Rapport von Nord: SC Freiburg vs. Bayer Leverkusen

Veit Cornelis

Puh. Seit Samstag ist die Welt der SC-Fans ein kleines bisschen mehr in Ordnung. Nach dem 3:2 gegen Leverkusen ist der SC zumindest für den Moment 'raus aus der Abstiegszone. Der Rapport von SC-Philosoph Veit Cornelis:



Nach dem Spiel

In meinem bürgerlichen Dasein spaziere ich am Sonntag durch die Stadt. Als ich die Stefan-Meier-Strasse kreuze, erhole ich mich gerade von meinen Erinnerungen an das 0:1 durch den Super-Zwilling Bender. An den sanften Hängen Herderns lasse ich erneut einen Freudenschrei los, ein Frau schaut mich dabei erschocken an. Ich zeige auf meinen kleinen SC-Pin an der Jacke. Sie nickt verständnisvoll und entscheidet sich offensichtlich nicht die Polizei zu alarmieren.

Felix Klaus, Du Vorzeige-Franke! – wie er sich in Jack-the-Ripper-Manier an sein Opfer, in persona Bernd Leno, von hinten heranschleicht und eiskalt den entscheidenden Hieb setzt. 3:2. Minute 90 in einem den Fans und auch den Spielern alles abverlangenden Spiel. Doch jetzt ist klar: das ist der Heimsieg! Nach 90 Minuten Kampf auf dem Platz und bestem Fanatismus auf der „Galeria Nordtribüne“. Oh Nordtribüne, wie bist du geil!

Sogar das Abendrot spendete Applaus. Wer Augen dafür hatte und nicht nach derartigem Freudentaumel auf der Suche nach Brille, Freunden und Möglichkeiten war nicht einfach loszuheulen! Fassung war geboten – denn der Weg zum Klassenerhalt ist noch lang. Nicht jetzt schon alles raushauen... Fan, wir brauchen Dich noch! Freiburg lebt und Bayer plant für Morgen eine Extraschicht zur Aspirin-Herstellung. Kopfschmerz im Rheinland. Und das noch lange vor Aschermittwoch.

 

Vor dem Spiel

Irgendwie sind alle ein wenig unruhig. Die Gier auf Fußball nach der Winterpause paart sich in unseren Hirnen mit der hohen Wahrscheinlichkeit einer Niederlage gegen Leverkusen. Der Gedankenporno über den Verlauf der nächsten 90 Minuten wird unterbrochen: ab jetzt wird Sky beobachtet. Und mit Sky – Patrick Owomoyela. Früher Fußballer und Frisurenmodell. Heute nur noch Frisurenmodell. Und auch ein bisschen Sky-Experte. Aber wahrscheinlich nur für Frisuren.

Sky - diese Medienmaschine hat direkt neben die Nordtribüne einfach mal ein kleines Studio gebastelt. Die Jünger des Bauhaus-Stils freuen sich. Machen Fotos. Diskutieren: „Einfach praktisch – so ein kleines Studio zum Mitnehmen. Und gar nicht so hässlich. Halt praktisch.“



Analyse des Fans (Fußball und nicht Bauhaus): Die Medienbranche hat krasse Frisuren, die Medienbranche hat eigentlich nichts zu tun außer twittern und eine Dose Haarspray reicht nicht für Patrick Owomoyela. Das Spiel kann also losgehen. Ich habe alles gesehen und dank meiner stehenden Nachbarn sogar etwas über Bauhaus gelernt. Wer heute in dieser Stadt noch Vorlesungen besucht ist selbst schuld. Die Universität on tour. Willkommen auf der Nordtribüne 2014.

 

Während des Spiels

Während Patrick Owomoyela gerade seine zehnte Portion Knöpfle mit Sauerkraut verdrückt, erlebt die Nordtribüne in Hälfte eins nach der Winterpause vorgezogene Eisheiligen. Frostig trifft uns der Super-Zwilling in der 4. Spielminute.

Und schon wird es mal wieder ruhig im Stadion. Wirklich ruhig. Denn die gefühlt zehn Leverkusener Fans (Spitzenteam, also bitte!!) machen nicht wirklich Alarm. Im meinem Gedankenporno ist mittlerweile postkoitaler Zustand erreicht: die Gier nach Fußball muss abwaschen, während die Angst vor der Heimniederlage es sich schon mal mit Jogginghose auf der Couch gemütlich macht. War´s das schon wieder?

Schnell schalten die fanatischen Unterstützer um mich herum– nicht mit uns! „Kämpfen, Freiburg, Kämpfen“. Rosa Luxemburg wär stolz auf uns!

Die Entwicklung des Spiels im weiteren Verlauf des Nachmittags ist von ebendiesem Kampf geprägt. In meinem Kopf hat mittlerweile eine Paartherapie begonnen. Es wird gemeinsam abgewaschen. Mein Gehirn lehrt Gender Studies.

Das Fußballspiel, das selbst den Kaffee von Patrick Owomoyela zum überschwappen gebracht hat, findet seine Höhepunkte. In Hälfte Zwei kämpfen die Akteure des SC, als hätte Pädagoge Streich die "Kunst des Krieges" von Sunzi als Halbzeitlektüre verteilt.



Und falls sich nun noch irgendjemand die Frage stellen sollte: Ja, es war ein Traumtor von Mehmedi. Nein, es war kein Phantomtor von Schmid, obwohl Kießling in der Schussbahn stand und Ja, dieser Felix Klaus ist eine abgebrühte Sau! Kommt da rein und macht uns glücklich. Nicht einmal Markus Lanz himself hätte diesen Schuss unterbrechen können. Bähm.... und hinein ins Glück!

Die rot-weiße Freudentraube auf der Galerie war fast nicht auseinander zu bringen. Fast hätte die Polizei dazwischen gehen müssen – um Menschen vom einander freudigen Umarmen auseinanderzubringen. Doch die Staatsgewalt hatte Einsicht – es kam ja noch nicht so oft vor diese Saison.

Am Ende bleibt die Vorfreude auf nächste Woche. Auswärts in Mainz. Vorfreude. Wann hatten wir das zuletzt? Die Punktejagd ist definitiv eröffnet! Bleibt eigentlich nur noch eine Frage offen: Wie lange braucht Patrick Owomoyela eigentlich morgens im Bad? Was 'ne Frisur...

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