die sowieso stattfinden. Zum Beispiel gibt es ja Literaturtage, die viele Leute gar nicht mitkriegen, wenn sie sich nicht extrem für Literatur interessieren. Auf diese Weise werden sie miteinbezogen. Dieses Jahr sind erst die Mitmacher im Mittelpunkt, die dann für Kulturereignisse eine Plattform bieten.

Website: Republic of Culture
Was: Culture Day
Wann: Samstag, 13. November 2010
Wo: diverse Orte

Mehr dazu: