Raucherpartys in Freiburg

Christian Deker

Dem Rauchverbot trotzen: Bodo Gut will in Freiburg Partys für Raucher veranstalten. Ohne Konzession und damit auch ohne Rauchverbot. Schon knapp 800 partywillige Raucher hat er an Bord. Doch das Amt für öffentliche Ordnung könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen.



Bodo Gut findet es eigentlich gar nicht so schlecht, dass das Rauchen in Restaurants bald verboten ist. "Die bisherige Trennung von Rauchern und Nichtrauchern in Gaststätten ist ja so, als ob man im Freibad auf den Bahnen zwei und fünf ins Wasser pinkeln dürfte", sagt er. Aber wenn es um Bars und Diskotheken geht, dann hört der Spaß für ihn auf. Dort will er rauchen dürfen. Und das sollen auch andere Raucher.


Deshalb will er ab August oder September – wenn das Rauchverbot in Baden-Württemberg  in Kraft tritt – Partys für Raucher anbieten. Um genau zu sein: "Partys nicht nur für Raucher". So steht es auf den orangefarbenen Flyern, die zurzeit überall in Freiburg ausliegen.

Zeitpunkt und Ort der Partys stehen noch nicht fest. Immer erst kurz vor der Tabak-Zusammenkunft werden die Termine per SMS und E-Mail bekannt gegeben. Schon knapp 800 Leute haben sich auf seinem Partyverteiler eingetragen. "Viele beschäftigen sich aber noch gar nicht mit dem Thema, die meisten reagieren erst dann, wenn sie wirklich betroffen sind", vermutet Gut.



Da in Gaststätten selbst dann nicht mehr geraucht werden darf, würden die Raucherpartys in bestimmten öffentlichen Räum stattfinden, die keiner Konzession unterliegen, sagt Bodo Gut. Das sei rechtlich kein Problem.

Das sieht das Amt für öffentliche Ordnung etwas anders. Denn jede Umgehung des Rauchverbots sei rechtswidrig, auch öffentliche Räume unterlägen einem Rauchverbot, sagt Jürgen Weckerle vom Amt für öffentliche Ordnung Freiburg. "Sobald die Veranstaltung gewerblich ist, der Veranstalter zum Beispiel Getränke ausschenkt oder Eintritt verlangt, ist eine Gestattung notwendig und damit das Rauchen verboten."

Dass Bodo Gut für seine Raucherpartys Eintritt verlangen wird, steht fest. Die Frage sei nur, wie viel. Das komme in erster Linie darauf an, welche Firmen mitziehen werden – vor allem auf Getränkehersteller baut er. Aber mit fünf bis zehn Euro müsse man schon rechnen.

Aber Geld verdienen möchte er damit auch nicht in erster Linie. Das macht er als Informatiker und Webmaster. "Ich lebe vom Internet", sagt er. Es geht Bodo Gut eher ums Prinzip. "Wir erleben eine Gesellschaft, die am Durchdrehen ist. Wir haben eine neue Krankheit, die Verbotitis", sagt er. Bald würde das Rauchen komplett verboten, dann auch Fettleibigkeit und Alkohol – und gebe es schon Pläne dafür, Parfüm zu verbieten.



Bodo Gut ärgert sich, dass sich die Gaststätten und Diskotheken nicht gegen das Rauchverbot wehren. "Gerade die Discos sind extrem benachteiligt, die dürfen ja nicht mal mehr einen Raucher-Nebenraum anbieten." Als Beispiel nennt er das Kagan, wo die Besucher ab Herbst zum Rauchen mit dem Aufzug auf die Straße herunterfahren müssen.

Aber auch die Wirte seien nicht zu einer konzertierten Aktion zu bewegen. Die Landesregierung schiebe den schwarzen Peter den Wirten hin – und die Wirte sollen das dann richten. Die Wirte seien aber uneins und hätten keine gemeinsame Linie.



Und wird auf den Raucherpartys dann die Stimmung besser sein als bei den Nichtrauchern? Und ist es nicht vor allem der Musikgeschmack, der die Partybesucher verbindet? Da sieht Bodo Gut gar kein Problem. "Bei uns wird es einen guten Musikmix geben, 70er, 80er und 90er-Jahre und natürlich aktuelle Musik."

Wenn der kleinste gemeinsame Nenner der Partybesucher dann tatsächlich das Rauchen ist, könnte es ein böses Erwachen geben. Gegen die rauchenden Gäste könne nämlich ein Bußgeld verhängt werden, sagt Jürgen Weckerle vom Amt für öffentliche Ordnung. Gegen den Veranstalter selbst gebe es keine Sanktionsmöglichkeit, allerdings werde ihm im Vorfeld einen Genehmigung wohl nur mit der Auflage eines Rauchverbots erteilt. Und wenn er dagegen verstößt, drohen ihm bis zu 5000 Euro Bußgeld.

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