Rauchverbot fördert Zechprellerei

Johanna Schoener & David Weigend

Unter Freiburgs Wirten geht ein Gerücht um: Angeblich hat durch das Rauchverbot die Zechprellerei in der Innenstadt zugenommen. Johanna ist der Sache auf den Grund gegangen und hat einiges über die Nebenwirkungen des Rauchverbots erfahren.



Keine Skrupel

Im Schlappen in der Löwenstraße hat man das Problem der Zechprellerei kommen sehen. Inhaber Frank Czaja sagt: "Trotz des Verbotsschildes, das wir am Eingang hängen haben, nehmen einige Leute die Getränke trotzdem mit raus. Viele Nicht-Freiburger nehmen das Glas dann auch mal mit nach Hause."

Die Zechpreller seien meist Touristen und Fußballfans. Die traurige Entwicklung hat dazu geführt, dass bei SC-Spielen oder Veranstaltungen wie Monkey Jump Türsteher am Kneipeneingang stehen. "Bei solchen Events ist es extrem. Die Leute kommen rein und nehmen sich als Wegzehrung ein Glas Bier mit", so Czaja. An solchen Abenden findet er in seiner Lokalität umgekehrt auch viele Fremdgläser aus anderen Kneipen. "Da haben manche überhaupt keine Skrupel."

Schlappentheker Christian Scheuble sagt: „Neulich gab es mal einen Tisch mit einer offenen Rechnung von über 150 Euro." Die Kontrolle sei schwieriger und ohne Türsteher fast nicht zu machen.



Erhöhte Wachsamkeit

Ein Grund, warum im Art Café ein Schild hängt, dass die Leute die Getränke nicht mit rausnehmen sollen. Hier hat man laut Raluka Jacob, die im Service arbeitet, zwar bisher keine Probleme mit nicht zahlenden Kunden, aber dafür mit Beschwerden der Nachbarn. Durch das Rauchverbot ist der Geräuschpegel auf der Straße natürlich gestiegen.

Der Kollegin Ana Mena nebenan im Légère ist seit dem Rauchverbot nur einmal jemand abgehauen. Nachdem er getrunken und gegessen hatte, ging der Gast für die Zigarette vor die Tür und kam nicht wieder. „Die meisten Leute sind aber ehrlich und sagen sogar vorher Bescheid, dass sie nur kurz zum Rauchen rausgehen“, sagt Ana. Man müsse jedoch auf jeden Fall besser aufpassen.



Dass man wachsamer sein müsse, bestätigen auch die Mitarbeiter im UC Uni Café. Jedoch hat man hier, wie auch im Auditorium, im Oscars und im Eimer, keine gestiegenen Verluste durch Zechprellerei zu beklagen.

„Ich habe von dem Gerücht auch schon gehört“, sagt Frank Ernst, der Betriebsleiter der Mehlwaage, „aber ich glaube, es ist eher die Angst davor, dass nicht gezahlt wird, die das Gerücht in Umlauf gebracht hat.“ Ihm selbst ist in der Mehlwaage kein Fall bekannt. Nebenwirkungen des Rauchverbots seien vor allem ein höherer Geräuschpegel für die Anwohner und mehr Müll aufgrund der Zigaretten vor der Tür.



Plastik statt Glas

Besonders gestiegen ist die Müllbelastung vor der Tür auch bei den Veranstaltungen des Jazzhauses. Dass dort bei Parties und größeren Konzerten das Bier inzwischen in Plastikbechern ausgeschenkt wird, ist übrigens zeitlich nur zufällig mit dem Rauchverbot zusammengefallen. „Wir hatten soviel Bruchglas, das hat auch mit einem Euro Pfand auf die Gläser nicht mehr hingehauen“, sagt Ariane Reiber. „Bei Veranstaltungen, in denen man hüpft und schwitzt, gibt’s deshalb jetzt Plastikbecher.“

Resümee des abendlichen Streifzugs durch Freiburgs Kneipen: Das Rauchverbot bedeutet mehr Stress für die Service-Mitarbeiter und Theker. Wirkliche Verluste durch Zechprellerei gibt es jedoch nur vereinzelt.