Reisetipps für Bordeaux

Fabian

Bock auf nen spontanen Städtetrip aber keine Ahnung, wohin? Unsere Empfehlung: Mit dem Billigflieger ab Basel nach Bordeaux. Da kann man prima Weintrinken, Feiern und ein paar Kilometer weiter auch Surfen. Fabian hat dort einige Zeit gelebt und gibt euch ein paar wertvolle Insidertipps.



Übersehene Sehenswürdigkeiten

Bordeaux ist eine Handelsstadt. Der Handel mit Wein hat sie über die Jahrhunderte reich und bekannt gemacht. Dieser Reichtum schlägt sich auch in der Architektur nieder. Bei der Errichtung des Place de la Bourse am Garonneufer oder des Place de la Comédie im Zentrum hat man nicht auf Prunk verzichtet. Das mag protzig wirken, dafür ist Bordeaux ingesamt um einiges weniger heruntergekommen als so manch andere französische Großstadt.



Neben den großen Prachtplätzen sind es aber die kleinen Treffpunkte, die wirklich Charme haben. Der Place du Parlement oder der Place Camille Jullian in der westlichen Altstadt sind nicht so überlaufen, aber man kann dort trotzdem in der Sonne sitzen oder mit Freunden in einem der vielen Restaurants zu Abend essen. Ein besonderes Highlight ist das Kino Utopia Saint-Simeon, das sich in einem alten Kloster direkt am Place Camille Jullian befindet und ein alternatives Kinoprogramm anbietet.

Wer der Großstadt zeitweise entfliehen will, sollte nach Westen Richtung Atlantik fahren. Mit Lacanau findet sich dort eines der größten Surferparadiese Europas, mit Cap Ferret ein schöner Badestrand, an dem man auch noch bis spät in den September hinein im Ozean schwimmen kann. Außerdem hat man von der dortigen Landzunge einen malerischen Blick auf die Dune du Pyla. Die größte Wanderdüne Europas thront majestätisch vor dem Antlantik. Es macht Spaß, den riesigen Sandberg auf der Ozeanseite in Richtung Brandung hinunter zu rennen.



Kaffepause

Um vom Shopping oder Sightseeing mit einem Kaffee auzuspannen, steuert man am besten wieder einen der kleinen Plätze an. Im Karl am Place du Parlement gibt's nicht nur französische Leckereien und Kaffevariationen für Zwischendurch, sondern auch das beste Frühstück der Stadt. Die Brasserie Saint Georges, direkt gegenüber des Kinos Utopia, ist ideal, um sich bei einem Kaffee nochmal über den soeben gesehenen Film zu unterhalten oder auch um abends vor dem Kinobesuch eine Kleinigkeit zu essen.

Wer etwas mehr Geld hat und seinen Kaffee gerne in exklusiver Lage trinkt, sollte das Café Rohan am Place Pey Berland aufsuchen. Mit dem Blick auf das Rathaus von Bordeaux und die gotische Kathedrale Saint-André, einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt, bekommt der Aufenthalt einigen Stil.



Magengrummeln

Bordeaux ist eine Weinstadt. Dazu passt französischer Käse. Die größte Auswahl davon gibt's im Käserestaurant Baud et Millet. Die Speisekarte bietet eine Vielzahl an Gerichten, natürlich alle mit Käse, auch für Vegetarier eine gute Alternative. Den Wein dazu sucht man mit dem Restaurantbesitzer zusammen aus den im ganzen Lokal verteilten Flaschen und Kisten selbst aus. Den Höhepunkt bildet aber das Buffet im Keller des Restaurants, den man über eine alte Steintreppe erreicht. Hier warten in einem gekühlten Raum alle erdenklichen französischen Käsesorten auf ihren Verzehr. Der Duft, der einem bei Betreten des Raumes entgegen schlägt, ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber für Käseliebhaber ist es das Paradies.

Wer auf Fleisch nicht verzichten will, für den gibt es in Bordeaux eine empfehlenswerte Adresse: das Entrecôte, direkt gegenüber vom Theater. Wie der Name schon sagt, gibt es hier das beste Stück vom Rind und sonst nichts. Das Restaurant bietet nur dieses Gericht an. Begleitet wird das Entrecôte von einer Portion Frites und einer Soße, deren Rezept seit Jahrzenten ein Familiengeheimnis ist. Zugegeben, das Restautrant ist kein Geheimtipp und man muss vor dem Eingang meist anstehen, aber dafür bekommt man für 16 Euro ein wahres Stück französische Esskultur.

Wine Art

Wer Wein nicht nur trinken, sondern auch mehr über seine Herstellung erfahren will, für den lohnt sich der Weg ins Umland von Bordeaux. 20 Autominuten von der Stadt entfernt befindet sich das Weinmuseum Planète Bordeaux. In mehreren interaktiv und modern gestalteten Ausstellungsräumen lernt man alles rund um den Anbau und die Verarbeitung von Weintrauben in der Region Bordeaux.

Warum ist die Gegend so ideal für das Gedeihen der Reben? Wie wird aus Traubensaft Wein? Diese und weitere Fragen werden auf Infotafeln und durch Videos in mehreren Sprachen beantwortet. Gegen Ende kann man sogar noch seinen Geruchsinn trainieren, indem man versucht, die verschiedenen Weinaromen von Lakritz bis Lavendel zu erriechen. Den Abschluss bildet natürlich eine Degustation von verschiedenen Weinen, die im Eintrittspreis von drei (!) Euro für Studenten enthalten ist.



Unser zweiter Weintipp liegt östlich der Stadt. Nach wenigen Kilometern ist man tief drin im größten französischen Weinanbaugebiet. Links und rechts ziehen die verschiedenen Châteaus vorbei. Ein Château muss nicht zwingend ein Schloss sein, es ist lediglich die Bezeichnung für ein Weingut. Eine Degustation auf einem dieser Güter, umringt von Reben soweit man blicken kann, hat noch einmal ihren ganz eigenen Charme. Wenn man sich vorher im Internet erkundigt, anruft und bestenfalls auf Französisch nett fragt, kriegt man meistens sogar bei den ganz Großen der Zunft, wie zum Beispiel dem Château Margaux, einen Termin zur Besichtigung und Verkostung.

Nachtschwärmer

Die Bars in der bordelaiser Innenstadt schließen spätestens um zwei Uhr. Für das weitere Nachtleben bewegt man sich dann in der Regel vom Zentrum weg, hin zur etwas verruchteren Gegend zwischen dem Bahnhof Saint Jean und den "quais", den Uferstraßen der Garonne. Der bekannteste Club, der hier zu finden ist, ist das 4sans. Wer sich das Programm anschaut, findet zwar nur Electro und Minimal, aber das gibt es hier vom Feinsten.

Eine deutlich elegantere Atmosphäre mit einer breiteren Musikauswahl bietet das H36, eine  Kombination aus Restaurant, Bar, Club und Lounge. Hier kann man problemlos einen ganzen Abend verbringen und im Sommer sogar stilvoll im Freien feiern.

Die beste Bar der Stadt

Eine Kneipen-Tour startet man am besten vom Place de la Victoire aus. Aus dem großen Angebot an Bars sticht hier das Café des Sports heraus. Drei Mal in der Woche ist Studentenabend, dann gibt's günstige Drinks, die Tische werden bei Seite geschoben und man tanzt zu lässigen House-Beats. Ein Feuerspucker an der Tanzfläche sorgt schon mal für noch mehr Schweiß und heiße Stimmung.

Das Alligator Café an der Rue Sainte Cathérine ist der abendliche Treffpunkt für Studenten. Drinnen geht es chaotisch zu. Um an der Bar bedient zu werden, muss man sich durchsetzen. Das Publikum ist überwiegend jung, das Personal sehr freundlich. Was sich an dieser Bar besonders gut zeigt, ist die bordelaiser "Vor-der-Tür-Kultur". Auch wenn es drinnen noch nicht voll ist, versammelt sich immer ein Schar von Leuten auf dem kleinen Platz vor der Bar. Die Einwohner von Bordeaux lieben es, in kleinen oder großen Gruppen vor den Bars und Kneipen zu stehen und sich zu unterhalten. Die milden Temperaturen erlauben das fast das ganze Jahr lang und auch die Betreiber scheinen nichts dagegen zu haben.

Sehnt man sich nach einem Guiness und einer Portion Fish & Chips ist der Irish Pub The Connemara zu empfehlen. Im geräumigen Erdgeschoss steht die Bar mit der großen Bierauswahl, auf zahlreichen Bildschirmen verfolgen die Gäste sämtliche Sportereignisse, vor allem Fußball und Rugby. Im oberen Stockwerk spielen kleine irische Bands Rock- und Jazz-Musik. Die Atmosphäre ist irisch-rau, aber gemütlich, man spricht Englisch und findet schnell Anschluss.



Nachtlager

Das Appartment-Hotel Citéa ist zwar Teil einer Kette, bietet aber alles, was man braucht. Man kann sich entscheiden, ob man im Hotel isst oder ob man sich selbst versorgt, was bei der einfach aber ausreichend ausgestatteten Küche im Zimmer absolut in Ordnung geht. Im nahegelegenen Einkaufszentrum Mériadeck findet man alles, was man braucht.

Mit der Tram (Linie A, Station Hôtel de Police) ist das Hotel auch vom Bahnhof aus gut zu erreichen, in die Innenstadt sollte man aber zu Fuß gehen. Generell ist der öffentliche Nahverkehr in Bordeaux nämlich eine mittlere Katastrophe. Die neuen Straßenbahnnen der städtischen Verkehrsbetriebe TBC sind zwar sehr schön anzuschauen, aber meistens heillos überfüllt. Gerade zur Rush-Hour kommt man oft nicht mehr in den Waggon, was auch daran liegt, dass man zu Stoßzeiten keine Zusatzzüge einsetzen kann. Womit man in Frankreich auch immer rechnen muss, im Schnitt so alle drei Montae, ist ein Streik. Es lohnt sich also, früh die Freundschaft mit einem Autobesitzer zu suchen, falls man Freitag nachmittags mal dringend zum Flughafen oder Bahnhof muss.

Sonst ist Bordeaux aber sehr gut angebunden. Man erreicht die Stadt mit dem Schnellzug TGV von Paris innerhalb von drei Stunden. Wer lieber mit dem Flugzeug reist, sollte sich an easyjet halten, die Billigfluggesellschaft fliegt in der Regel vier Mal wöchentlich vom Flughafen Basel-Mulhouse in die Weinmetropole.

 

Shop 'Til You Drop

In der Rue Sainte Cathérine bekommt man einfach alles in Sachen Mode. Die etwa 1,5 Kilometer lange Shoppingmeile verbindet den Place de la Victoire im Süden und den Place de la Comédie im Norden. Begeht man die Straße in nördlicher Richtung, zeigt sich zunächst ein erschreckendes Bild. Jenseits von französischer Haut Couture gibt es jeden erdenklichen Mode-Trash. Von der "Lederjacke" für sechs Euro bis zum Neon-Bikini findet man alles für den Bad-Taste-Look. Ideal für die bordelaiser Studenten, bei denen jede Woche eine andere Motto-Party ansteht. Wer ein Kostüm sucht, geht in die Rue Sainte Cathérine.



Ab der Hälfte der Straße wird es dann irgendwann gemäßigter beziehungsweise langweilig. Es gibt immer noch Mode, aber mit Zara und H&M hebt sich das Angebot nicht von anderen Innenstädten ab. Interessant wird es erst wieder, wenn man den Place de la Comédie erreicht. Hier befinden sich die Luxus-Geschäfte von Bordeaux.

Neben Mode- und Schmuckläden sind hier natürlich auch die Weinhandlungen angesiedelt. Zudem gibt's ganz viel Schokolade und Süßigkeiten. Unbedingt probieren sollte man die Canelé de Bordeaux. Die Küchlein mit der braunen Kruste und dem weichen Inneren sind die bekannteste Spezialität der Stadt. Es gibt sie praktisch an jeder Ecke, meistens in Geschäften von Baillardran.

Meet The Locals

Der beste Ort, um die Einwohner von Bordeaux hautnah zu erleben, ist die Stehtribüne des Stade Jacques-Chaban-Delmas. Wenn die Fans von Girondins Bordeaux auf der Südtribüne, der berüchtigten Virage Sud, ihre Mannschaft anfeuern, herrscht Ausnahmezustand. Selbst bei Champions Leauge-Spielen kann seinen zugewiesenen Sitzplatz links liegenlassen und sich einfach irgendwo auf die Sitzschalen zu den Hardcorefans stellen. So ist man mittendrin im Fußballtaumel und kommt leicht ins Gespräch mit den einheimischen Fans. Für alle, die länger in der Stadt sind, lohnt sich ein Ticket-Package: drei Champions League-Vorrundenspiele für 75 Euro. Nach zwei Spielen singt man den Schlachtruf der Girondins akzentfrei mit: "Nous sommes les Bordelais, et nous allons gagner. Alleeeeez Bordeaux!"



Abends versammlen sich die Einwohner der Stadt (wenn sie nicht gerade vor einer Bar rumstehen) auch gerne am Ufer der Garonne, unweit des Place de la Bourse. Vor dem Panorama des eindrucksvoll beleuchteten Platzes und der bunten Uferpromenade kann man mit einer Flasche Rotwein den Tag ausklingen lassen oder sich auf die kommende Nacht einstimmen.

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Foto-Galerie: Fabian Fechner

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