Rapport von Süd: SC Freiburg gegen Bayer 04 Leverkusen

Marius Buhl

Unverdient! Der SC Freiburg ist gestern mit 1:2 gegen Bayer 04 Leverkusen aus dem DFB-Pokal ausgeschieden, trotz einer sehr guten Leistung. Wie der Rapporter diese Ungerechtigkeit erlebte, warum es der Tag der verfrühten Weihnachtsgeschenke war und wie es ist, seinen großen Held persönlich zu treffen:



Vor dem Spiel

Vorweihnachtsstimmung in Freiburg, Geschenke für alle. Der Konsens: Denen was abgeben, die es wirklich nötig haben. Heimspiel-Heftle für alle Fans umsonst, Gratis-Glühwein für den Rapporter und ein Sieg für Bayer Leverkusen. Aber der Reihe nach.

Die allerallererste Minute

Anstoß Freiburg, Ball nach ganz weit hinten gespielt, zweimal hin und her, dann hatte Höfler den Ball. Chicko, wie Christian Streich den jungen Höfler wohl nennt, hat seinem süßen Spitznamen alle Ehre gemacht. Jung und naiv, voller Vertrauen in sich und seine Mannschaft und in Robbie Kruse, hat er den Ball einfach mal als Kullersteilvorlage für eben jenen Leverkusener Stürmer gespielt, der diese Saison das Tor so regelmäßig verfehlte, wie die meisten Männer die Pissrinne im Stadionklo.

Aber hey, Geschenke für alle, besonders für die Bedürftigen. Kruse sagte ganz artig „Danke“, das Spiel stand null zu eins, da war der Rapporter noch am Glühweinstand beschäftigt. Shalalalala, shalalalalalalala, hey Sportclub Freiburg, warum tust du mir das an?



Das Spiel

Vor dem Spiel wurde gemunkelt: „Das wird schwer heute.“ „Leverkusen ist in bestechender Form.“ „Die sind gefährlich.“ Von wegen. Leverkusen war so gefährlich wie ein zahnloser Hund, der nicht mal mehr bellen kann. Nichts kam von den Jungs vom Rhein, alles dagegen von den Dreisambuben. Es wurde kombiniert, Chancen erspielt, alles wie im guten letzten Jahr. Leverkusen war abgemeldet, Kießling unsichtbar, Emre Can bewegte sich in Günther-Netzer-Gedächtnis-Manier.

Erstaunlich war, wie die Freiburger das 0:1 wegsteckten, als wäre es gar nicht passiert. Wie sie sich zum Ausgleich kombinierten, wie sie auch danach das Spielgeschehen völlig kontrollierten, wie sie die Leverkusener „Champions“-League-Mannschaft aussehen ließ, wie einen Kreisligisten.



Aber, aber, oh weh: Hätten wir nur den Sack zugemacht, hätten wir nur ein Tor mehr draus gemacht. Ginter hatte es zweimal auf dem Fuß, beziehungsweise auf dem Kopf. Zweimal sehr gut, zweimal Pech. Mehmedi muss den Ball in der 81. auf Fernandes legen, Günther einfach mal abziehen. Nix war's.

Hätte, hätte, Fahrradkette, soll Konfuzius schon gesagt haben. Es kam, wie es im Fußball eben immer kommt, vielleicht am besten beschrieben durch Floskeln: „Wenn man die Dinger nicht macht, wird man halt bestraft.“ Oder: „Leverkusen hat uns gezeigt, wie eine Spitzenmannschaft das dann halt macht.“ Der vielleicht einzige Angriff der Leverkusener in der zweiten Halbzeit, bestraft durch ein lächerliches Tor.

Nebensächlichkeiten

Christian Streichs großer Auftritt war diesmal auf dem Platz. Ganz gegen die Regeln verließ Streich seine Coaching-Zone trippelte in ein paar schnellen Schritten auf den Platz, flickte, während der Ball auf der anderen Seite war, kurz den Rasen und ging dann seelenruhig wieder zurück auf seine Bank. Der 4. Offizielle hat‘s nicht bemerkt.

Der König des Spiels

Gelson Fernandes, unbestreitbar. Der Mann ist wie ein alter Dieselmotor, er läuft und läuft und läuft. Zusätzlich grätscht er. Und kämpft. Und beißt. Und tacklet. Und brüllt. Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Bälle der Löwe Fernandes den Leverkusener Gnus abgeluchst hat. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft Fernandes im Vollsprint vom eigenen Sechzehner an den anderen gedampft ist, habe aufgehört mir zu überlegen, was für eine Position Fernandes überhaupt gespielt hat – er war überall.



Die Nicht-Könige des Spiels

Die Leverkusener Fans, auch das ist nicht zu bestreiten. Die lahmsten Fans der Liga, mindestens. Wissen die, dass man im Stadion singt, lacht, klatscht? Wobei, so wie Leverkusen gespielt hat, wäre mir auch eher nach Grabesstille zumute gewesen.

Nachspielzeit

Das Spiel war schon eine ganze Weile um, als sich der Rapporter beim Italiener seines Vertrauens noch einen kleinen kulinarischen Höhenflug gönnen wollte - nach drei Stadionwürsten schmeckt so eine Pizza ja fast wie Schokoladeneis. Oder so. Gut jedenfalls. Und am Stammtisch saßen, wie so oft, Gelson Fernandes und Francis Coquelin, auch sie noch auf der Suche nach einem passenden Digestif.

Das war meine Chance: Nicht immer nur auf fudder schimpfen und loben, sondern auch mal ganz direkt, im persönlichen Kontakt. Und weil man ja alles tut für seine Stars, sogar auf Französisch: „Monsieur Fernandes, aujourd’hui tu étais mon héro!“ Fernandes blickt auf, lächelt gequält, „merci, merci“ und tippt dann wieder auf seinem Smartphone. Ich hatte mir das anders vorgestellt, glamouröser irgendwie. Na ja, er weiß es jetzt.

Resumée

Der SCF, SCF, der SCF ist wieder da! Weiter so! Und danke an die Fans, die den SC für sein Spiel gefeiert haben, trotz des Ausscheidens. Wenn der SC so weiter macht, dann reicht das allemal für die erste Liga.

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[Fotos: dpa]