Rapport von Nord: SC Freiburg vs. Werder Bremen

SC-Rapporter

"Sonntagsfan!" schimpfen SC-Fans Menschen, die bei -8°C nicht ins Stadion gehen, weil sie Angst vor kalten Füßen haben. Unser SC-Rapporter ist kein Sonntagsfan. Und hatte - weil er auf Trainer Streich gehört hatte - auch keine kalten Füße. Wie gut, dass auch der SC auf den Coach gehört hat, und ein ansehnliches 2:2 gegen Bremen hingelegt hat. Wie's war:

 

Vor dem Anpfiff


Unwohl
ist mir bei der Fahrt zum Dreisamstadion. Und zwar nicht nur, weil ich - wie vom Trainer empfohlen - zwei lange Unterhosen übereinander anhabe, und die Bahn knackig voll, gut geheizt und mir folglich unangenehm warm ist. Nein, der Blick auf die Tabelle erfreut kein bisschen, zur Zeit, und das wenig erfreuliche Spiel vom vergangenen Wochenende hängt mir noch ordentlich nach. Und heute dann Werder.

Ein Angst-Gegner, keine Frage, und noch nicht mal einer, den man so richtig hassen kann, denn eigentlich sind sie ja nett, die Bremer. Aber wäre ich Oliver Baumann, hätte ich in der vergangenen Woche bestimmt jede Nacht von Claudio Pizzarro gealbträumt. Ich zumindest rechne heute mit dem Schlimmsten.

Das Stadion

-8°C Tageshöchsttemperatur in Freiburg. Aber trotz Leistung und Wetter sind 22.000 Menschen ins Stadion gekommen. Mehr, als ich gedacht habe. Nord ist ausverkauft, fühlt sich aber relativ luftig an. Wahrscheinlich weil sich alle - Pinguinen auf einer Eisscholle gleich - schön in der Mitte der Tribüne zusammenkuscheln, um gemeinsam Wärme zu generieren.

Fan-Aktion

Vor dem Spiel. Der Stadionsprecher ist anstrengend wie immer, die Musikauswahl vor dem Spiel fragwürdig, aber dann sehe ich plötzlich ein bekanntes Gesicht auf der Stadionleinwand: fudder-User Holzi! Happy Birthday!

Zum Anpfiff heben die üblichen Verdächtigen rote Plakate in die Höhe, deren Aufschrift ich von meinem Platz aus leider nicht erkennen kann. Die Stimmung auf Nord insgesamt: motiviert, eisern, laut. Wer bei -8°C ins Stadion kommt, ist nicht da, um still zu sein, und hat sein Team - auch, wenn es gerade auf dem letzten Tabellenplatz steht - noch lange nicht aufgegeben. Einziges Problem: Klatschen mit Handschuhen geht quasi nicht. Thinsulate dämmt jedes Geräusch.



Die 70. Minute

Es steht 1:2. Pizzarro hat Baumanns Albträume bereits zwei Mal verwirklicht (30. und 47. Spielminute), jeweils in blitzschnellen Spielzügen.  Und ebenso blitzschnell ist der Spielzug, den der SC in Minuten 70 hinlegt.

Jendrisek passt kurz vor Wieses Tor zu Schmid, der einen kleinen Zweikampf mit Hartherz durchsteht, und dann - ich traue meinen Augen kaum - aus spitzem Winkel abzieht und den Ball erst an den Innenpfosten und dann ins Netz verfrachtet. Tim Wiese (unfassbar frisiert, übrigens, als sei er frisch aus den 80ern per Zeitmaschine angereist) sieht unglücklich aus. Oder ist er immer noch sauer über die "Hässlicher Torwart/Du bist ein hässlicher Torwart"-Gesänge? Oder hat ihn das "Die Nummer 1 ist eine Frau"-Tralala mehr geärgert?

Fail

Hinter mir steht ein Mädchen mit einer violetten Mütze. Ich glaube es ist ihr erstes Spiel. "Uuuuuuuiii!" ruft sie immer wieder. Oder soll es "Pfuiiiiiii!" heißen?

König des Platzes

Das Team. Keine Ahnung, was Streich in der vergangenen Woche mit ihnen angestellt hat, aber der SC hat heute eine mehr als ordentliche Leistung abgeliefert: gut ausgearbeitete Spielzüge, gute Koordination im Team, eine wahnsinnige Laufleistung. So schlecht die Lage auch ist: so will ich den SC spielen sehen. Fleißig, getrieben, zielstrebig. Ein Tor mehr? Wäre drin gewesen.

Fazit

Ein Punkt ist ein Punkt ist ein Punkt. Mühsam nährt sich das Eichhörnchen ist der Kampf gegen den Abstieg.