Reisetipps für Barcelona

Christian Müller

Barcelona: Hauptstadt Kataloniens, Stadt von Gaudí und Miró. Christian Müller, der acht Monate in Barcelona gelebt hat, hat die besten Tipps für Spaniens zweitgrößte, aber erstklassige Stadt für Euch zusammengestellt.





Übersehene Sehenswürdigkeit

  Übersehen kann man den 512 Meter hohen Tibidabo zwar kaum, offenbar nehmen aber die wenigstens den Aufwand in Kauf ihm einen Besuch abzustatten. Selbst an Sonntagen und bei schönstem Wetter hält sich der Besucheransturm in Grenzen. Wer es trotzdem wagt, wird mit einem atemberaubenden Rundumblick auf Barcelona und das Umland belohnt. Die Kirche Sagrat Cor mit der an Rio de Janeiro erinnernden Jesus-Statue hat es ebenso verdient aus der Nähe besichtigt zu werden.

Ganz nebenbei befindet sich dort oben auch noch ein kleiner Freizeitpark mit Riesenrad und Mini-Achterbahn, an dem man sich aber nicht weiter zu stören braucht. Der Tibidabo ist entweder mit dem Tibibus T2 zu erreichen, der am Plaça Catalunya vor dem Kaufhaus El Corte Inglès im 30-Minuten-Takt abfährt, oder man nimmt ebenfalls von Catalunya die S-Bahn L7 (Braune Linie) bis zur Endstation Avinguda del Tibidabo. Weiter geht’s entweder zu Fuß oder mit der Tramvia Blau (einer historischen Straßenbahn) bis zum Plaça del Doctor Andreu. Von dort aus steigt man dann in die Zahnradbahn um, die bis auf den Tibidabo fährt.

Kaffeepause

Kaffee zum Spottpreis gibt’s natürlich an jeder Ecke – für Spanier ein Grundnahrungsmittel. Die meisten Cafés sind jedoch eher karg und laden nicht gerade zum längeren Aufenthalt ein. Glücklicherweise gibt es aber Ausnahmen. Da wäre zum Beispiel das La Clandestina, Baixada Viladecols 2 – extrem geile Tees, verschiedene Lassi-Sorten, Kuchen und kostenloser Wifi-Zugang. Oder das Café Llibreria, Calle Joaquin Costa 43 – chilliges Ambiente mit Sofas im Nichtraucherbereich, oft wird Jazz gespielt.



Im La Luna De Jupiter am Plaça Traginers 8, einem der schönsten Plätze der Stadt,  kann man etwas abseits von Touristenmassen und Verkehr ein Kaffee oder ein Bier im Freien trinken. Mindestens genauso gut geht das auch im Filferro in der Calle Sant Carles oder gleich nebenan im Absenta in der  Calle de Salamanca in Barceloneta, keine 5 Minuten vom Strand entfernt.

Magengrummeln

Die katalanische Küche gehört zu den besten der Welt – wer über das nötige Kleingeld verfügt, für den dürfte Barcelona das Schlaraffenland schlechthin sein. Als Vegetarier in Spanien mit sehr begrenztem Budget bin ich dagegen eher ein schlechter Tippgeber.

Hier trotzdem meine Favoriten: Vegetalia, Calle Escudellers 54 – sehr gute und preiswerte vegetarische Gerichte. Ebenso vegetarisch, jedoch etwas edler und auch super: das Organic in der Calle Junta de Comerç 11. Ebenfalls empfehlenswert: Die Imbiss-Kette Maoz, in der man sich seine eigenen Falafel zusammenstellen kann. Die beste italienische Pizza der Stadt bekommt man bei Pizza Paco, Carrer d'Allada Vermell 11. Als Nachtisch dort unbedingt das brasilianische Pavé bestellen. Auch günstig und sehr gut: Creps a Barcelona in der Via Laietana 45 oder auf der Passeig del Born.

Wer nach guten Fischrestaurants sucht, dürfte in Barceloneta fündig werden. Dabei sollte man sich aber am besten nicht von einem der Kellner auf der Passeig de Joan de Borbó überreden lassen, sondern sich lieber eines der Restaurants an der Strandseite aussuchen. Genau dort findet sich übrigens auch ein extrem guter Chinese: Wok Take Away, Passeig Maritim 1. Im Zentrum gibt es natürlich auch an allen Ecken Tapas-Restauraunts, die meisten existieren aber eher um touristische Erwartungen nicht zu enttäuschen – Tapas haben in Katalonien keine derartige Tradition wie im restlichen Spanien.

Weitere nette Snacks für zwischendurch sind die typisch spanischen Churros, die normalerweise mit Zucker bestreut oder in Schokolade getunkt gegessen werden. Mein Geheimtipp: Auf der Carrer de Tarragona, fünf Minuten vom Plaça d’ Espanya entfernt, gibt es einen Churros-Stand, der die Teile auch in etwas dickerer Ausführung mit Vanillefüllung anbietet....

Fine Art

Neben dem riesigen Konzertangebot bietet Barcelona eine Vielzahl an Museen und Ausstellungen. Das Museu d'Art Contemporani de BarcelonaMACBA – hier lohnt der Eintritt schon wegen dem von Richard Meier entworfenen Gebäude. Das Museum selbst bietet wechselnde, meist sehr hochwertige Ausstellungen zeitgenössischer Kunst.

Das Picasso-Museum in der Carrer de Montcada in Born. Die berühmtesten Werke des in Barcelona geborenen Picasso wird man hier zwar leider nicht finden, dafür jedoch über 3500 Arbeiten aus den verschiedensten Schaffensphasen; sehr interessant unter anderem sämtliche Variationen von Velázquez’ Las Meninas.

Im Palau Nacional auf dem Montjuic befindet sich das Museu Nacional d'Art de CatalunyaMNAC. Es bietet eine gewaltige Sammlung katalanischer Kunst vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert – unter anderem eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen früher mittelalterlicher Kunst. Auch die temporären Ausstellungen sind oft lohnenswert. Weitere interessante Adressen: Die Fundació Joan Miró auf dem Montjuic, das Caixa Fòrum (Kostenloser Eintritt) in der Nähe des Plaça d’ Espanya oder das Centre De Cultura Contemporanea De Barcelona CCCB. In den beiden letztgenannten finden wechselnde Ausstellungen und Veranstaltungen statt. Weitere kleine Galerien findet man häufig beim Schlendern durch Born oder das gotische Viertel. Viele Museen bieten einmal im Monat (oft am ersten Sonntag) freien Eintritt. Davon abgesehen kann es sich lohnen, für 20 Euro das Artticket Barcelona zu kaufen, mit dem man dann MACBA, MNAC, Fundació Antoni Tàpies, Fundació Joan Miró, Picasso-Museum sowie Casa Milà besuchen kann.



Die architektonischen Highlights dürfen bei einem Barcelona-Besuch natürlich auch nicht zu kurz kommen. Überlaufenste aber trotzdem wichtigste Adresse: Die Sagrada Familia.

Das Gedränge im Inneren kann man sich notfalls auch ersparen, der Eintritt ist sehr teuer und man sieht leider weniger als man sich erhofft. Zumindest von außen gehört die seit 1882 im Bau befindliche Kirche aber sicher zu den spektakulärsten Bauwerken der Welt. Antoni Gaudí hat zudem in der ganzen Stadt seine Spuren hinterlassen. Ebenfalls nicht entgehen lassen sollte man sich natürlich den Parc Güell, der jedoch die meiste Zeit des Tages so überlaufen ist, dass sich der Spaß in Grenzen hält.



Ein Tipp deshalb: Am besten in den Abendstunden hingehen, kurz vor Sonnenuntergang – der Atmosphäre tut dies kaum einen Abbruch, dafür hat man den Park mit etwas Glück beinahe für sich allein.

Weitere Adressen für Gaudí-Interessierte: Casa Batlló und Casa Milá, beide Passeig de Gracia 43 bzw 92. Palau Güell, Calle Nou De La Rambla 3-5, oder Casa Vicens, Carrer de les Carolines 22. Überhaupt ist die Stadt voll von Musterbeispielen für Modernisme-Architektur, der katalanischen Variante des Jugendstils.

Aber auch die Moderne kommt in Barcelona nicht zu kurz: In der Nähe des Plaça d’ Espanya steht der deutsche Pavillon, ein für die Weltausstellung 1936 von Mies Van der Rohe errichteter Bau, der heute als stilbildend für moderne Architektur gilt. Im Nordosten der Stadt befindet sich das Edifici Forum, ein raumschiffartiges Kongress- und Veranstaltungsgebäude der Basler Architekten Herzog & de Meuron. Im Inneren befindet sich derzeit eine Ausstellung über sämtliche aktuelle stadtplanerische Aktivitäten. Vor allem der Stadtteil Poble Nou wird von Grund auf neu gestaltet. Das Aushängeschild dieser Projekte ist der Torre Agbar, gebaut von Jean Nouvel. Ein 142m hoher gurkenförmiger Glasbau, der ein wenig an den Londoner Swiss-Re-Tower/30 St Mary Axe erinnert und besonders nachts dank der farbigen Beleuchtung ziemlich spektakulär aussieht.



Die beste Bar der Stadt

Den Abend gemütlich einläuten kann man ausgesprochen gut im La Fianna in der Carrer dels Banys Vells 15 (El Born) – man sollte allerdings früh genug da sein, am besten schon gegen 20 Uhr, um auf einem der begehrten Kissenlagern auf den erhöhten Podesten abflacken zu können.

Hat man sich dort genug entspannt, geht es zum Plaça de George Orwell, ins nett-abgesiffte Oviso, Carrer de Arrai 5. Danach weiter nach Raval in die Calle Robadors 23. In der gleichnamigen Bar (um reinzukommen muss man neben der unscheinbaren Stahltür klingeln) gibt es häufig Live-Jazz oder Flamenco-Sessions. Nächste Station ist die seit 1820 existierende und dementsprechend heruntergekommene Bar Marsella in der Calle Sant Pau 65, in der angeblich schon Picasso, Dalí, Gaudí oder Hemmingway beim Absinth abgestürzt sind.

Weiter geht’s ein Stück die Straße runter in die Nummer 68 – ein originell-trashiger Laden mit 60s-Möbeln und zu Lampen umfunktionierten Benzinkanistern oder Computerplatinen. Die nächste Station ist direkt um die Ecke das Café De Les Delicies in der Rambla de Raval 47, in dem man gemütlich auf ein weiteres Bierchen oder ein Glas Wein rumhängen kann. Den Abend abschließen – bzw. sich gegen 3 Uhr auf den Weg in einen Club machen – könnte man dann nach einem Besuch im It Cafe in der Calle Joaquin Costa 4 – hier kann man sein Getränk auf einem der vielen Sofas im frühen 80s-style schlürfen.

Der beste Club der Stadt

Das Nachtleben in Barcelona hat einen entscheidenden Nachteil: Es spielt sich zum überwiegenden Teil im Zentrum ab, das wiederum auch in dieser Hinsicht auf  wöchentlich wechselnde Tourismus-Massen ausgelegt ist. Das bedeutet, dass die meisten Läden auf Dauer etwas öde werden, zudem extrem teuer und nicht besonders anspruchsvoll sind.



Von daher mein Tipp zum Thema bester Club: Das Razzmatazz östlich des Parc de la Ciutadella, nahe der Haltestelle Bogatell (Gelbe Linie L4) oder Marina (Rote Linie L1). Obwohl es vom Konzept her eine Großraumdisko ist, in der es verschiedene Räume für jeden Geschmack gibt, ist das ganze doch sehr alternativ – sowohl vom Publikum als auch vom Ambiente her. Davon sollte man sich also nicht abschrecken lassen. Wer das nicht glaubt, dem sei ein Blick auf das aktuelle Programm bzw. dem der letzten Monate empfohlen – internationale Bands und DJs geben sich hier wöchentlich die Klinke in die Hand. Das Konzertangebot bläst einem so ziemlich die Rübe weg und entschädigt dafür, dass die Clublandschft in Barcelona sonst nicht so facettenreich und lebendig ist wie vielleicht in Berlin.

Wer zum Beispiel glaubt, hier tagelang durchfeiern zu können, der ist leider schief gewickelt: Sämtliche Clubs sind gesetzlich verpflichtet um 5 Uhr dicht zu machen und halten sich leider auch daran. Aber vom Razzmatazz abgesehen: Eine ähnliche Konzertvielfalt gilt für die ganze Stadt, und für alle denkbaren Musikgenres. Einen guten Überblick über das aktuelle Angebot – zur Zeit rund 400 Konzerte in den nächsten Monaten – gibt es hier.  

Für Romantiker



Zu den schönsten Plätzen für eine Flasche Wein gehören die Stufen vor dem Palau Nacional mit Blick auf den Südwesten der Stadt, den Plaça d’ Espanya (Bild oben), die erleuchtete Kathedrale des Tibidabo gegenüber, sowie Sagrada Familia und Torre Agbar zur rechten. Den könnte man wohl noch am ehesten als Barcelonas Variante des Freiburger Kanonenplatzes bezeichnen. Auch nett: Zum Mondaufgang an den Strand oder zum Sonnenuntergang an den höchsten Punkt des Parc Güell.

Shop till you drop

Barcelona ist ein Shopping-Paradies. Die größten Geschäfte mit internationalen Labels gibt es wohl auf dem Passeig de Gràcia, oder in der Avinguda del Portal del Angel. Diese gehören aber auch zu den teuersten Adressen der Stadt. Alternativ dazu lohnt es vom Plaça de la Seu an der Kathedrale zu beginnen und sich durch Calle dels Boters und Calle de la Portaferrissa bis zur Rambla durchzuwühlen. Hier findet man ein Schuhgeschäft nach dem anderen sowie etliche Boutiquen.

Auf der Rambla angelangt geht’s dann Richtung Plaça Catalunya und nach einigen Metern links in die Calle Tallers. Dort gibt es weitere Schuhgeschäfte, einige sehr gute Second-Hand-Shops sowie Plattenläden bis zum Abwinken. In Sachen Second Hand gibt es in der Nähe der Rambla de Raval einen weiteren Tipp: Die Calle de la Riera Baixa.



Bei kleinen Läden wie diesen aber immer beachten: Während der Siesta zwischen ca 14 und 17h Uhr (von der man sonst in der Stadt nicht unbedingt so viel merkt) sind diese oft geschlossen. Wer danach immer noch nicht genug hat, sollte einfach mal durch die engen Gassen des gotischen Viertels oder Borns spazieren – dort stolpert man immer wieder über weitere kleine und zum Teil sehr exklusive Läden.

Zu guter Letzt noch die vielleicht beste Adresse für Sneakers: Limited Editions in der Calle Duc de la Victoria 8.

Meet the locals

Keine leichte Aufgabe in Barcelona, da rund 20 Prozent der Einwohner weder aus Barcelona noch aus Spanien stammen. Es gibt viele Südamerikaner, Pakistani, Asiaten oder Türken. Dazu kommen haufenweise Austauschstudenten und natürlich Touristen.

Generell gilt: Umso weiter man sich vom Zentrum mit Rambla und Shoppingmeilen entfernt, umso näher kommt man dem eigentlichen Charakter der Stadt. Zum Ausgehen, Kaffeetrinken oder Herumschlendern lohnt daher zum Beispiel das gemütliche Studentenviertel Gràcia, das sich nördlich der Avinguda Diagonal bis zur Travessera de Dalt erstreckt. Darüber hinaus kann auch ein Spaziergang in Sarria oder Sant Gervasi lohnen.

Davon abgesehen mag aber fürs erste auch der direkt am Strand gelegene Stadtteil Barceloneta ganz gut geeignet sein. Abseits der Passeig de Joan Borbó, der gleichzeitig die Hauptroute auf dem Weg zum Plaça del Mar darstellt, kann man sich im engmaschigen Netz der schmalen Straßen verlieren.



Hier kann man sie dann noch in freier Wildbahn beobachten: Schildbemützte Opas, die zigarrerauchend in kargen Eckkneipen unter Neonlicht sitzen und Fußball schauen. Das Leben fühlt sich auch hier schon viel echter an als auf der Ramblas oder im gotischen Viertel. Spielende Kinder, quatschende Nachbarn, streunende Hunde. Im Sommer passiert man immer wieder offene Wohnungseingänge, die nicht etwa zunächst auf einen Flur führen, sondern hinter denen unmittelbar eine Familie in der Küche oder im Wohnzimmer beim Mittag- oder Abendessen sitzt.

Der Tippgeber

Christian Müller hat als Erasmusstudent 8 Monate in Barcelona gelebt. Er studiert in Freiburg im 7. Semester Soziologie und Psychologie und Medienwissenschaft in Basel.

Weitere Großstadtgeheimtipps:

 

Foto-Galerie

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.