Rapport aus Stuttgart: SC Freiburg vs. VfB Stuttgart

SC-Rapporter

Seit Wochen fieberte unser SC-Rapporter auf diesen Tag hin: DFB-Pokal-Halbfinale in Stuttgart! Und egal wie es ausgehen sollte, Freiburg ist diese Saison verdammt weit gekommen. Wie unser Rapporter das Spiel im Gästeblock der Mercedes-Benz-Arena erlebt hat:



Vor dem Spiel

Spürt ihr sie auch? Diese andauernde Nervosität? Seitdem ich heute morgen meine Äuglein aufgeschlagen habe, kann ich nur noch an das Eine denken: Wir fahren nach Stuttgart! Ausgerechnet bei unserem Lieblingsgegner steigt das DFB-Pokal-Halbfinale.

Anreise

Gegen 16 Uhr starten wir aus dem Breisgau. Wir entscheiden uns, über den Schwarzwald zu fahren. Gute Entscheidung, wie sich im Nachhinein herausstellt.

Schon die Hinfahrt ist eine einzige Party. Es kommt mir so vor, als wäre ganz Freiburg auf den Rädern. Überall Freiburger Kennzeichen, wehende Füchsleschals und hupende Kolonnen.

Im Stadion

Die Mercedes-Benz-Arena ist mit 60.000 Plätzen rappelvoll. Viele Fans kommen wegen andauernder Staus gerade noch rechtzeitig zu Spielbeginn. Langsam wird die Spannung unerträglich. Kann es nicht endlich 20:30 Uhr sein?



Natürlich darf das gegenseitige Anstacheln vor der Partie nicht fehlen. Die Freiburger Fans rufen der Cannstatter Kurve provozierende Sätze über professionelle Mütter entgegen. Die Stimmung ist freudig und ausgelassen. Alle freuen sich auf das anstehende BaWü-Derby.

Die Choreo

Überall im Gästeblock werden weiße und rote Kartons verteilt. Während die Mannschaft einläuft, wird alles in die Höhe gehoben und ergibt eine tolle Choreo. Von den Sitzplätze überhalb der Stehkurve wird ein großes Banner herabgelassen. „Go, get the cup“, blitzt groß durch das Stadion.



Doch auch den Stuttgarter Fans muss man eins lassen. Ihre Final-Choreo lässt einiges erwarten. Ein riesen VfB-Zeichen klatscht dem Gästeblock entgegen.

Die erste Halbzeit

Breits nach 13 Minuten steht es 1:1 durch Tore von Boka und unserem Rosenthal. Die Stimmung gleicht einem Hexenkessel. Bierduschen ohne Ende für die vorderen Reihen. Der SC kämpft, doch gerade im Angriff fehlt häufig der letzte Wille zum Abschuss.



Torgaranten wie Daniel Caligiuri und Jonathan Schmid fallen heute total aus, sind kaum zu sehen. In der 29. Minute dann der Herzstillstand für alle mitgereisten Freiburger. Ein einfacher Ball kommt in den Strafraum gewackelt. Julian Schuster und Matthias Ginter sind beide zur Stelle. Und wie sagt man so schön? Zu viele Köche verderben den Brei. Beide wollen gleichzeitig den Ball klären. Dieser landet allerdings genau vor den Beinen von Vedad Ibišević. Der ballert den Ball an die Latte. Im zweiten Anlauf versenkt der Stuttgarter Harnik zum 2:1.

Die zweite Halbzeit

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, was in der zweiten Halbzeit alles geschah. Mein Blick war bange 45 Minuten auf die Uhr gerichtet. Und die lief ... und lief ... und lief gnadenlos gegen uns. Die kämpferischen Leistungen der vergangenen Spiele waren wie weggeblasen. Die Freiburger kamen einfach nicht ans Stuttgarter Tor. Alles heulen, schreien und fluchen half nichts. Wir verlieren das Halbfinale mit 2:1.

Natürlich kann man jetzt sagen, dass wir trotzdem weit gekommen sind. Doch haben wir nicht alle schon mit einem oder sogar zwei Augen nach Berlin geschielt? Nach unseren letzten Wochen auch gar keine so abwegige Aussicht. Doch es hat nicht sein sollen.

Nach dem Abpfiff

Gequälte Gesichter überall im Block. Es ist einfach nicht schön, wenn auf der anderen Seite des Stadions die Fans sich in den Armen liegen und ihr Glück nicht fassen können. Im Stadion ruft der Sprecher laut: "Wir fahr'n, wir fahr'n wir fahren nach Berlin!" All das bekomme ich gar nicht mehr richtig mit.

Ich bin noch zu geschockt. Hatte ich doch bis zur letzten Sekunde auf ein Wunder wie in Mainz gewartet. Die Mannschaft kommt zum Gästeblock. Und wieder einmal sehe ich: Die Freiburger Fans sind einfach spitze! Sie grölen und klatschen. Zeigen vor den Jungs ihre Enttäuschung nicht. Ein "Auswärtssieg!" wird lauthals gefordert.



Heimreise

Im Auto ist es jetzt deutlich stiller als noch auf dem Hinweg. Alle hängen ihren Gedanken nach. Es hätte so schön sein können. Werden wir überhaupt nochmal die Chance bekommen, so bald ins Finale einzuziehen? Wir waren so nah dran.

"Immerhin habt ihr noch die Chance, aus eigener Kraft in Europa zu spiele", entgegnet mir ein Stuttgarter Fan nach dem Spiel. Und er hat Recht. Lasst uns gemeinsam eine tolle Rückrunde feiern und unseren SC die letzten Spiele, mit allem was wir haben, unterstützen. Kopf hoch Jungs! Wir sind trotzdem stolz auf euch!

Und am Sonntag heißt es dann: "Spätzle all you can eat!"

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