Regenbogen über dem Colombi-Park

Carolin Buchheim

Mit Feiern und Paraden zum Christopher Street Day (CSD) wird weltweit an das Aufbegehren von Schwulen und Lesben im Juni 1969 gegen die Polizei bei einer Razzia der Szenekneipe 'Stonewall Inn' in der Christopher Street in New York erinnert; Die 'Stonewall-Riots' werden heute als Anfang der schwullesbischen Emanzipationsbewegung gesehen. Auch in Freiburg feiert die queere Community den CSD, am morgigen Samstag, und zwar mit einem einem bunten Fest im Colombi-Park und einer Party in der Freiburg Bar. fudder-Autorin Caro hat sich von Andreas Becker, Vorstandsmitglied des CSD e.V. Freiburg, erzählen lassen, was beim Freiburger CSD alles geboten wird.



Was können die Leute vom CSD in Freiburg erwarten?

Andreas Becker: Die Leute erwartet ein farbenfrohes Stadtfest mit einem bunten Programm. Tagsüber wird im Colombi-Park gefeiert, und ab dem späten Abend in der Freiburg Bar. Im Colombi-Park erwartet das Publikum Musik, Konzerte aber auch politische Inhalte; Denn darum geht es beim CSD, er hat einen politischen Hintergrund, denn er erinnert schließlich an die Geburt der Schwulenbewegung. Trotzdem soll das Feiern natürlich nicht zu kurz kommen. Die Freiburger Homo-Gastro, das Les Garecons, die Sonderbar und das Tiffany werden für die Verpflegung sorgen, und neben einer Podiumsdiskussion treten auf der Bühne Freiburgs schwul-lesbischer Chor Die Queerflöten, LouLou La Rouge, eine Freiburger Travestiekünstlerin, die seit einiger Zeit in Berlin lebt, und die Band [die Leute]. Und ansonsten gibt es Infostände zahlreicher Gruppen und Vereine.

Erzähl mal, welche Gruppen und Vereine?

Andreas Becker: Gruppen und Vereine aus der ganzen Regio; Ich hoffe ich vergess’ jetzt niemanden! Dabei sein werden die Aids-Hilfe Freiburg, Die Rosa Hilfe, Die Queerflöten, die schwul-lebsischen Jugendgruppen Rainbow Stars aus Lörrach und die Rose Kids aus Freiburg, der LSVD, die Breisgau Bären und die Freiburger SM Gruppe SMiles. Die Gruppen wollen über ihre Angebote informieren und für jeden Ansprechpartner sein, egal welchen Alters man ist oder welcher Orientierung man hat.



Der CSD hat, wie Du gerade gesagt hast, einen politischen Hintergrund. Meinst Du, junge Schwulen und Lesben verstehen das in Zeiten von Lebenspartnerschaftsgesetz und schwulen Hauptpersonen in jeder Vorabend-Soap noch?

Andreas Becker: Ich glaub’ manchmal verstehen sie es nicht, und auch deswegen ist es wichtig, den CSD zu feiern. Natürlich haben wir in Deutschland viel erreicht, aber ausruhen sollten wir uns darauf nicht. Mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz ist es noch lange nicht getan, und warum gibt es für uns immer noch nicht die Ehe? Auch für ein Adoptionsgesetz lohnt es sich zu Kämpfen. Das Ende der Fahnenstange haben wir einfach noch lange nicht erreicht. Außerdem passier es auch hier in Freiburg immer noch, dass gerade Teenager schwule oder lesbische Pärchen, die Händchen halten durch die Stadt laufen, komisch angegucken und Bemerkungen loslassen. Auch deshalb ist es wichtig, dass wir sagen: wir sind da, hier, in Freiburg.

Die Schwulenbewegung kennt ja auch ja keine Ländergrenzen, und wenn man guckt was sonst so in Europa und der Welt passiert, darf man sich auf den Erfolgen der Schwulenbewegung hier nicht ausruhen. In den USA macht ein konservativer Präsident Punkte damit, dass er die Schwulenehe per Verfassungszusatz verhindern will; in Polen war die Gleichheitsparade dieses Jahr verboten und fand trotzdem mit großem Erfolg statt, und auch in Moskau fand dieses Jahr zum ersten Mal eine Gleichheitsparade statt, die jedoch von einer zeitgleich stattfindenden Gegen-Demo von Faschisten und Polizeigewalt überschattet wurde.

Der Bundestagabgeordnete Volker Beck wurde bei dieser Veranstaltung verletzt und musste ins Krankenhaus. Sowas darf nicht passieren. Wir treten auch für gleiche Rechte für Schwule und Lesben in anderen Ländern ein.

Worum wird es bei der Podiumsdiskussion gehen?

Andreas Becker: Thema der Diskussion wird die Frage sein, inwiefern man heute noch schwule Community braucht. Dabei sein werden unter anderem Willi Schäfer, Leiter des Projektes ?Schwule im Alter’ und ?Schwule Geschichte in Freiburg’ von der Rosa Hilfe, Robert Sangermann von der Aids-Hilfe und Stefan Zimmermann vom SchwulLesDance im Waldsee.

Warum findet in Freiburg zum CSD ein Straßen-Fest statt, und keine Parade? Hört sich ja fast ein bißchen zahm an, Euer Programm! Wollt ihr es gezielt vermeiden, bestehende Vorurteile durch paradierende Drag-Queens zu bestätigen?

Andreas Becker: Nee, nee, darum geht es nicht, und sicher wird Loulou La Rouge am Samstag nicht die einzige Drag-Queen sein. Wir wollen ein gemeinsames Fest für die queere Community auf die Beine stellen, aber eben auch ein Fest für alle Freiburger, bei dem man sich zusammensetzen und sich kennen lernen kann. Und klar kann es dabei passieren, dass man feststellten “Okaaaay, Manche Klischees stimmen einfach.” (lacht) Aber manche stimmen eben auch überhaupt nicht. Eine Parade ist ein Zurschaustellen: "Hier! Seht uns an! Fertig!" Wir wollen eher, dass das Zusammensein, das Zusammensitzen, das zusammen feiern im Vordergrund stehen.

Erzähl doch mal, wer den CSD in Freiburg überhaupt organisiert, und wie lange es ihn in Freiburg schon gibt.

Andreas Becker: Den ersten CSD gab es, glaub ich, schon 1989 in Freiburg. Wir vom CSD e.V. haben ihn 2001 zum ersten Mal veranstaltet. Dahinter stehen Schwule, Lesben und Heteros aus Freiburg, die einfach ein buntes Freiburg mögen.



Wie kommt es, dass der CSD dieses Jahr im Colombi-Park stattfindet?

Andreas Becker: In den letzten Jahren fand der CSD immer auf dem Kartoffelmarkt statt, aber dort steht ja im Moment die provisorische Sparkassen-Filiale; Deshalb mussten wir auf den Park ausweichen. Aber der Park mit seinen Wiesenflächen ist halt schon schöner für ein gemütliches Fest als ein recht kleiner Platz mitten in der Stadt. Außerdem wissen ja auch viele Freiburger, dass der Colombi-Park für die schwule Szene Freiburgs noch eine andere Bedeutung hat.

Du meinst, dass der Colombi-Park als Cruising-Szene bekannt ist. Wenn ich das Leuten erzählt hab', wurde viel viel geschmunzelt, dass der CSD ausgerechnet dort gefeiert wird. Erlebst Du das auch so?

Andreas Becker: Ja, da wird schon viel drüber geschmunzelt. Die Entscheidung für den Colombi-Park ist nicht gefallen, weil er das ist, was er ist; aber der Park ist nun mal eben auch stadtnah und schön, und ideal für ein Fest wie unseres. Davon abgesehen ist Crusing nun mal auch ein Teil queeren Lebens, und deswegen ist es Teil von dem, was dieses Fest vertritt, und wofür wir einstehen und wer da feiert und was da gefeiert wird. Aber es war nicht der Grund für die Platzwahl.

Was wünscht Du Dir für das Fest? Abgesehen davon, dass es in der Freiburg Bar bis Morgens um fünf heiß hergeht?

Andreas Becker: Ich wünsch' mir, dass es ein buntes Fest wird, eine wirklich bunte Mischung; ganz egal welche sexuelle Orientierung man hat, wie alt man ist, oder welcher Herkunft. Ich wünsch' mir, dass die Leute kommen und Spaß haben im Colombi-Park, und dass es einfach ein gelungenes Fest wird. Und mehr erwarte ich gar nicht. Ich erwarte nicht, dass 2000 Menschen durch den Park stürmen, auch wenn das natürlich schön wäre, sondern dass die, die da sind, zusammensitzen und sich unterhalten und informieren und den Tag geniessen. Das wäre ein cooles Fest.

Mehr dazu:

Was: Sommerlust - CSD Freiburg
Wann:
Samstag, 05.08.2006 11-24Uhr
Wo:
Colombi-Park, Freiburg

Was: Sommernacht - CSD Party
Wann:
Samstag, 05.08.2006,  22Uhr
Wo:
Freiburg-Bar