Reisetipps für Sydney (14)

Louise Hoelscher

"Where the bloody hell are you?" Dieser Werbeslogan soll Touristen nach Australien und in die 4-Millionen-Metropole Sydney locken. In den meisten Fällen kommen sie ohnehin. Denn Sydney ist attraktiv. Wie der Stadtbesuch noch schöner wird, verrät Louise in folgenden Tipps.



Die übersehene Sehenswürdigkeit

Vor genau 10 Jahren lief der Film „Große Erwartungen“ mit Ethan Hawke, Gwyneth Paltrow, Robert de Niro und Anne Bancroft in unseren Kinos. Was das mit Sydney zu tun hat? Die Literaturvorlage ist von Charles Dickens und das historische Vorbild für Miss Havisham (die Frau, die am Altar vom Mann sitzen gelassen wird und daraufhin tief traumatisiert ihr Brautkleid nicht mehr ablegt) liegt in Newtown begraben: Eliza Emily Donnithorne.

Newtown ist ein trendiges Studenten-Schwulen-Lesben-Viertel in der City (Inner West). So eigenwillig Miss Donnithorne, so verwunschen der Friedhof. Hier lehnen sich Grabsteine aneinander an, sind umgestürzt oder gänzlich zerfallen.

Newtown Camperdown Cemetery, 187 - 189 Church Street, Newtown 2042



Nachtquartier

In Glebe, einem der schönsten und ältesten Viertel in Sydney, befindet sich das Backpackers „Glebe Village“ mit Pancake-Frühstück am Wochenende und Aussie-BBQ unter der Woche. Eine sympathische Alternative zu den Party-Backpackers in Kings Cross.

Glebe Village, 256 Glebe Point Road, 2037 Glebe





Kaffeepause

Das Café „Badde Manors“ in Glebe ist mit sensationellem Kuchen ein Muss. Da nimmt man auch gerne die etwas gewöhnungsbedürftige Bestuhlung in Kauf. In Newtown ist das Café „Corellis“ eine echte Konkurrenz. Mit super leckerem Kaffee – unbedingt den Mocca probieren – und ebenso gutem Gebäck.

Corelli’s, 352 Kingstreet, Newtown 2042

Badde Manors, 37 Gelbe Point Road, Glebe 2037



Magengrummeln

Vielleicht zu unchristlich für manche, eignet sich die oben beschriebene „Friedhof-Oase“ im Großstadttrubel prima als Picknicklocation. Einfach für 4 AUD (australische Dollar) bei „Eat-me-Sushi“ zwei Sushirollen gekauft und auf geht’s zum Newtown Camperdown Cemetery.

Wem die Völlerei in Kirchennähe doch zu pietätlos ist, setzt sich in den Bus Richtung City Road und steigt bei China Town aus. Da gibt es einen Festschmaus der ganz anderen Art: Yum Cha. Das sind diese leckeren chinesischen Kleinigkeiten, die man in Asiamärkten in Deutschland nur in der Tiefkühltruhe findet. Hier sind sie frisch zubereitet und fahren in Wägelchen an einem vorbei. Man sucht aus, was man will und hört erst auf zu essen, wenn die Tischdecke so richtig vollgekleckert ist.

Eat-me-Sushi, 258 Kingstreet, Newtown 2042

Shop till you drop

Shoppen bis zu Umfallen: Das geht besonders gut in der Oxford Street in Paddington, wo viele Jungdesigner ihre Mode verkaufen, bevor sie zu den ganz Großen werden. Jeden Samstag findet auf dem Platz vor der Paddington Uniting Church von 10 bis 16 Uhr ein Markt statt: von Kunsthandwerk bis Klamotten findet man hier alles. Wer auf bequeme Outdoor-Kleidung (auch für den alltäglichen Gebrauch geeignet) steht, dem sei folgendes Geschäft ans Herz gelegt: „lululemon athletica“.

In diesem Laden sind die Kunden Könige: an die Umkleidekabinen wird der Name geschrieben, damit die Beratung möglichst persönlich ablaufen kann. Was es sonst noch Tolles gibt: jeden Sonntag Yoga-Kurse für umme! Ein kleiner Ratschlag für blutige Anfänger in Sachen „Shoppen in Down Under“: auf die Fragen „How are you today?“ oder „How was your day so far“ nicht etwa anfangen Geschichten zu erzählen, sondern brav „Fine, thank you“ antworten!

lululemon athletica, 340-346 George St, CBD 2000 oder Warringah Mall (Shop 93a), Brookvale 2100

Kunst und Kultur

Was Kunst angeht, steht die Art Gallery of New South Wales an erster Stelle. Dort befinden sich eine einzigartige Aborigine-Kunstsammlung und vieles mehr.  Für die, die das nötige Kleingeld haben, folgender Tipp: Aufführungen im Opera House lohnen schon allein wegen der Architektur des Gebäudes. Wer Glück hat, kann hier neben Oper und Schauspiel „The Bangarra Dance Theatre“ bestaunen: Aborigine-Künstler vermischen in ihren spannenden Performances traditionellen und modernen Tanz. Aber auch der Blick über den Hafen macht einem Glas Sekt in prickelnder Hinsicht echte Konkurrenz!

Arte Gallery of NSW, Art Gallery Road, CBD.
Opera House, Bennelong Point Sydney



Für Nachtschwärmer

Einen atemberaubenden Blick hat auch die Orbit Bar im 47. Stockwerk des beeindruckenden Hochhauses „Australia Square“. Seit 40 Jahren werden hier mit 360-Grad-Panoramaaussicht Cocktails ausgeschenkt. Eine perfekte Bar zum Vorglühen, bevor im „Stonewall Hotel“ abgetanzt wird. Der Club ist bekannt als „Sydney's No 1. Gay & Lesbian venue“.

Heterosexuelle sollten sich von der Homepage nicht abschrecken lassen: hier fühlt sich jeder wohl. An sieben Tagen in der Woche legen hier Sydneys beste Djs auf. Gediegener geht es in The Basement zu, das im Central Business District (CBD) liegt. Hier spielten schon Jazzgrößen wie Dizzy Gillespie und Herbie Hancock, aber auch Pop- und Rockgrößen wie Prince und Tex Perkins.

Orbit Bar, Level 47, Australia Square, 264 George Street, CBD Stonewall Hotel, 175 Oxford Street, Darlinghurs

The Basement, 29 Reiby Place, CBD

Für Romantiker

Und wer den Tag lieber ein wenig romantischer ausklingen lassen und Seeluft schnuppern möchte, nimmt abends die Fähre von Circular Quay nach Manly. Erst die Skyline und dann mit der/m Liebsten den Mondaufgang am Strand anhimmeln. Vielleicht ja mit Musikuntermalung: The Cat Empire ist die angesagte australische Band.

The Cat Empire, So Many Nights, 21 AUD



Ab ins Grüne

Bei schönem Wetter – und das ist in Sydney praktisch fast jeden Tag der Fall, gehen die Sydneysider zum Strand in Bondi, der allerdings am Wochenende sehr touristisch ist, und zum Strand in Manly. Hier wird Volleyball gespielt, gesurft, sonnengebadet, gegrillt oder einfach nur geschwatzt.

Bekannt ist den meisten der Bondi-Coogee-Walk, aber ein echter Geheimtipp ist der „Spit Walk“, der beim Manly Wharf anfängt und bei der Spit-Bridge aufhört (von dort fährt wieder ein Bus zurück nach Manly). Wunderschöne Ausblicke über den Hafen, aber auch entlegen Strände, wie Washaway Beach, Castle Rock Beach und Clontarf Beach, machen diesen „Spaziergang“ zu etwas ganz Besonderem. Also: Essen und Trinken für die 4-stündige Wanderung einpacken und Badesachen nicht vergessen!



Mehr dazu:

fudder: Großstadtgeheimtipps