Reisetipps für New York

Rebecca Schnell

New York: Eine der bedeutendsten und größten Städte der Welt mit hunderten von Galerien, Theatern und tausenden Restaurants und Cafés, aber wo lohnt es sich hinzugehen? Rebecca Schnell war drei Monate in New York und hat für fudder ein paar Geheimtipps gesammelt.

Übersehene Sehenswürdigkeit


Mit einer kleinen, roten Schwebebahn gelangt man für den Preis einer Metrofahrt nach Roosevelt Island und hat auf dem Weg dorthin einen atemberaubenden Blick auf Manhattan. Von dort bietet sich nicht nur ein toller Ausblick, sondern auch ein spannender Einblick: Man kann direkt in die Wohnungen und Büros der umliegenden Gebäude spähen.

Auf Roosevelt Island sollte man einen Blick auf die gespenstische Ruine des Smallpox Hospitals werfen, die früher als Irrenanstalt diente und im Spiderman-Film auftaucht. (Schwebebahn fährt ab von der 59. Straße, Ecke 2nd Avenue)



Kaffeepause

Auch wenn Starbucks die Stadt fest im Griff hat, die kleinste Koffeindosis bei „Tall“ anfängt und der Kaffee nach allerlei süßen Dingen, aber nicht nach Kaffee schmeckt, existiert in New York eine ausgeprägte Kaffeekultur – man muss nur wissen, wo. Besonders in der Gegend um den Washington Square und in der Lower East Side findet man viele kleine und charmante Cafés.

Mein Favorit ist das Café Angelique in der Bleecker Street, das einer französischen Patisserie ähnelt. Der Cappuccino schmeckt am besten in Begleitung eines frisch gebackenen Pumpkin-Pecan-Muffin oder Peanutbutter-Cookie. (68 Bleecker Street, cafeangelique.com)



Magengrummeln

Mein Lieblingsrestaurant ist The Sea in Williamsburg. Wegen des stylischen Interieurs, des köstlichen Thai-Foods, der Cocktails und der günstigen Preise kommen Manhattanites und Brooklynites gleichermaßen in Scharen. Wenn man Glück hat, erwischt man einen der Holztischchen direkt neben einem See mit Lotusblättern und thronendem Riesenbuddha. (114 North 6th Street, Williamsburg, Brooklyn, seathairestaurant.com)



Fine Art

Wer nach MOMA und Metropolitan Museum genug hat von millionenschweren Meisterwerken, sollte im neu eröffneten New Museum vorbeischauen, das sich ausschließlich zeitgenössischer Kunst widmet.

Aber selbst wenn man mit beklebten Milchtüten und angezündeten Wachspuppen nicht so viel am Hut hat, lohnt sich der Besuch allein wegen der unkonventionellen Architektur – von außen sieht das Museum aus wie ein Haufen aufeinandergestapelter Schuhkartons – und der Aussicht auf die Dächer der Bowery.

Der Eintritt ins New Museum ist Donnerstags Abend übrigens kostenlos, Freitags Abend ist der Eintritt zu fast allen großen Museen umsonst oder „pay-what-you-wish“. (New Museum, 235 Bowery Street, newmuseum.org)

 



Beste Bar

Über eine schmale Treppe gelangt man ins Pravda, eine versteckte unterirdische Bar in Soho. Im zwielichtigen Schein von Lampen, die der russischen Straßenbeleuchtung nachempfunden sind, kann man sich wunderbar mit Martinis (Chocolat Martini!) oder Vodkas (es gibt 70 verschiedene Sorten) betrinken und die schöne, etwas dekadente Klientel beobachten. In der Schlange vor dem Unisexklo im USSR-Chic werden auch Telefonnummern ausgetauscht. (281 Lafayette Street, pravdany.com)


Andere empfehlenswerte Bars:
Die Library Lounge im Hudson Hotel: Wer seinen Bordeaux am liebsten in der Atmosphäre einer grandseigneurhaften Bibliothek aus dem 19. Jahrhundert trinkt, ist hier richtig. (356 West 58th Street, hudsonhotel.com) Skurril – die Beauty Bar, ein 50er Jahre Schönheitssalon, der zur Bar umfunktioniert wurde. Nebst Haartrocknern und nostalgischen Kronleuchtern bekommt man für 10 Dollar einen Cocktail plus Maniküre. (231 East 14th Street, beautybar.com)



Clubs

Wer auf schicke Clubs steht, ist im Meatpacking-District richtig, wer nach alternativen Clubs sucht, sollte sich in die Lower East Side umschauen. Ich mochte die Mondo Parties im Don Hill´s am liebsten, dort kann man in entspannter Atmosphäre zu Indie und Britpop tanzen und die Leute sind nett und nicht zu cool. (immer am 1. und 3. Freitag im Monat, 511 Greenwich Street, mondo-nyc.com)

Andere gute Clubs: The Annex, alternatives, „stylisches“ Publikum, House, Elektro und Indie (152 Orchard St, theannexnyc.com). The Mercury Lounge, sehr gute Live-Konzerte, vor allem für Rock, Indie und Folk. Hier haben The Strokes, The Yeah Yeah Yeahs und Interpol debütiert (217 East Houston Street mercuryloungenyc.com).

Wer's mag: Marquee Club, schick, etwas protzig, Mainstream Musik (289 10th Ave, marqueeny.com; Cielo, guter, tanzbarer House und gehobenes Publikum (18 Little West 12th Street, cieloclub.com).



Nachtlager

Unschlagbar günstig und perfekt gelegen ist das White House Hostel in der angesagten Bowery. Die Zimmer sind zwar klein und die Wände nicht gerade schalldicht, dafür sind sie zweckmäßig und sauber.

Und für den Preis kann man sich nicht beschweren: Einzelzimmer kosten ca. 30, Doppelzimmer ca. 60 Dollar. Es hat einen sehr guten Ruf unter Travellern und Studenten und die Nähe zu Lower East Side, Greenwich und Soho ist optimal. (340 Bowery, whitehousehotelofny.com)



Für Romantiker

Neben den obligatorischen Pärchenaktivitäten, wie aufs Empire State Building fahren oder händchenhaltend durch den Central Park schlendern, empfehle ich einen Spaziergang entlang der Brooklyn Heigths.

Von dort aus hat man einen wundervollen Blick auf die Brooklyn Bridge, den East River und Manhattan und kann die Ruhe der verschwiegenen Häuser und Alleen genießen. Ein romantisches Dinner im River Café ist ein würdiger Abschluss. (1 Water Street, Brooklyn, rivercafe.com)



Shop till you drop

Mein Lieblings-Shoppingrevier ist die Lower East Side. In den Querstraßen zwischen East Houston und Delancey Street gibt es viele Secondhand-Shops, in denen man nach ausgefallenen Schuhen, altmodischen Handtaschen und Kleidern stöbern kann.

Großartige Vintage-Schuhe aus allen Jahrzehnten gibt es bei Daha (175 Orchard Street). In der Orchard Street gibt es außerdem Straßenhändler, die neben vielem Schrott auch Lederjacken- und Taschen und Pelze sehr günstig verkaufen.



Meet the locals

Eine lustige Mischung aus komischen Käuzen, Dandys und bargain hunters trifft man auf New Yorker Flohmärkten an. Da gibt es beispielsweise die schräge Daisy, die lange Zeit in Paris gelebt hat und nun ihre alten Diorkostüme aus den 80er Jahren verscherbelt; oder Mike, der Armee-Insignien und alte Zeitschriften sammelt und einem einiges zu World War II erzählen kann.

Der größte Flohmarkt ist Annex Antiques Fair and Fleamarket, der samstags und sonntags in einer Parkgarage in der West 26th St/6th Avenue stattfindet. Empfehlenswert ist auch der Flohmarkt Ecke Columbus Avenue/77th Street am Sonntag sowie der Hell´s Kitchen Market in West 39th, zwischen 10th und 11th Avenue.



Buchtipp

In Stadt aus Glas, dem ersten Teil der New York Trilogie von Paul Auster, geht es um einen Krimiautor, der in die Rolle eines mysteriösen Privatdetektivs namens Paul Auster schlüpft, um den verrückten Forscher und Philosophen Peter Stillman zu observieren. In einem verwirrenden Spiel mit Namen, Identitäten, Anspielungen und Zitaten verfolgt Quinn Stillman quer durch New York, bis dieser plötzlich verschwindet. Die Stadt wird dabei zum Symbol der Mehrdeutigkeit und Auflösung in einem undurchdringlichen Dschungel der Zeichen:

„Die Bewegung war entscheidend, die Tätigkeit, einen Fuß vor den anderen zu setzen und sich einfach von seinem eigenen Körper treiben zu lassen. Durch das ziellose Wandern wurden alle Orte gleich, und es war nicht mehr wichtig, wo er sich befand. Auf seinen besten Gängen vermochte er zu fühlen, dass er nirgends war. Und das war letzten Endes alles, was er je verlangte: nirgends zu sein. New York war das Nirgendwo, das er um sich her aufgebaut hatte, und es war ihm bewusst, dass er nicht die Absicht hatte, es jemals wieder zu verlassen.“




Die Tippgeberin

Rebekka Schnell studiert in Freiburg Literatur und Philosophie. Von Januar bis April hat sie in New York ein Praktikum in einer Literaturagentur gemacht und die Freiheit, die Streifzüge und Secondhand-Läden im Big Apple genossen. Nach 3 Monaten freut sie sich auf Freiburger Wälder, Radfahren und deutsches Essen.

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