Reisetipps für Paris

Julika Herzog

Paris hat mehr zu bieten als den Louvre und die Champs-Elysées. Natürlich gehört eine Bootsfahrt auf der Seine und ein Vorbeischlendern an Notre-Dame zum Pflichtprogramm. Aber in der französischen Hauptstadt gibt es einiges mehr zu entdecken. fudders Exil-Parisienne Julika verrät uns ihre Geheimtipps



Übersehene Sehenswürdigkeit

Warum für einen Ausblick über die Dächer von Paris drei Stunden am Eiffelturm anstehen und 12 Euro für den Aufzug oder 5 für einen Treppenmarathon bezahlen? Das Insitut du Monde Arabe, das arabische Kulturzentrum von Paris, hat eine super Dachterrasse mit einer „vue magnifique“ auf die alten Bürgerhäuser mit ihren Schornsteinchen und Stuckverziehrungen.
Bei einem Minztee in dem kleinen libanesischen Café auf dem Dach liegt mir Paris zu Füßen. Von hier ist Notre-Dames Rückseite zu sehen. Eigentlich viel schöner als die bekannte Front mit den 2 Türmen...

Außerdem fasziniert mich der Bau von dem Architekten Jean Nouvel: Die ganze Südseite ist mit sich öffnenden und schließenden Alulinsen nach dem Fotoapparatsprinzip verziert – sie sollen an die „moucharabieh“ erinnern, die aus Holz geschnitzten arabischen Fenstergitter, die Frauen vor neugierigen Männerblicken schützen.

Adresse: Institut du Monde arabe, 1, rue des Fossés Saint-Bernard (Metro Jussieu oder Sully-Morland)



Shop till you drop

Zum Einkaufen gehe ich in das Marais. Dieses Quartier ist das historische Judenviertel von Paris, mittlerweile ist es aber zum hippen Schwulenviertel konvertiert. Hier findet man die coolsten Designerläden, neben Second-Hand und Vintage-Kram, und gerade Männer finden hier richtige Schätze.

Ich mache erstmal einen Abstecher in meinen Lieblings-Secondhandshop und kaufe ein 50er-Jahre-Schürzenkleid für 10 Euro. Dann gehe ich zu Brontibay, wo ich die extravaganten, bunten Designer-Handtaschen und Geldbeutel anschmachte. Wenn ich doch reich wäre...

Adresse: Vintage Desir, 32 rue des Rosiers; Brontibay, 6, rue de Sévigné (Metro St. Paul)



Kaffeepause

Wenn ich vom Shopping ausgepowert bin, erhole ich mich im 60er Jahre Ambiente des Pick-Clops mitten im Marais. Ich bevorzuge einen „Diabolo-Menthe“, Limonade mit Minzlikör – sehr erfrischend für den großen Durst. Die Preise sind wie fast überall in Paris gesalzen: eine Limonade und auch ein Kaffee kosten 4,50 Euro. Kleines Trostpflaster: frische Erdnüsse gibt es, so viel man will: An einem gigantischen Erdnussspender darf man sich umsonst bedienen.

Adresse: Le Pick-Clops, 16, rue Vieille du Temple (Metro St. Paul)



Magengrummeln

Die französische Küche ist ja allseits bekannt und das auch zu Recht, aber im multikulturellen Paris will ich die kulinarische Köstlichkeiten der ganzen Welt genießen. Lust auf Chinesisch? Ab in die Pariser China-Town ins 13. Arrondissement, in der Rue de Tolbiac wimmelt es von leckeren China-Restaurants. Oder doch lieber Sushi?

Dann fahre ich zum Jardin du Luxemburg, in der Rue Monsieur le Prince reiht sich Sushi-Tempel an Sushi-Tempel und die Preise sind eine Wohltat. Steht mit der Sinn nach scharfen indischen Chili: beim Gare de l’Est in der Passage Brady haben die vielen Inder Menüs ab fünf Euro. Und in der Rue des Rosiers im jüdischen Viertel gibt es die besten Falafeln auf dem europäischen Kontinent.

Will ich die französische „Grande Cuisine“ genießen, diniere ich im gediegenen Ambiente des Café de l’Industrie, ein nettes Bistro im typischen Pariser Stil mit jungen Publikum. Kurz gesagt: sehr „Bo-Bo“, also Bourgeois-Bohême. Zu empfehlen: das Carpaccio mit einem Pichet de Vin rouge.

Adresse: Café de l’Industrie, 15, 16, 17, rue Saint Sabin (Metro Bastille)



Fine Art

Museen gibt es hunderte in der französischen Hauptstadt, aber ein besonderes Kunsterlebnis ist das Musée Rodin: hier in dem Stadtpalais Hôtel Biron ist nicht nur die schöne Skulptur "Le baiser" (Der Kuss) des Künstlers zu sehen, einige seiner Skulpturen wie "Le penseur" (Der Denker) werden auch im wunderschönen Garten ausgestellt.

Im Gepäck sollte ein Gedichtband von Rilke nicht fehlen, der deutsche Dichter hat als junger Mann hier gemeinsam mit Rodin gelebt.

Adresse: Musée Rodin, 79, rue de Varenne (Metro Invalides)



Nachtschwärmer

Um den Abend ein wenig günstiger anzugehen, mache ich mich auf den Weg ins Café Chérie. In dieser ziemlich alternativen, aber sehr einzigartigen Bar kostet mich ein Bier nur drei Euro – im Gegensatz zum Pariser Normalpreis von sechs bis sieben Euro ein richtiges Schnäppchen.

Die Nacht durchfeiern auf Elektro-Rhythmen kann ich ab 1 Uhr im Point Ephemere: Diese Mini-Fabrikhalle am Canal St. Martin hat ihren eigenen Charme. Berlin-Style in Paris, das ist hier was ganz besonderes und beim Rauchen oder auch Verschnaufen im Freien genieße ich den Ausblick auf den Kanal, bekannt aus „Amélie Poulain“.

Adresse: Café Chérie, 44 Boulevard de la Villette (Metro Belleville), Point Ephémère, 200 Quai de Valmy (Metro Jaurès)



Nachtlager

Eine wahre Oase der Ruhe ist das Hotel des Grandes Ecoles, es liegt in einem kleinen, romantischen Hinterhof. Die Zimmer sind winzig, wie in allen Pariser Hotels, haben aber eine originelle Einrichtung: bunte Landschafts-Tapeten wie im 19. Jahrhundert und alte Möbel, ein Wohnerlebnis fast wie zur Untermiete bei Victor Hugo.

Außerdem sind sie auf zwei Häuser verteilt, rund um einen wunderschönen Hinterhof mit Garten und Tischchen – eine wahre Rarität im engen Paris. Hier kann mein sein Frühstückscroissant in der Sonne genießen, das ist auf jeden Fall die 90 Euro für das Doppelzimmer wert.

Adresse: Hotel des Grandes Ecoles, 75, rue du Cardinal Lemoine (Metro Cardinal Lemoine)



Für Romantiker

Paris ist die Stadt der Liebe, hier ist einfach alles romantisch.
Ein besonderes Pärchenerlebnis ist aber ein Spaziergang im Park Buttes-Chaumont. Hier auf dem hohen Felsen inmitten eines kleinen Sees ist ein kleiner Pavillon gebaut, der einen tollen Ausblick auf Paris bietet.

Adresse: Parc Buttes-Chaumont (Metro Pyrenées)



Meet the locals

Die Parigots, die hochnäsigen und oft grummeligen Eingeborenen der französischen Hauptstadt, halten sich vorwiegend in der Nähe von Essbaren auf. Also im kleinen Bistro an der Ecke, in der Boulangerie oder auf einem der vielen Märkte.

Auf dem Markt beim Place Monge sind sie jeden zweiten Tag in freier Wildbahn zu beobachten: beim Käse, Wurst und Gemüse probieren und kaufen, beim Feilschen und Quatschen. Mit dem hier erworbenen Baguette und Käse setze ich mich in die Arènes de Lutèce. Hier in der antiken römischen Arena sind bei gutem Wetter die alten „Monsieurs“ beim Boules spielen zu beobachten.

Adresse: Markt auf dem Place Monge

Arènes de Lutèce, 47, rue Monge (Metro Place Monge)



Kleines Extra: von A nach B

Statt mit der Metro zu fahren, schwinge ich mich in Paris lieber auf ein Vélib – das Pariser Fahrrad zum Ausleihen – für nur einen Euro am Tag. Die Stationen sind nicht zu übersehen, alle dreihundert Meter gibt es eine.

Bei der Fahrradtour durch Paris sollte man Ausschau halten nach einem der vielen, überdimensionalen Wandgemälde, die in der ganzen Stadt verteilt zu finden sind.



Die Tippgeberin: Julika Herzog studiert in Freiburg deutsch-französische Journalistik. Nach einem Erasmus-Jahr in der französischen Hauptstadt ist sie hier hängen geblieben und hat Paris zu ihrer Lieblingsheimat erklärt. Zwei Jahre später hat sie ihren Magisterabschluss an der Sorbonne gemacht.

Außerdem hat sie ganz klischeehaft ihren Liebsten in Paris gefunden und verbringt seit der Rückkehr nach Deutschland ihre immer viel zu kurzen Wochenenden in Paris.

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