Reisetipps für Lissabon

Maria-Xenia Hardt

Wenn der SC Freiburg am Donnerstagabend auswärts beim GD Estoril antritt, wird der ein oder andere die Gelegenheit nutzen, nach Abpfiff vom Lissaboner Vorort in die Stadt zu fahren und dort ein paar Tage zu bleiben. Das ist zumindest zu hoffen, denn die portugiesische Hauptstadt ist eine Perle, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Aus gegebenem Anlass unsere Großstadtgeheimtipps, fast so zerrissen zwischen alt und neu, zwischen Schwermut und Leichtigkeit wie die Stadt selbst.



Übersehene Sehenswürdigkeiten

Man wird es nicht schaffen, in wenigen Tagen alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern, also den Reiseführer am besten im Hotel lassen, nur eine Straßenkarte mitnehmen und einfach mal loslaufen. So kommt man automatisch am ein oder anderen Highlight vorbei – die Innenstadt ist so kompakt, dass es sich gar nicht vermeiden lässt – und kann nebenbei ein paar Ecken entdecken, an die man mit Reiseführer eher nicht kommen würde.

In Lissabon ist immer der Weg das Ziel – die schmalen Gassen in der Alfama, wo die Wäsche zwischen den Häusern trocknet und die Leute sich von Balkon zu Balkon den neuesten Tratsch und Klatsch erzählen, die breiten Avenidas mit ihren Boutiquen, die zerfallenen Häusern in noch nicht aufgewerteten Vierteln wie der Mouraria.



In Lissabons Straßen habe ich all das gefunden, was ich in Barcelona enttäuscht vermisst habe, nachdem ich „Der Schatten des Windes“ gelesen hatte – ein Labyrinth zwischen alten Mauern, die Erinnerung an vergangenen Glanz und der seltsame Zauber des Zerfallenen.

Kaffeepause

„Tomar um cafzinho“ – also einen kleinen Kaffee trinken – gehört zu den liebsten Beschäftigungen der Portugiesen. Der Kaffee ist fast überall stark und gut, vor allem der Espresso, der hier „bica“ heißt. Zwei besonders schöne Cafés sind zum einen „Pois, Café“ (bedeutet so viel wie „und jetzt ein Kaffee“) im Schatten der Sé Kathedrale und zum anderen das „Fabulas“ in einer kleinen Seitengasse im Viertel Chiado.

Pois, Café“ ist eine von Österreichern eröffnete Lokalität, die mindestens so gemütlich ist wie das eigene Wohnzimmer, mit gutem Kuchen, bunt zusammengewürfelten Möbeln und einem Bücherregal, in dem man sich ein Buch mitnehmen und dafür ein anderen dort lassen kann.

Das „Fabulas“ ist eine Mischung aus Café und Bar. Bei schönem Wetter kann man im schönen Innenhof sitzen, bei Regen im schwach beleuchteten Innenraum. Zu empfehlen sind nicht nur die Heißgetränke, sondern auch der weiße Sangria – der perfekte Ort, um vom Tag in den Abend überzuleiten.

Magengrummeln

Portugiesisches Essen ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig, vor allem die diversen Fisch-Gerichte. Nichts falsch machen kann man allerdings mit den „Pastéis de Nata“, eine Art mit Pudding gefülltes Blätterteig-Gebäck, das am besten noch lauwarm und mit Zimt und Zucker bestreut gegessen wird. Ein Traum aus Zucker, Eigelb und Sahne. Am besten dazu gleich nach Belém fahren undin der 1837 eröffeneten Pasteleria dort essen.



Für eine eher deftige Mahlzeit ist der Mercado de Fusão auf der Praça do Martim Moniz im Maurenviertel Mouraria. Ein Dutzend Stände bietet Spezialitäten aus aller Welt – und wenn es am portugiesischen Stand nicht schmeckt, gibt es ein paar Meter weiter auch einen Döner. Übrigens: Auch Vegetarier und Veganer werden mit einem eigenen Stand bedient, was bei der eher fleisch- und fischlastigen portugiesischen Essenskultur durchaus im Hinterkopf zu behalten ist.

Fine Art

An dieser Stelle Lissabon gerecht werdend was Altes und was Neues.



Das Alte: Architektur im Manuelinischen Stil (eine nur in Portugal zu findende Version der Spätgotik, benannt nach deren König Manuel I). Ein Ausflug nach Belém lohnt sich allein für den Torre de Belém und das Mosteiro dos Jerónimos, das völlig zu Recht UNESCO Weltkulturerbe ist.

Das Neue: Das Museu do Design e da Moda direkt an der Praça do Comércio versammelt alle Kleidungsstile der vergangenen hundert Jahre nebst Trends der Inneneinrichtung. Sollte es mal regnen...



Mobilität

Busse und Bahnen fahren oft, fast überall hin und sind dazu auch noch spottbillig. Mit einer Viva Viagem-Karte fährt man für 1,15 Bus und für 1,40 Metro oder Straßenbahn. Wer nur wenig Zeit hat, dem ist tatsächlich zu empfehlen, die „Touri-Linie“ 28 einmal von Anfang bis Ende mitzufahren – und dabei alles, was einem irgendwas wert ist sehr, sehr gut festzuhalten – sonst ist es nämlich schnell mal weg. Die berüchtigten Taschendiebe schlagen hier regelmäßig unbemerkt zu.

Nachtschwärmer

Einfach ins Bairro Alto gehen, da kann man nichts falsch machen, solange man eine großen Bogen um die sogenannte „Erasmus Corner“ macht – es sei denn, man möchte schlechtes Bier für mehr Geld als anderswo trinken, bei dröhnender Musik knöcheltief im Schweiß fremder Menschen stehen und morgens um drei von einem Engländer auf die Füße gekotzt bekommen.

Bevor man sich ins nächtliche Getümmel stürzt, ist ein gerne auch längerer Stop beim Miradouro São Pedro de Alcântara am Rande des Bairro Alto Pflicht, um bei einem kühlen Sagrés oder einem guten Port auf die Stadt hinunter und zum Schloss hinüber blicken. In einer lauen Nacht, wenn jemand zum Stimmengewirr Gitarre spielt, ist es ein bisschen wie auf dem Augustinerplatz. Nur ohne Säule der Toleranz.

Beste Bar

Es ist zwar keine Bar im engeren Sinne, aberim Verkostungssaaldes Instituto dos Vinhos do Douro e do Porto, zu Deutsch Portwein-Institut, bekommt man für sehr kleines Geld (3-4 Euro pro Glas reichen schon aus) ein Vielzahl köstlichster Portweine. Der Altersschnitt ist hier deutlich höher als in den umliegenden Kneipen, aber das stört in einem urbequemen Ledersessel bei einem guten Gläschen ja kaum. Wichtig: Unbedingt auch mal einen weißen Port probieren!

Nachtlager

Das Oasis Hostel im Santa Catarina-Viertel, südlich des Bairro Alto, bietet nicht nur typische Backpacker-Mehrbettzimmer ab 13 Euro die Nacht, sondern in einem separaten Gebäude (fern des typischen Backpacker-Lärms) hübsche Doppelzimmer für 48 Euro.

 

Für Romantiker...

… gibt es in Lissabon ein halbes Dutzend „Miradouros“ (heißt so viel wie „Blick aus Gold“). Der bekannteste ist der Miradouro da Nossa Senhora do Monte, von wo man einen hervorragenden Blick über die gesamte Stadt hat, von der Ponte de 25 Abril bis zum Schloss.



Mein persönlicher Favorit ist der Miradouro Santa Luzia, klein und etwas versteckt gelegen über der Alfama, die einem von der Abendsonne beleuchtet zu Füßen liegt.

Für Sportbegeisterte

Mit zwei großen Fußballvereinen – Sporting und Benfica – ist Lissabon sporttechnisch bestens ausgestattet. Die liebste Sportart der Portugiesen ist der passive Fußballkonsum – welchem Verein man dabei zur Seite steht ist Glaubensfrage. Benfica Lissabon ist übrigens der mitgliederstärkste Sportverein der Welt. Und dann gibt es natürlich noch den GD Estoril...

Shop til you drop

Die Portugiesen haben eine sehr seltsame Beziehung zu Shopping Malls. Sonntägliche Familienausflüge in eine Mall sind keine Seltenheit. Das Lissaboner Colombo Centro Comercial ist eines der größten Europas. Dort gibt es unter anderem über 200 Geschäfte, ungefähr 60 Restaurants und ein Kino. Wer zu viel Geld hat, kann auch einen Ausflug zur Avenida da Liberdade machen, in den dortigen Boutiquen kann man auch große Scheine schnell los werden.

Meet the Locals

Um echte „Lisbonetas“ zu treffen empfiehlt es sich natürlich, die touristischen Sehenswürdigkeiten hinter sich zu lassen. Sobald man das Stadtzentrum Richtung Norden verlässt, nimmt die Touristendichte immer mehr ab.

Nördlich von Marquês de Pombal gibt es zwar nicht mehr viel (den Reiseführern nach) „Sehenswertes“, dafür ist man bald allein unter Portugiesen. Dann in ein beliebiges Café gehen, im Sitzen oder Stehen eine „Bica“ trinken, oder zu fortgeschrittener Stunde eine Ginjinha (eine Art Kirsch-Likör). Nach ein paar Tagen im selben Café bekommt man was auch immer man normalerweise zu sich nimmt ohne eine Bestellung angeben zu müssen.



Geheimtipp

Sich einfach mal irgendwo ans Tejo-Ufer setzen und eine Weile die Brücke des 25. April und die Kopie des "Cristo Rei" betrachten - sieht bei jeder Tages- und Nachtzeit wunderbar aus.
Auch gut: Den Bus Richtung Norden nehmen, im Viertel Saldanha aussteigen und mal anschauen, was Leute dort auf die Hauswände gemalt haben – wer (wie ich) bis dahin noch nicht dachte, dass Graffiti tatsächlich Kunst sein kann, wird hier eines besseren belehrt.

Alle Tipps auf einer Karte

 


Die Tippgeberin


Maria-Xenia Hardt
studiert in Freiburg Anglistik und Portugiesisch. Den September dieses Jahres hat sie in Lissabon verbracht und die Portugiesen doch arg ins Herz geschlossen, vor allem sie sich in deren Mitte endlich mal nicht klein, sondern ganz durchschnittlich groß vorkam.

 

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