Reisetipps für Göteborg (10)

Karolin Schmidt

Göteborg ist die zweitgrößte Stadt Schwedens und steht nicht nur touristisch in ständiger Konkurrenz mit der Hauptstadt Stockholm. Die Göteborger sind allerdings überzeugt, in der schöneren Stadt zu leben. Karolin Schmidt hat ein halbes Jahr an der Westküste Schwedens studiert und findet, die Göteborger haben Recht.



Übersehene Sehenswürdigkeiten

Im Slottsskogen, dem größten Park Göteborgs, bekommt der Deutsche endlich seinen Elch zu Gesicht – so sehen das jedenfalls die Göteborger, die sich über die Elch-Manie der Deutschen köstlich amüsieren. Pferde, Flamingos und Ziegen, sowie weite Wiesen, Seen und Kaffees findet man in diesem wunderschönen Park, der rund um die Uhr und das ganze Jahr geöffnet hat. Wenn man schon mal da ist: unbedingt auf den „vattentornet“, den sogenannten Wasserturm steigen. Von dort blickt man auf ganz Göteborg. Von der Stadt entweder zu Fuß oder mit den Buslinien 42 und 52 Richtung „Linnégatan“ bis zur Endhaltestelle. Der Eintritt ist frei.

Kaffeepause oder was „Fika“ mit Kaffetrinken zu tun hat


„Fika“
ruft im ersten Moment ganz eigene Assoziationen hervor. Es handelt sich aber lediglich ums Kaffeetrinken, für das es im Schwedischen einen eigenen Ausdruck gibt. „Fika“ wird regelrecht zelebriert. Verständlich, wenn man zum Beispiel das Kuchenbuffet im Café Kringlan in der Haga Nygatan sieht oder in der Villa Villekulla (schwedisch für "Villa Kunterbunt"), Storgatan 10 (Vasastan), wo man für wenig Geld All-you-can-eat-Kuchen bekommt.

Neben Fikonkaka und Snickerskaka – es handelt sich hier um Kuchen – ist vor allem das Interieur sehr bezaubernd, das aus Krimskrams und getrockneten Blumen, eingemachtem Obst und Oma-Geschirr in den Holzregalen besteht. Nicht vergessen: die typisch schwedische Kanelbulle ist ein Must – gibt es an jeder Ecke.



Magengrummeln

„dagens lunch“ – an diesen Schildern, die in der Mittagspause vor fast jeder Kneipe oder jedem Restaurant stehen, sollte man nicht achtlos vorbeigehen. „Dagens lunch“ steht für ein oder mehrere Tagesgerichte, die zwischen 59 und 79 Kronen kosten, also etwa sechs bis acht Euro. Dazu gehört meistens ein Salatbuffet, Hauptspeise und Kaffee.

Sehr edel ist der Mittagstisch im „stadsteater“ also im Stadttheater direkt am Anfang der Kungsportavenyn auf dem Götaplatsen: Neben dem Salatbüffet mit eingelegtem Gemüse und unterschiedlichen Brotsorten gibt es immer ein Fleisch- oder Fischgericht und ein vegetarisches Essen. Und der anschließende Kaffee ist wirklich „jättebra“ (sehr gut).



Fine Art (Kultur/Kunst)

Neben Picasso, Monet und Rembrandt findet man im Konstmuseum, dem Museum für Moderne Kunst am Götaplatsen, Exponate europäischer Kunst vom 15. bis 19. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischer Kunst. Im Fokus stehen bekannte und weniger bekannte nordische Künstler.

Wer eher Gaudi sucht, sollte unbedingt den größten Freizeitpark Nordeuropas besuchen. Lieseberg liegt sehr zentral und ist in wenigen Minuten zu Fuß oder mit der Straßenbahn erreichbar.

Beste Bar der Stadt

Einzigartig ist in Göteborg das „Afterwork“ in der Rumpanbar in der Linnégatan: für 49 Kronen, also etwa 5,50 Euro, bekommt man Freitag ab 16 Uhr ein „ölpaket“ – ein Bierpaket – und dazu ein Buffett mit Salaten, Fleisch, Nudeln, Aufläufen und Pfannkuchen. Natürlich kann man statt Bier auch Wein oder Cider, ein alkoholisches Getränk, das wie Limo schmeckt, trinken.

Allerdings sollte man sehr früh da sein, da der Andrang immer sehr groß ist. Und die so genannte „legitimation“, also den Personalausweis, nie vergessen. In die meisten Bars, auch um vier Uhr nachmittags, kommt man erst mit 23 Jahren rein, in manche auch erst ab 25 Jahren. Na dann „Skål“ (Prost)!



Bester Club der Stadt

Ausgehmöglichkeiten gibt es in Göteborg viele, wobei es einen großen Unterschied zwischen Qualität und Quantität gibt. Auf dem oberen Teil der Kungsportsavenyn säumen etliche Clubs die Straße, spannend sind sie allerdings nicht.

Partymachen lohnt sich am Wochenende im Sticky Fingers, Kaserntorget 7, gespielt wird Rock, Pop, Indie und R&B und nicht selten rocken schwedische Live-Acts die Bühne. Wer zwischen 21 Uhr und 22 Uhr ins Sticky Fingers geht, spart sich 60 Kronen Eintritt. Allerdings währt der Spaß nicht sehr lange, denn um 3 Uhr ist wortwörtlich Feierabend. Das ist allerdings nicht nur im Sticky so, sondern in fast allen Clubs der Stadt.

Nachtlager

Ab 200 Kronen pro Nacht und Person kann man im stadtnahen STF vandrarhem  wohnen. Es gibt aber auch kleine charmante Hostels, wie etwas das Hotell Nice, in dem die Nacht im Doppelzimmer mit Frühstück 495 Kronen kostet. Gepflegte Zimmer mit Bettwäsche und Handtücher, Autostellplatz und Frühstück sind inbegriffen. Vor allem ist die Lage toll: zu Fuß nur 10 Minuten in die Stadt.



Für Romantiker

Mitten durch die Stadt fließt der „Götaälv“. Entweder man schlendert am Ufer entlang oder picknickt in den Parks, die sich längs des Flusses erstrecken. Kitschig-schön sind die Sonnenuntergänge auf den Schären: Von der Haltestelle „Brunnsparken“ fährt man mit der Straßenbahnlinie 11 bis an die Endstation „Saltholmen“ und steigt dort in eines der Boote, die verschiedene kleine Inseln anfahren. Hier wohnen Einheimische und ab und an findet man ein kleines Restaurant oder Café. Ein Spaziergang in den Sonnenuntergang dürfen sich Romantiker auf keinen Fall entgehen lassen. Saltkrokan lässt grüßen.

Shop till you drop

Röhrenjeans für Mann und Frau: In Sachen Mode und Stil halten sich beide Geschlechter die Waage. Kein Wunder, im Shopping-Paradies Göteborg gibt es für Männer fast genauso viele Möglichkeiten wie für Frauen. Und nein, es gibt nicht nur H&M, sondern auch individuelle Läden. In der Haga Nygatan gibt es zwei kleine Second-Hand-Läden, die nicht zu übersehen sind.

Von Jahrhundertwende-Geschirr über Muffs bis zu ausgefallenen Schuhen findet der Individualist auf jeden Fall etwas. Das Einkaufszentrum „Nordstan“ (Haltestelle „Brunnpsparken“) ist das größte mitten in der Stadt. Unzählige Klamottenläden reihen sich aneinander. Als Frau sollte man unbedingt zu Indiska, rut m.f.l und sisters. Für die Herren bietet sich ein Besuch bei dressman, brothers oder bei den H&M’s mit ganzen Herrenetagen an.



10. Meet the locals…

…downtown und abends beim Feiern. Die Schweden leben eher familiär und zurückgezogen, was aber keineswegs bedeutet, dass sie verschlossen sind. Auf Partys lassen sie es richtig krachen und da scheint es keine Rolle zu spielen, dass der Alkohol sehr teuer ist. Am Besten die verschiedenen Pubs auf der Kungsportsavenyn ausprobieren.

Die Tippgeberin:

Karolin Schmidt studiert Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft und Skandinavistik an der Uni Freiburg und war für ein halbes Jahr an der Göteborger Uni. Ihr Resümee: "Ich stimme den Göteborgern zu, die Stadt an der Küste mit ihren Schären, charmanten Kneipen und Cafés ist zweifelsohne die Perle Schwedens."

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