Reisetipps für Sevilla (4)

Meike Riebau

"Sevilla, Sevilla... triunfará...", singen die Sevillaner im Fußballstadion. Und das ist absolut wahr: Sevilla erobert jeden. Trotz der unerträglichen Temperaturen im Sommer, trotz der nervigen Tatsache, dass man in Sevilla immer als Ausländer erkannt wird (und teilweise auch so behandelt wird). Und trotz der vielen Hundekacke auf der Strasse. Die Stadt ist einfach der Wahnsinn.





Übersehene Sehenswürdigkeit und schönstes Kaffee in einem: Die Baños Arabe in Santa Cruz (Calle Aire 15)

Sevilla muss man sich „erlaufen“. Einerseits, weil die ganze Stadt ein einziges Schmuckstück ist, und zum anderen, weil es so gut wie kein Nahverkehrssystem im Zentrum gibt. Hinzu kommt, dass es in der Stadt immer laut ist – es wird gehupt, geschrieen, gestritten und gebaut. Deshalb sind die Baños Arabes, die arabischen Bäder, eine Wohltat: Mitten in Santa Cruz, dem historischen Zentrum, in einer schulterbreiten Gasse versteckt sich dieses Wohlfühlbad mit dazugehörigerer „Teteria“, einer arabischen Teebar. Es ist eine Phrase; aber ja, man fühlt sich in Tausendundeine Nacht hineinversetzt: Gemütliche Sitzecken, kleine Kerzen, winzige, in den Boden eingelassene Mosaike und plätschernde Mini-Springbrunnen.

Die Bäder selbst sind zwar relativ klein, aber schließlich ist man nicht hier, um Langstreckenschwimmen zu üben, sondern um sich zu entspannen. Aber es lohnt sich auch schon, nur in die dazugehörige Tee-Bar zu gehen: Sehr guter marokkanischer Tee, formvollendet serviert in Silberkännchen von den (sehr gut aussehenden) Kellnern. Eine Stunde in der Teteria, und ich bin ein neuer Mensch! Adresse:
  • Aire de Sevilla/Baños Arabes, Calle Aire 15, Stadtteil Santa Cruz

Schönste Bar

Die schönste Bar der Stadt ist eindeutig der „Espacio Azahar“. Das Azahar wirbt nicht für sich. Kein Schild, keine Speisekarte weist Passanten darauf hin, dass sich in dem Hotel in der Calle Jesús del Gran Poder eine öffentliche Bar befinden könnte. Und was für eine: Auf der Dachterrasse, mit weißen Sofas, Jacuzzi, Jazzmusik und Blick über die Mosaikdächer und Palmen Sevillas lässt sich ganz hervorragend Kaffee/Mojito/Bierchen trinken - und dass noch nicht einmal zu außergewöhnlich hohen Preisen: Kaffee 1,40, Cocktails um die 5 Euro, und Shisha gibt es natürlich auch. Nachts ist das Ganze natürlich enorm romantisch, unter Sternenhimmel auf den weißen Liegen und mit Blick auf die angestrahlte Kathedrale. Einziger Nachteil: Der stinkende Aufzug, in den nur drei (!) Personen dürfen. Aber es gibt ja auch Treppen. Adresse:
  • Espacio Azahar, Calle Jesús del Gran Poder 28 (hinter Plaza del Duque).


Lieblingsrestaurant

Lieblingsrestaurant... da kann ich mich leider nicht nur für eins entscheiden, deshalb hier drei meiner Favoriten.
Unglaublich gute Tapas gibt es im „Eslava“ (Calle Eslava), „muy español“, nur Locals, immer gestopft voll. Das Tolle ist: Es gibt ein Restaurant, das (etwas) teurer ist, und daneben die Tapasbar, wo man im Stehen ist (es gibt auch drei oder vier Tische, aber die sind meistens besetzt). Bar und Restaurant teilen sich die Küche, der einzige Unterschied sind die Portionsgrossen und die Preise. Mein Tipp: Paprika gefüllt mit Fischfilet und einer wahnsinnigen Soße. Oder Muscheln, beides fantastisch. Auch sehr gut ist das „Dos de Mayo“ (Plaza de la Gavidia), sehr gute Montaditos (kleine Brötchen belegt mit Fisch/Fleisch/allem möglichen) und panierte Gambas in Bechamel. Und der Platz selbst mit Palmen und vielen spielenden Kindern ist sehr malerisch. Ansonsten ist auch das „Coloniales“ (Plaza Christo de Burgos) sehr gut, allerdings muss hier immer ein bisschen Wartezeit eingerechnet werden (Hühnchenbrustfilet mit Mandelsoße ist sehr zu empfehlen). Und wer irgendwann keine Lust mehr auf Jamón und Gambas hat, kann zu einem sehr guten Italiener in der Strasse Jesús del Gran Poder gehen: Il Forno, super Pizza und Pasta, zu angemessenen Preisen (um die 8 Euro). Adressen:
  • Bar Eslava: Calle Eslava 3, gegenueber von Plaza San Lorenzo.
  • Bar Dos de Mayo: Plaza de la Gavidia (Zentrum) Bar Coloniales, Plaza Cristo de Burgos 18.
  • Pizzería Il Forno, Calle Trajano 44.
 

Clubs

Im Sommer gibt es einige Open Air Clubs: Sehr schön ist das Casino, direkt vor dem Theater Lope de Vega, mit bunten Lampions und kleinen Pavillons. Allerdings auch relativ edel, Eintritt kostet etwa 20 Euro am Wochenende, dementsprechend ist auch das Publikum: gut gekleidet und häufig ein bisschen älter. Etwas (sehr viel) alternativer geht’s im Jackson an der Ecke von der Alameda der Hercules zu: Etwa mit dem Crash vergleichbar, niemand weiß, warum es in dem Schuppen immer voll ist und hat die gleicht Zeitloch-Wirkung: Man kommt um ein Uhr und auf einmal – nach gefühlten zwei Stunden – ist es sechs Uhr. Keine Ahnung, wie das immer passiert. Weitere Clubs und Adressen:
  • Funclub (alternativ, Alameda de Hercules), Antigue (Schicker Opendairclub mit Dachterrasse).
  • Jackson: Alameda de Hercules
 

Kultur und Kunst

Es gibt einige Museen in der Stadt, aber das einzig wirklich empfehlenswerte ist das „Museo de Bellas Artes“, in dem sogar einige Murillos hängen. Das Theater Lope de Vega hat ab und zu auch einige gute Aufführungen und ist dazu enorm günstig für Studenten – allerdings sind alle Aufführungen auf Spanisch. Ansonsten sollte man den „Giradillo“ konsultieren, ein kostenloses Magazin, das in Bars und Restaurants ausliegt, und alle kulturellen Veranstaltungen des Monats ankündigt. Adresse:
  • Mueso de Bellas Artes, Plaza Museo 9 (Zentrum).
 

Romantischster Ort

Alcazar, die königlichen Gärten. War früher mal der Lustpark der Könige, mit kleinen Tempelchen, Duftgarten, antikem Schwimmbad und den höchsten Palmen, die ich in meinem Leben gesehen habe. Einziges Problem: Es ist, neben der Kathedrale, Sightseeingpunkt Nummer eins. Im Sommer einfach immer überlaufen, aber wer früh aufsteht, kann bevor der Massenansturm kommt ein nettes Picknick auf den Mosaikstufen oder im Labyrinth veranstalten.
Ansonsten empfehle ich den zweit-romantischsten Ort Sevillas: Parque María Luisa. Ein öffentlicher Park, genau wie die königlichen Gärten im arabischen Stil, mit ganz vielen verwünschelten Ecken und kleinen Springbrunnen. Adresse:
  • Alcazar: Gegenüber der Kathedrale (unübersehbar).

Hotel/Hostel/Zimmer

Das Backpacker-Hostal in Triana in der Calle Rodriguez de Triana ist sehr schön gelegen, in einer kleinen ruhigen Gasse, mit freiem Internetzugang und sauberen Zimmern, pro Nacht etwa 20 Euro. Ansonsten empfehle ich die Zimmer von „Topcity“, einer Immobilienagentur, Doppelzimmer zwischen 20 und 40 Euro pro Nacht, meistens mit kleiner Kochzeile und Dusche und alle im Zentrum gelegen. Die Website ist auf Spanisch und Englisch. Adressen:
  • Backpackerhostel: Calle Rodriguez de Triana 69.

Shop 'til you drop

In Sevilla kann man ganz hervorragend einkaufen, vor allem Schuhe. Und T-Shirts. Und Kleider. Und eigentlich alles. Klassische Einkaufsstrassen sind die Calle Tetuan, Calle Sierpes und umliegende Strassen, alle beginnend am Plaza Nueva, einem der größten Plätze der Stadt mitten im Zentrum. Ansonsten gibt es in jedem Viertel die „Chinos“, Läden, die man in Deutschland vielleicht „Billigläden“ nennen würde, wo man aber schon Schuhe, Schmuck, T-Shirts und Taschen für einen Spottpreis bekommen kann. Ein Paradies für Mädels, die immer noch so an Krimskrams hängen wie zu Grundschulzeiten. Allein in der Calle San Jacinto (Stadtteil Triana) gibt es fünf Chinos (Und ja, die Besitzer sind wirklich alle Chinesen).



Meet the Locals

Der Spanier an sich ist ein Barmensch. Jegliche Bar ist geeignet, um Kontakt aufzunehmen. In Sevilla gibt es davon so viele, dass laut Stadtverordnung keine neuen mehr aufmachen dürfen. Sehr schön ist der Plaza San Salvador (im Zentrum), jeden Abend gerammelt voll, ein Platz mit vier Bars nebeneinander, einer breiten Treppe, auf der man sich setzen kann und gemütlich seine Cerveza oder Vino Tinto trinken kann.
Ansonsten die "Alameda" (Stadtteil Macarena), ein riesiger Platz, voller Bars, für jeden etwas dabei, von reiner Gaybar über Schickimicki bis hin zu Ultra-Hippie.

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