Rapport von Süd: Pleite gegen Paderborn

Clemens Geißler

Erst die Führung, dann zwei Gegentore und am Ende eine unnötige Niederlage gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten: Der SC Freiburg hat ein katastrophales Bundesliga-Wochenende hinter sich. Wie fudder-Autor Clemens das Spiel gegen den SC Paderborn erlebt hat:



Vor dem Spiel

Die Bedeutung des Spiels ist immens, es ist ein echter Abstiegskrimi. Beide Vereine stehen ziemlich genau dort, wo sie nach der Meinung der Mehrheit der Liga auch hingehören, nämlich weit unten. Paderborn überzeugte bis dato in einer starken Vorrunde und schuf allein mit der Moritz-Stoppelkamp-Allee und dem dazugehörigen Tor Unvergessenes. Der Sportclub in der Rückrunde mit größerer Punktausbeute, aber zuletzt mit Schwächen in den wichtigen Spielen.

Damit wenigstens der Boden nicht als Ausrede herhalten kann, wird selbiger tüchtig gewässert, was nach anderthalb Tagen Sintflut bestimmt dringend vonnöten war. Einzige Gewissheit für Rutsch-Phobiker: Ein Elfmeterschießen wird es dieses Mal nicht geben.

Das Spiel

…beginnt mit dem besseren Start für die Ostwestfalen. Sie sind präsenter und kommen zwei Mal in Gestalt von Vucinovic vors Tor. Einziger Lichtblick in der Anfangsphase für den Sportclub ist Petersens Volley nach Flanke von Mehmedi. Letzterer kommt nach einer knappen halben Stunde zu einer Großchance, scheitert aber nach suboptimaler Ballmitnahme an Paderborns Keeper.

Die Heimelf wird jetzt besser, ihre Kombinationen flüssiger. Wo Schmid nach Daridas Hackentrick noch scheitert, macht es Nils Petersen besser. Fünf Minuten vor der Pause verwertet er einen Flachpass von Schmid in Torjäger-Manier: 1-0 und viele Seufzer der Erleichterung zum Seitenwechsel.

Diese Erleichterung wird bald in Optimismus umschlagen: Der Sportclub beschränkt sich auf Ergebnisverwaltung, taucht dann und wann noch vorn auf und dem Bundesliganeuling scheint wenig einzufallen. Nach 70 Minuten erhebt sich die Galerie zu den ersten Stehovationen – und darf prompt wieder Platz nehmen. Die Gäste erzielen den Ausgleich.



Der König des Platzes

…ist nämlich heute ein gewisser Lukas Rupp. Er hat bislang in 27 Bundesligaspielen für den SC Paderborn ein Tor geschossen und nach allem, was man über ihn weiß, ist er ein grundsolider Mittelfeldspieler. Gegen Freiburg gelingt ihm nun 17 Minuten nach seiner Einwechslung ein Doppelpack. "Ruppi auf den Zaun!", werden seine Kameraden nach Spielende singen, während der blauschwarze Fanblock mit Guggenmusik alemannischer Prägung aufwartet.

Besonders ärgerlich aus Freiburger Sicht: Paderborn hat beide Treffer weder erzwungen noch besonders viel dafür tun müssen. Beim Ausgleich genügte ein einziger Doppelpass, vor der Führung waren es drei Allerweltsbälle und Lukas Rupp stand vollkommen frei vor Bürki. Das ist schlechterdings schon der Trend der letzten Wochen: Die Mannen von Christian Streich kassieren einfach viel zu leichte Gegentore.

Das Aufbäumen

Nun sind Gegentreffer im Fußball nichts Ungewöhnliches, die Qualität einer Mannschaft zeigt sich aber oft darin, wie man damit umgeht. Und hier muss man dem Sportclub leider einen großen Vorwurf machen. Nicht nur, dass kein Akteur mehr das Heft in die Hand nimmt (Julian Schuster mit 85 Ballkontakten ist immerhin auf dem Weg dahin), die Mannschaft als Ganze wirkt konsterniert, ratlos, in Teilen gar verängstigt.

Ein Remis und der Gegner wäre zumindest auf Distanz gehalten, stattdessen gibt es ideenloses Ballgeschiebe und eine Schlussphase, die mehr Fragen aufwirft als sie Hoffnung erzeugt – von Günters energischem, aber viel zu spätem Vorstoß einmal abgesehen.

So ist es schließlich nicht unbedingt die bessere oder aktivere Mannschaft (15-14 Torschüsse, 8-6 Ecken, 58-42 Ballbesitz, alles aus Freiburger Sicht), die in diesem wichtigen Spiel Erfolg hat. Aber die mit dem am Ende stärkeren Willen und der größeren Leidenschaft. Der Paderborner Kreis jubelt an der Dreisam, wohingegen die Freiburger und ihre Fans sich mit langen Gesichtern gegenüberstehen. Kurios ist nach dem zweiten vergeigten Heimspiel in Folge, dass die Rettung immer noch möglich ist.