Rapport von Nord: SC Freiburg vs. Vfl Borussia Mönchengladbach

Berti Piercer Vogts

Sonntagnachmittag. Das erste Bundesliga-Heimspiel der Saison 2014/2015. SCF vs, Borussia Mönchengladbach. Schade nur, dass es am Ende 0:0 stand. Wie's war:



Vor dem Spiel

Das erste Heimspiel der Saison. Eigentlich sollte man da - es ist ja schließlich Ende August! - schön entspannt im Kurzarmtrikot auf dem Rad zum Stadion fahren können, den Fanschal aus Temperaturgründen in der hinteren Hosentasche verstaut. Dann noch ein schnelles, kühles Bierchen im Fanbiergarten des Postjahn an der Schwarzwaldstrasse, oder vielleicht an der Dreisam im angenehmen Halbschatten, bevor man rüberschlendert zum Stadion um am Eingang Nord anzustehen und mit fremden Menschen schonmal übers das anstehende Spiel smallzutalken.

Soweit der Traum.

Ich entscheide mich trotz Dauernieselregens und gefühlt einstelliger Temperatur zumindest fürs Radfahren. Das Risiko eines StraBa-Chaos am Schwabentor wegen der Innenstadtbaustelle ist mir zu hoch. Als ich auf der Nordtribüne ankomme, entledige ich mich erstmal meiner nassen und kalten Regenjacke und meiner durchnässten Hose. Als ich dann alle meine ganzen Fußball-Freunde und -Bekannten begrüsse, stellt sich dann tatsächlich noch Vorfreude und die bekannte Nervosität ein.



Alle sind betont locker, diskutieren über die Neuzugänge und das Frankfurt-Spiel. Was für erfahrene und souveräne Fussballfans meine Kumpels doch sind! Mit heimeligen Gefühlen nehme ich das große weiße Blatt Papier entgegen, das mir gereicht wird. Minuten später werde ich damit Teil einer wunderbaren Choreographie, die von den Corillos Freiburg für die Nordtribüne organisiert wurde. Dickes Kompliment für diese gelungene Aktion!

 

Das Spiel

Die üblichen teils vermissten Rituale (Skandieren der Spielernamen und Singen des SC-Songs) , wie nicht vermissten (Badnerlied!) sind fix abgefeiert und schon befinde ich mich in der ersten Halbzeit des ersten Heimspieles der neuen Fußballbundesligasaison.

So wie Metereologen viel Interessantes an diesem Sommerwetter finden können, so ist diese erste Halbzeit ein Leckerbissen für Fussballtaktiker. Der Fan unterdessen verzweifelt daran, wie gut die Gladbacher die Räume zustellen, geschickt und clever verteidigen und das ein oder andere Mal einen Nadelstich in den Freiburger Strafraum versuchen.



Wenigstens funktioniert das mit dem Räumeengmachen und dem Verteidigen auch auf Freiburger Seite ganz wunderbar. Der ein oder andere Spieler gefällt auch schon ganz gut, nur Vladimir Darida muss für meinen Geschmack den Ball zu oft zu tief in der Freiburger Abwehr abholen und kann sich so eher schlecht um Offensiv-Aktionen kümmern.

Sowieso haben die Gladbacher zu diesem Zeitpunkt ein leichtes spielerisches Übergewicht. Ein anderes Bild zeigt sich dann in Hälfte zwei. Zum einen scheint auf einmal die Sonne (!) und zum anderen spielt eigentlich fast nur noch der SC Freiburg nach vorne. Vom befürchteten offensiven Sturmlauf der Borussen ist glücklicherweise keine Spur!

König des Platzes

Das Krönchen verdient sich heute diskussionslos Roman Bürki, der neue SC-Keeper. Er muß zwar keine extremen Glanzparaden auffahren, um seine Mannschaft im Spiel zu halten, aber die Übersicht die er zeigt, die Ruhe und Souveränität die er ausstrahlt und eine intelligente Spieleröffnung stimmen hoffnungsvoll. Um es mit den Worten eines Umstehenden zu sagen: 'He. De Bürki isch hundertmol besser als seller Baumann.'

Kein König ist hingegen Schiedsrichter Gagelmann. Um es noch mal mit den Worten des Umstehenden zu sagen: 'He. Gargamel, der Dubl!'. Gagelmann und die SC-Fans werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. Wie so oft zieht er auch heute wieder den Unmut der Fans auf sich durch seine kleinlichen und nicht immer nachvollziebaren Entscheidungen. Auf beiden Seiten wohlgemerkt.



Die 63. Minute

Den Titel "unglücklister Schweizer auf dem Platz" verdient sich Admir Mehmedi. Er ist heute einer von vier aktuellen Schweizer Nationalspielern auf dem Platz (Sommer und Xhaka bei Gladbach, Bürki und Mehmedi bei Freiburg). Er verschiesst irgendwann in der 63. Minute einen berechtigten Foul-Elfmeter und damit den ziemlich wahrscheinlichen Heimsieg des Sportclubs.

Die Fans

Es sind bemerkenswert viele Borussen-Fans im Gästeblock für ein Sonntagabendspiel - und die machen auch kräftig Stimmung. Aber die SC-Fans sind nicht nur lauter. Mit großer Geduld und viel Gespür begleiten sie das Spiel, das nicht unbedingt ein Fussball-Leckerbissen ist. Sie spüren genau, wann das Team Unterstützung braucht - und fangen nicht sofort an zu Schimpfen und zu Pfeifen. Außerdem höre ich aufmunternden 'Admir Mehmedi'-Rufe nach Abpfiff des Spieles. Das gefällt mir. Manchmal bin ich richtig stolz auf meine Mit-Fans!



Fazit

Die sportliche Leitung des SC hat wieder ein funktionierendes, konkurrenzfähiges Team zusammengestellt. Nach den ersten zwei Spiele sind zwar zu wenig Punkte auf dem Konto, allerdings sehe nicht nur ich dem Thema Klassenerhalt recht optimistisch entgegen. Um ein letztes Mal deb umstehenden Fan zu bemühen: 'Abstiege du e mir mit dere Mannschaft nit, do bruchsch kei brille!'

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