Rapport von Nord: SC Freiburg gegen Hannover 96

Marius Buhl

Endlich ist er da, der erste Heimspielsieg, 2:1 gegen Hannover. Unser SC-Rapporter war dabei und hat rund um das Spiel jede Menge Fan-Gesänge gehört – von denen jeder seine eigene Geschichte erzählt.



Fangesänge sind gehässig, witzig, kreativ und dumm, vor allem erzählen sie aber wunderschön die Geschichten eines Fußballspiels. Der vergangene Samstag war voller solcher kleiner Geschichten – und voller Fangesänge, die die Geschichten besser erzählen als jeder Märchenonkel.


Die Bauern-Geschichte

Auf dem Weg zum Stadion in der Bahn: eine besonders aufmüpfige Gruppe Hannoveraner reißt Witze über die Mundart einiger Schwarzwälder SC-Anhänger. Dann singen sie: „Kniet nieder ihr Bauern, Hannover ist zu Gast!“ So fühlt sich das also an, wenn man aus der Hauptstadt des Standarddeutschen in den sprachlich eher unkultivierten Südwesten kommt. Die Geschmähten antworteten, zugegeben etwas unrund, dafür umso ironischer: „Wir sind aus Baden, wir reden Badisch, und bei euch geht auswärts leider gar nichts.“

Bisher null Auswärtssiege bei Hannover, die Hannoveraner waren ruhig. 1:0 nach Fangesängen für den SCF.

Die Mehmedi-Geschichte:

Jedes Spiel aufs Neue, wenn der Stadiontreffer den Namen „Admir“ schreit, schwingt im langezogenen „Meehmeeediiii“ der Fans die Hoffnung mit, der junge Schweizer könne seine Talente endlich mal gewinnbringend für den SC einsetzen. Er konnte – und wie.

Mehmedi schickte erst einen Verteidiger in die Binsen und ließ dann Torwart Zieler aussehen wie die berühmte Bahnschranke. Und auch beim 2:0 war Mehmedi beteiligt, hielt seinen Zauberfuß in den rustikalen Volleyschuss von Jonathan Schmid und lenkte den Ball so geschickt ins andere Eck - Zieler war wieder geschlagen. Die Fans dankten es ihm: „Admir Mehmedi, Admir Mehmedi!“ Und: „Der SCF, der SCF ist wieder da!“



Die Dufner-Geschichte

Dirk Dufner war bekanntlich Manager des SC Freiburg, bis er kurz vor der Saison sein Amt aufgab, nach Hannover wechselte und damit für viel Unmut unter den Freiburgern sorgte. Nach dem Freiburg Hannover in der Halbzeit nun aber mit zwei zu null deklassierte, blutgrätschte die Nordkurve verbal nach: „Siehst du Dufner, so wird das gemacht!“

Die Kind-Geschichte

Während Freiburg-Bauern und Hannover-Hochdeutsche vor dem Spiel bestimmt keine Freunde geworden sind, haben sie in der Halbzeitpause doch noch zusammen gefunden. Ziel des gemeinsamen Hasses: Hannover-Präsident, Mäzen und Jukebox für fanfeindliche Aussagen Martin Kind: „Kind muss weg, Kind muss weg“, skandierten die Freiburger Fans, die Hannoveraner stimmten mit ein. Gemeinsam gegen den Fußballkommerz – der Beginn einer langen Freundschaft?



Die Zieler-Geschichte

Ron Robert Zieler ist eigentlich ein unauffälliger Torwart, der selten für Aufregung sorgt. Ganz anders am Samstag, als er den am Boden liegenden Mehmedi etwas hart anging und damit die Nordtribüne in seinem Rücken entzürnte: "Ohne Zieler, fahr'n wir zur WM!" und "Zieler, du Arschloch!" waren die Fangesänge, von denen man hier noch berichten darf. Gehässiger Fußball.

Die Weihnachtsgeschichte

Weihnachten – das Fest der Liebe. Wir lieben den SC, er liebt uns jetzt auch wieder. Wir hoffen auf kommende schöne Tage, wir zünden Wunderkerzen an. Wir singen „Heimspielsieg, Heimspielsieg! Oh, wie ist das schön!“ auf die Melodie von Jingle Bells und „Oh, du fröhliche“. Friede, Freude, Heimspielsieg.



Die Erfolgsgeschichte

2:1, der erste Heimspielsieg der Saison, nicht besonders schön herausgespielt, aber effizient, die laaaaaange Durststrecke überwunden mit einem tiefen Schluck aus der Siegerflasche. So also fühlt sich siegen an! Christian Streich ist glücklich, die Spieler auch, die Fans sowieso. Was bleibt da noch zu singen? „Oooohhoooo, nur der, nur der SCF!“

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