Reinfall am Staudamm (6)

David Weigend

Die Reise der beiden Freiburger Nahostexperten geht weiter. Nicht immer schmerzfrei. In Luxor müssen sie einen Kettenriss am Fahrrad verbuchen und der Staudamm von Assuan ist auch nicht das, was das Erdkundebuch einst versprach. Aber lest selbst.



Ramses und so

Fuer die obligatorische Sightseeingrunde durch Luxor, dem Zielhafen unserer epischen Busfahrt von letzter Nacht, hatten wir uns eigens Fahrräder ausgeliehen. Dies hatte zwei gute Gruende: Bewegung und Mobilität. Leider war die Erfuellung von Punkt 2 gleich zu Beginn unseres Unternehmens in Gefahr. So geschehen, als die Kette der neomodernen Zweiradkutsche nicht ganz einverstanden war mit meinem beherzten Antritt ueber die erste ernst zu nehmende Strassenwelle. Die Kette riss spontan in mehrere Teile.

Doch wir waeren ja nicht in Aegypten, wenn nicht zufaellig einen Meter neben der Ungluecksstelle ein Radmechaniker saesse, der fuer ein wenig Baksheesh die Radrakete wieder auf Vordermann bringen würde.

Von den Sehenswuerdigkeiten selbst, deren Besichtigung unsere eigentliche Tagesmission darstellte, gibt es zusammenfassend im Grunde nur eines zu sagen: Die Grabstaetten und Tempelanlagen um Ramses I-???, Tutenchamun und wie sie alle heißen, sind wirklich hochgradig beeindruckend und bewundernswert. Ein Wunder braucht es allerdings auch, bis man sich den Weg durch die Heerscharen von Touristen gebahnt hat um ueberhaupt erst einmal dort hin zu gelangen.



Assuan

Der heutige Tag sollte ganz im Zeichen des weltberuehmten und unglaublich hohen "High Dam" von Assuan stehen. (So oder aehnlich stellt man sich einen anstaendigen Staudamm jedenfalls als naiver James Bond Fan vor). Deswegen stiegen wir auch voll gespannter Erwartung aus dem Zug; Gespannt auf den atemberaubenden Blick aus schwindelerregender Hoehe der Staumauer. Die naehere Umgebung des Bahnhofes war in etwa so sehenswert wie eine Mischung aus Ruhrpott und Mannheimer Industriehafen. Doch davon ließen wir uns natuerlich nicht entmutigen und stapften los in Richtung Damm.

Diesen zu erreichen, waere eigentlich auch selbst zu Fuß kein Problem. Eigentlich. Denn kurz vor dem Ziel standen wir vor Chechkpoint Nr.1. "Ab hier nur noch im Auto, laufen verboten" teilten uns zwei mehr oder weniger freundliche Gesellen mit maechtigen Gewehren mit. Diskussion zwecklos! Blieb also nur das gute alte Daumentaxi.

Gluecklicherweise mussten wir nicht lange warten und konnten in Gesellschaft eines schweigsamen Aegypters den Checkpoint Charly des mittleren Ostens passieren.



300 Meter spaeter endete unsere Fahrt dann auch schon wieder an Checkpoint Nr.2, hier durften wir das Auto wieder verlassen und nachdem wir den obligatorischen Eintritt abgedrueckt hatten, die letzten Meter zu Fuss zuruecklegen.

Der geneigte Leser wird sich jetzt sicher fragen: Hat sich das alles gelohnt? Fuer alle, die diese Perle der modernen Archtiktur noch nicht gesehen haben: Ihr habt nichts verpasst. Photographieren war leider verboten, aber wenn ihr euch eine normale Strasse vorstellen koennt, etwa 10 ueber dem Wasserspiegel, zu beiden Seiten sanft abfallend, dann wisst ihr Bescheid.

Der Rueckweg durch die, gegen boesartige Fussgaenger aller Art, hermetisch abgeriegelte Hochsicherheitszone, gestaltete sich aehnlich schwierig. Aber gegen den fairen Fahrpreis von einem Kugelschreiber schafften wir es abermals per Anhalter, die 300 Meter Sperrzone zu passieren. Am Bahnhhof angekommen stellten wir zu unserer ungemeinen Freude dann auch noch fest, das der naechste Zug erst um sieben Uhr abfaehrt - am naechsten Morgen. Das verschaffte uns den Luxus einer halbstuendigen Taxifahrt zurueck nach Assuan.

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