Rapport von Haupt: SC Freiburg gegen VfB Stuttgart

Clemens Geißler

Eine Niederlage schmerzt, eine gegen Stuttgart noch viel mehr -zumal sie vermeidbar gewesen wäre, wie fudder-Rapporter Clemens feststellte. Warum es am Freitag nicht reichte, warum eine Fan-Aktion beschämend war und warum ein paar Haupttribünen-Hools mittels ihrer Mittelfinger kommunizierten:



Vor dem Spiel…

... hat der badische Greif allen Grund zum Optimismus: Eine kleine Serie von drei Spielen ohne Niederlage, gute bis ansprechende Leistungen und eine stark verbesserte Offensive. Haarsträubend hingegen, wie der württembergische Hirsch durch die Jagdgründe der Bundesliga stolpert. Doch die Schonzeit der schwäbischen Profis ist vorbei, seit Stevens Huub mit großem Halali Einzug gehalten hat. Der Knurrer aus Kerkrade streicht den Profis sogleich die Rumlümmelei – ab sofort ist um 8.30 Uhr Antreten, statt wie zuvor um 11. Wie sich diese Maßnahme mit dem Anspruch vertragen soll, wieder mehr Spaß an den Neckar bringen zu wollen, wird sein Geheimnis bleiben.

Beim Sportclub versucht man sich einfach nur seriös vorzubereiten und alles andere auszuklammern: Dass der VfB Letzter ist, einen neuen Trainer hat, dass es das Derby ist, Badner gegen Schwaben, Peripherie gegen Zentrum, arme Provinz gegen städtischen Speckgürtel. Zu viel Brisanz will man ja eh nicht reinbringen, schließlich sind die Promis aus der Landeshauptstadt da, denen man noch die Mittel für das neue Stadion abschwatzen möchte. Blöd nur, dass die Fans später einen Banner entrollen, der den gemeinen Schwaben als Bewohner der Kanalisation betitelt.

Das Spiel

Von Anfang an ist der Sportclub das aktivere und bessere Team. Schnelle Passfolgen und durchdachte Laufwege bringen die Stuttgarter Abwehr ein ums andere Mal in Verlegenheit. Vor allem über Rechtsaußen gelingen aussichtsreiche Durchbrüche - doch Schmid und Freis scheitern. Auch als der verunsichert wirkende Sven Ulreich einen Torrejón-Fernschuss nur abklatschen lässt, visiert Freis schlechterdings die Geschäftsstelle an. Auf den Rängen kommt es zu Beschwerden.

Mit der ersten nennenswerten Aktion gehen die Gäste nach eine halben Stunde in Führung: wohl aus Abseitsposition und weil Bürki nach zuletzt starken Leistungen im Olli-Reck-Modus agierte. Minuten später wird er gar zum Schmadtke, doch sein missratener Dribblingversuch endet glimpflich. Mit einer starken Parade gegen den enteilten Harnik bringt er sich und seine Mannen aber zurück ins Spiel.

Dies dokumentiert Vladimir Darida eindrucksvoll, als er noch vor der Pause einen fulminanten 25 Meter-Schuss zum 1-1 abgibt. Der Ausgleich ist mehr als verdient. Und nachdem kurz darauf nach einer wilden Szene im Stuttgarter Strafraum auch noch die Querstange wackelt (Felix Klaus), glauben die Zuschauer nur an das Beste.

Der Pechvogel des Platzes

3-1 oder 4-2 hätte es zur Halbzeit stehen können, stattdessen heißt es am Ende 1-4. Das hat vor allem damit zu tun, dass Stefan Mitrovic nach zuletzt schon leicht sinkendem Formbarometer am Freitag zwei völlige Aussetzer produzierte.



Zunächst einen haarsträubenden Fehlpass, der zum 1-2 führt (63. Minute), dann einen verschlafenen Zweikampf mit anschließender Notbremse direkt nach dem 1-3. Der geschockte Sportclub kommt danach nicht mehr zurück, während den anfangs konfusen Gästen nun sogar noch ein Tor gelingt. Bezeichnenderweise war ein missglückter Torschuss vorangegangen.

Die Fans...

...sind heute das Spiegelbild des Spielverlaufs. Anfangs zufrieden, optimistisch und durchaus lautstark. Gegen Ende enttäuscht, ernüchtert oder wütend. Einige gehen heim, andere sitzen das Ganze aus – trotz zunehmend schneidiger Celsiuswerte. Im VIP-Bereich gäbs jetzt wenigstens Rooibosch-Tee bei Kerzenschein.
Ganz so friedvoll geht es auf der rechen Seite der Haupttribüne nicht zu. Zwei Unentwegte hält es nun gar nicht mehr auf den Sitzen.



Die Haupttribünen-Hools kommunizieren ausschließlich per Mittelfinger Richtung Gästeakteure und fahren ein beachtliches Maß an Schimpfwörtern auf. Ein Sicherheitsmann führt sie zwar ab, doch wenige Minuten später kehren sie unter selbstkreierten Sprechchören in die Reihe zurück. Umsitzende wenden sich beschämt ab.

Fazit

Der Sportclub ist der unglückliche Verlierer eines Spiels, das er lange Zeit in den Händen hatte. Fehlende Effizienz vorn und individuelle Aussetzer hinten brachten die Elf von Christian Streich auf die Verliererstraße. So kommt es, dass die aktuelle Punktausbeute nicht den gezeigten Leistungen entspricht. Ohne die Last-Minute-Gegentore dieser Runde hätte man schon sechs Punkte mehr und das heutige Derby musste man auch nicht verlieren. Aufbauen können die Spieler auf die erste Hälfte, aber es gilt nun mehr denn je, in den entscheidenden Situationen eines Spiels die Sinne zu schärfen.

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