Reisetipps für Oslo

Romina Petersen

Keine Skyline, keine Angeber-Architektur. Dennoch ist Oslo unverschämt reich, seit man Ende der Sechziger Jahre vor der Küste Öl entdeckte und das Land damit zum wirtschaftlichen Shootingstar Skandinaviens wurde. Der Norweger war schon immer sehr bescheiden. Und naturverbunden. Romina Petersen (Foto) erzählt uns mehr übers Norwegens Hauptstadt, die Einwohner und die Kultur. Das sind die Geheimtipps von Oslo:



Norwegen ist ein reiches Land. Das bemerkt man bereits bei der Ankunft am Osloer Flughafen Gardermoen, der auffallend hell ist und aus einheimischen Materialien wie Granit, Schiefer und Holz gebaut ist – und irgendwie auch ein Bild des idealisierten Norwegers widerspiegelt: gut organisiert, offen, einfach, vom nördlichen Licht erhellt, von Stein und Holz gestärkt.

Velkommen til Norge

Weiter geht’s mit dem Zug in die Stadt – der eine Viertelstunde vor Oslo immer noch an Bauernhöfen vorbeizuckelt. Suburbia? Industrie? Fehlanzeige. Ist die Stadt am Ende verdammt klein oder ganz woanders? Die Wahrheit ist: Die Äcker und Weiden und Pferdekoppeln, die man draußen sieht, sind Oslo. Im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten ist (norw. ausgesprochen) uschlu mit seinen 500.000 Einwohnern also wirklich nicht groß, zudem ist ein Großteil des Stadtgebiets bewaldet.

Übersehene Sehenswürdigkeiten



Ein wirklich schöner Ausflugs-Tipp in Oslo: Steigt in der Innenstadt (Station Nationaltheater) in die Straßenbahn Nr. 1 und fahrt bis zur Endstation Frognerseteren.

Bereits die Fahrt mit dieser alten, fast schon historischen Straßenbahn ist ein Erlebnis. Nach etwa fünf Minuten hat man die Innenstadt von Oslo hinter sich gelassen und fährt stetig hinauf, vorbei an typischen Einfamilienhäusern und der Olympia-Skisprungschanze (1954) Holmenkollen.

Oben angekommen einfach den kleinen Weg hinunter zum Restaurant nehmen (ca. 3 Minuten). Von hier oben hat man einen der schönsten Blicke über Oslo und den Oslofjord.

Kaffeepause



Gleich im Voraus: Oslo ist teuer. Sehr teuer. Norwegen allgemein, aber hier kommt gleich nochmal der Hauptstadtbonus dazu. Ein kaffe liegt im Schnitt bei 30 Kronen, etwa 4 Euro. Leitungswasser ist allerdings immer kostenlos, reines Fjordquellwasser und qualitativ top. Wem nicht viel an der Lokalität liegt, dem reicht auch ein verschließbarer Kaffeebecher, der an jeder Statoil-Tankstelle einmalig gekauft und danach beliebig aufgefüllt und mitgenommen werden kann. Praktisch, sowas.

Das wohl bekannteste Café der Stadt ist das Grand Café, in dem seit 1874 gerne Politiker, Künstler und bekannte Persönlichkeiten wie Edvard Munch oder Henrik Ibsen ihr Tässchen (am liebsten schwarz, ohne Milch, ohne Zucker) genießen und dabei das Treiben auf Oslos belebtester Einkaufsstraße, der Karl Johans Gate, beobachten. Letzterer hat wohl einmal seinen Zylinder dort vergessen, denn dieser wird noch heute mit seinem originalen Stammtisch im Lokal aufbewahrt.



Ein Geheimtipp ist auch die Sky Bar, die sich im 107. Stock, dem Top­-Floor des Radisson-Hotels befindet. Der kaffe latte ist hier zwar nicht billig, aber hier zahlt man quasi für die Top-Aussicht auf die Hauptstadt mit.

Im Sommer bietet sich vor allem das Café Sorgenfri an. Hier ist der Name wirklich Programm, denn es befindet sich an der Aker Brygge, der belebtesten Ecke der Stadt und im Hafengebiet, auf dessen langer Promenade man von Weitem auch die Dampfer aus Schweden, Dänemark und Deutschland in den Hafen einfahren sehen kann.

Magengrummeln



Norwegen ist bekannt für seine küstengeprägte, ländliche und bodenständige Küche. Fisch, Kartoffeln, Fleisch (besonders Wild) werden natürlich überall großgeschrieben, verbreitet sind aber auch noch traditionelle Gerichte wie Elchfleisch und gekochter Schafskopf. Dennoch isst man in Oslo eher international und da bietet sich besonders die Thorvald-Meyers Gata in Grünerløkka an, die massenhaft Restaurants und Gatekjøkkener (Straßenimbisse) bietet.

Jetzt aber mal zu den typisch norwegischen Spezialitäten:
  • Kjøttkaker med brun saus sind jene Fleischklöße in der typischen braunen Soße, die hierzulande ein schwedisches Möbelhaus erfolgreich in Massen über die Theken reicht. Frisch und gut gemacht allerdings um Längen besser.

  • Lachs ist natürlich Norwegens kulinarisches Aushängeschild. Geräuchert, gebeizt, gebraten, gebacken – man bekommt ihn überall auf jede Art und meist in verdammt guter Qualität zusammen mit Dillsauce serviert.

  • Sehr lecker ist auch Labskaus, den man frisch in Restaurant, aber auch günstiger im Supermarkt in der Dose – und dabei erstaunlich gut – bekommt: Eine Art Eintopf aus Fleisch, Kartoffeln, Zwiebeln, Roter Bete und anderem Krimskrams. Dazu Tyttebærsyltetøy (Preiselbeermarmelade) und Flatbrød (extrem dünnes Brot, das optisch zwar an Packpapier erinnert, aber perfekt dazu passt). Genial.
 

Fine Art



An der Vigeland-Anlage im Frognerpark kommt man fast nicht vorbei: Dieses monumentale Skulpturium aus einer kuriosen Mischung aus Eisen, Bronze und Stein gilt als eine der skurrilsten Eingebungen, die einem Bildhauer wohl je widerfahren ist.

Im Edvard-Munch-Museum wird einem das komplette Vermächtnis des Künstlers gezeigt: 18.000 Grafiken, 4500 Zeichnungen und 1100 Gemälde. Dessen bekanntestes Bild Der Schrei wurde allerdings 2004 gestohlen und schwer beschädigt.

Die beste Bar der Stadt



Der Norweger ist bekannterweise trinkfest. Aber auch Alkohol ist in Norwegen nicht billig. Deshalb hat man sich hier sein eigenes Party-Warm-Up entwickelt, genannt (kein Witz) Vorspiel. Man trifft sich mit Freunden vor dem Clubbesuch zu Hause, hat plastiktütenweise Alkohol dabei und kippt sich erstmal einen, bevor es dann auf die Straße geht. Hier wird dann fröhlich weitergebechert, und sollte man dann noch immer nicht stockbesoffen unterm Tisch liegen, wird gleich noch das Nachspiel hinterhergeschoben, in dem der ganze restliche Fusel und (oft selbstgebrannte) hochprozentige Schnäpse konsumiert werden. Skål.

Wer den hohen Alkoholpreisen dennoch trotzen will, begibt sich am besten wieder nach Grünerløkka, wo es neben besagten Restaurants auch massenhaft Kneipen gibt.

Ansonsten lockt das Lorry mit bekanntem Publikum (Künstler, Schauspieler, Musiker) und mehr als 130 Biersorten, die Teddy’s Soft Bar im schicken 50er-Jahre-Stil mit Jukebox-Musik. Jazzfreunde kommen im Herr Nilsen Jazz Club auf ihre Kosten, Rockliebhaber bevorzugen das alteingesessene Smuget, in dem auch Nachwuchsbands ihre Chance bekommen.

Ein Bierchen, auf norwegisch kurz und bündig Øl, kostet als 0,5er um die 50 NOK – ca. 6 Euro. Preise je nach Kneipenlage natürlich variierend.

Hier bekommt man besonders günstiges Øl:
  • Lille Laila NOK 27 (Vaterland) Christian Krohgs Gate 2
  • Gamle Banken NOK 29 (Sentrum) Rådhusgata 4
  • Choice Pub NOK 32 (Grønland) Grønland 5
Geraucht wird seit 2004 allerdings nur vor der Tür und man sollte auch beachten, dass in vielen Bars und Discotheken eine strikte Mindestaltersgrenze von 20 Jahren bestehet.

Die meisten Bars und Clubs in Oslo sind bis gegen drei Uhr nachts geöffnet. Viele Cafés und Bars, die tagsüber Speisen servieren, ändern ihr Konzept gegen 21–22 Uhr und servieren Drinks zu lauter Musik und DJs. Daher kann es manchmal schwierig sein, zwischen Bars, Cafés und Nachtclubs zu unterscheiden.

Nachtschwärmer

Das Sikamikanico ist tagsüber Café, bei Nacht ein beliebter Club, so zieht es jeden Abend mit seinen Hip-Hop-, Jazz-, Drum&Bass- und Progressive-House- Partys unterschiedliches Publikum an. Einheimische schätzen das Lokal am Wochenende aufgrund des lässigen Ambientes und der vielseitigen Musik.

Wer es gediegener mag, sollte sich Richtung Chateau begeben: Eine lässige Pianobar mit Disco, in der überwiegend Mainstream-Chartmusik gespielt wird. Sie richtet sich an ein eher erwachsenes Publikum als andere Nachtclubs im Stadtzentrum und befindet sich in Monalisahuset, wo es auch zwei Restaurants, ein Café und eine Bar gibt.

Nachtlager



Auch Hotels haben in Norwegen stolze Preise. Wie auch in anderen Metropolen greift man hier am besten auf günstige, aber gute Bed & Breakfast (B&B’s) zurück.

Wer beim Preis sparen, aber trotzdem hübsch übernachten möchte, dem ist das Catalina B&B nahe des Frognerparks zu empfehlen. Hier wohnt man außerdem nahe der berühmten Einkaufsstraße in Majorstuen. Der U-Bahnof ist in nur 200 Meter Entfernung zu finden. Hier bekommt man Doppelzimmer inklusive Frühstück für ca. 28 €.

Kurios ist auch die MS Innvik, ein schwimmendes Bed & Breakfast im Osloer Hafen, das auch dem Nordic Black Theatre als Bühne für Veranstaltungen dient, die für Übernachtungsgäste gratis sind (fudder-Artikel: 9 ungewöhnliche Hotels). Hier gibt‘s 16 Doppelkabinen mit Bad, jeweils ca. 80 € inkl. Frühstück.

Shop ‘Til You Drop



Die bekannteste Shoppingmeile Oslos ist wohl die Karl Johans Gate, die Promenade zwischen Hauptbahnhof und Schloss, an der sich massenhaft Boutiquen aller Preisklassen reihen, von den großen Markenketten bis zu kleinen individuellen Lädchen zum Stöbern ist hier alles dabei.

Aker Brygge, gegenüber des Fremdenverkehrsamts in der Vestabanen auf der anderen Seite des Wassers gelegen, ist Oslos Einkaufszentrum Nummer Eins  –während das Paleet, Karl Johans Gate 39–42, mit einer Empfangshalle aus Marmor das pompöseste Einkaufszentrum der Stadt ist.

Ein gutes Geschäft für kunsthandwerkliche Waren ist das Husfliden, eine norwegische Kette mit einer riesigen Auswahl an handgefertigten Waren, darunter Strickwaren, Zinngeschirr, Keramik und landesübliche Kleidung.



The Oslo Sweater Shop, im SAS Hotel in der Tullins Gate 5, hat die beste Auswahl an Pullovern in der Stadt

Die meisten Geschäfte haben Mo–Mi und Fr zwischen 9.00 und 17.00 Uhr geöffnet. Donnerstags ist verkaufslanger Tag bis 19.00 Uhr, während die Geschäfte samstags im Allgemeinen schon früh um 15.00 Uhr schließen. Einkaufszentren haben an Werktagen bis 20.00 Uhr geöffnet und samstags bis 18.00 Uhr.

Noch kurz etwas zu den Steuern:
Steuerfreies Einkaufen ist in ca. 3000 Geschäften möglich, allerdings ist eine Mindestsumme erforderlich, um für einen steuerfreien Einkauf berechtigt zu sein – so kann man dann am Flughafen bei der Ausreise eine teilweise Rückerstattung der Mehrwertsteuer fordern, die in Norwegen immerhin bei satten 24% liegt.

Einkaufen hat in Norwegen generell eine soziale Funktion, und aus diesem Grund finden oft besondere Markttage oder „Super-Samstage“ mit verlängerten Öffnungszeiten, Sonderangeboten und Unterhaltung statt.

Zu den typischen norwegischen Souvenirs zählen gestrickte Pullover, oft mit dem typischen Zickzack- bzw. Elchmuster, natürlich auch Handschuhe, Schals und Mützen, darüberhinaus Silber, Porzellan, geschnitzte Holzarbeiten mit Rosenmalereien, Ziegen- und Rentierfelle, gewebte Teppiche, Felle, Stickarbeiten, Glas, Kristall und Keramik und allerhand anderer Krimskrams.

Meet The Locals

Spricht man kein Norwegisch, kann man sich im ganzen Land – auch mit älteren Menschen – wunderbar auf Englisch verständigen, auch viele Zeitungen und TV-Serien werden nur mit englischem Untertitel gesendet.

Die meisten Norweger sind grundsätzlich sehr höfliche und hilfsbereite Menschen, dies fällt mir besonders auf, wenn ich wieder nach Deutschland zurückkehre, da die Leute einem hier oftmals viel mürrischer entgegentreten. Die Norweger sind stolz auf ihr Land und lieben seine Tradition, feiern deshalb viel zusammen und sind gern unter Leuten.

Dennoch ist es für viele Ausländer in Norwegen nicht leicht, sich in die norske Gesellschaft zu integrieren, da der Landsmann gern unter seinen Leuten bleibt und nur langsam neue Bekanntschaften schließt.

Ist dann doch mal ein Gespräch in Gang gekommen, geben sich die meisten, besonders die jungen Leute, dennoch sehr interessiert gegenüber Deutschen. Und hat man das Herz eines Norwegers erst einmal erweicht, so hat man in der Regel einen treuen Freund fürs Leben gefunden.

Also sollte man am besten einfach selbst aktiv werden, mein Favorit ist das Evergreen, kein Szene-Lokal, aber ein gemütliches Irish Pub, in dem sich internationale Studenten der Høgskolen i Oslo, also der städtischen Universität, treffen und die Nächte bei dem ein oder anderen Øl durchquatschen.

Die Tippgeberin



Romina Petersen (21, fudder-Profil) kommt aus Freiburg und hat im Sommer ursprünglich ein Auslandsjahr begonnen, sich dann aber recht schnell entschlossen, gleich richtig in Norwegen Fuß zu fassen und arbeitet inzwischen bei einer Stadtzeitung. Sie möchte demnächst Journalisitk und Skandinavistik studieren und lebt in Tønsberg, Süd-Norwegen.

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