Reisen als Horizonterweiterung: 7 Fragen an den Produzenten und Discjockey Borrowed Identity

Bernhard Amelung

In seinen DJ-Sets spielt Borrowed Identity gerne mal Funk- und Soul-Klassiker. Am Donnerstag legt der Wahlberliner mit Freiburger Wurzeln mit Julius Steinhoff im Waldsee auf. Bernhard Amelung hat ihn unter anderem gefragt, wie es sich anfühlt, in einer fremden Stadt anzukommen.

2011 war Borrowed Identity noch ein kaum bekannter Produzent, der tagein, tagaus an Layouts und Skizzen für elektronische Musikstücke im Wohnzimmer seiner Freiburger Wohnung gearbeitet hat. Heute, rund sechs Jahre später, lebt er in Berlin, legt regelmäßig in Clubs wie dem Berghain, den Corsica Studios (London) oder Djoon (Paris) auf. Gerade war er zwei Wochen auf DJ-Tour durch Asien mit Station in Hongkong, Bangkok und Singapur.


Wie viele Länder hast du inzwischen bereits bereist?
Borrowed Identity: Als DJ waren es bei meiner letzten Zählung 33 Länder.

Du reist oft alleine. Was ist das für ein Gefühl, alleine in einer fremden Stadt anzukommen?
Borrowed Identity: Alleine ist es meistens einfacher, sich auf die Leute und Kultur einzulassen. Mit Freunden neigt man oft dazu, die Gewohnheiten von Zuhause mit in die Ferne zu nehmen und weniger in den Dialog mit den Locals zu kommen. Wenn man mit Freunden unterwegs ist, unterhält man sich meistens auf Deutsch und schließt damit die Locals aus.

Es fühlt sich aber auch oft sehr einsam an. Besonders in Ländern wie Frankreich und Italien, in denen die Leute nicht so gerne Englisch sprechen, kann das mitunter ganz schön langweilig sein, wenn sich die Runde nur in der Landessprache unterhält.

Was fällt dir bei deinen Reisen als erstes auf?
Borrowed Identity: Die stetig steigende Geschwindigkeit der Globalisierung. In allen Großstädten wird an allen Ecken gebaut. Die Projekte sind kaum voneinander zu unterscheiden, und meistens von den selben Ketten und Großkonzernen. Mir fällt es immer schwerer, überhaupt zu bemerken, dass ich im Ausland bin, wenn ich nicht genug Zeit habe, um mal aus der jeweiligen Stadt ins Umland zu fahren und dort etwas Ursprünglicheres zu sehen.



Wie überwindest du sprachliche und kulturelle Barrieren?
Borrowed Identity: In Ländern wie Frankreich, Italien oder China kann es mitunter sehr schwer werden, zu kommunizieren, denn in diesen Ländern ist gutes Englisch nicht besonders verbreitet. Wenn das der Fall ist, weiß ich mir nur mit einem freundlichen Lächeln zu helfen und mich mit Händen und Füßen zu verständigen. In fast allen anderen Ländern war das Englisch der Anwohner durchschnittlich immer gut genug, um ohne größere Komplikationen eine Unterhaltung führen zu können.

Was hat dich bisher am meisten fasziniert?
Borrowed Identity: Mir fällt es schwer, darauf zu antworten, denn mich haben sehr viele Erlebnisse und Begegnungen auf verschiedenste Art und Weise fasziniert. Ich kann dafür kein Ranking machen.

Bis heute fasziniert es mich, dass ich Woche um Woche in all diese Länder eingeladen werde und Woche für Woche soviel spannende und kreative Menschen treffen darf und für sie die Musik auflegen kann, die mich selbst fasziniert.

Welcher Gig hat dich am meisten geprägt?
Borrowed Identity: Das kann ich wieder fast unmöglich beantworten. Ich habe so viel auf meinen Reisen erlebt, das mich geprägt hat und schätze jede einzelne Erfahrung, die ich gemacht habe. Mich hat das schon sehr stark in meinem Horizont erweitert. Am meisten persönlich und musikalisch haben mich aber wohl meine drei Asien-Touren geprägt. Der Alltag und das Nachtleben dort sind so komplett anders als das, was wir aus Europa kennen. Das hat mir ganz neue Erfahrungshorizonte erschlossen.

Du lebst seit einiger Zeit in Berlin. Wie leicht fällt es dir, dort anzukommen?
Borrowed Identity: Ich wohne seit etwas über einem Jahr in Berlin. Mir fiel es dort einfacher als in meiner Heimat Freiburg, Freunde zu finden, die die gleichen Interessen und zum Teil auch den ähnlichen Background wie ich haben. So viele spannende und inspirierende Menschen habe ich in so kurzer Zeit noch nie kennengelernt, und die Stadt bietet kulturell und was das Nachtleben angeht natürlich endlos viele hochwertige Optionen. Das macht es für mich aber manchmal auch schwer, produktiv zu sein, denn ich habe in Berlin dauernd das Gefühl, ich verpasse etwas.

Woran ich mich aber gar nicht gewöhnen kann ist, dass Berlin außerhalb des Sommers so grau und trist wirkt und es vor allem auch keine Berge gibt. Das Freiburger Schwarzwaldpanorama und meine Familie und Freiburger Freunde vermisse ich schon sehr in Berlin!


  • Was: Down by the Lake w/ Borrowed Identity, Julius Steinhoff
  • Wann: Donnerstag, 11. Mai 2017, 22 Uhr

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