Rapport aus Sinsheim: Hoffenheim gegen SC Freiburg

SC-Rapporter

Gegen die komplett umgekrempelte Mannschaft der TSG Hoffenheim schaffte es der Sportclub diesmal nicht die Null zu halten. Stattdessen lud man nach der schnellen Führung den Gegner durch Fehler zum Tore schießen ein. Am Ende ging es dann mit zwei Gegentoren und ohne Punkt zurück nach Südbaden. Wie sich die Niederlage angefühlt hat weiß unser SC-Rapporter:



Vor dem Anpfiff ...

... passiert dem Rapporter etwas, was ihm in Freiburg nicht hätte passieren können. Denn anders als in der Heimat reist er heute mit dem PKW an und steht auf der A6 im Stau. Doch damit noch nicht genug: Einmal nicht aufgepasst fährt er dem Vordermann in den Kofferraum - der Spieltag beginnt mit einem Blechschaden. Immerhin ist der Vordermann auch aus Freiburg und recht umgänglich, später im Stadion wird dann sogar gemeinsam ein Bierchen getrunken. Am Stadion angekommen dann der nächste Dämpfer. Das Parken kostet 5 Euro extra, damit werden dann wohl die ganzen Neuzugänge im Kraichgau finanziert. Immerhin sind die Parkplätze in großer Zahl vorhanden und direkt um das Stadion angelegt.



Das gastronomische Angebot in Sinsheim ist recht überschaubar. Eine richtige lange rote Wurst findet der Rapporter leider nicht. Stattdessen gibt es Brüh-Curry-Wurst, die ein wenig nach Pappe schmeckt - Kein Gaumenschmaus. Das Bier kommt aus Bitburg und wird in Einwegbechern ausgegeben. Die Folge: Viel Müll! Am Spielende sind die Ränge voll von leeren Bechern - nicht gerade sehr umweltfreundlich...

Das Stadion ...

... ist mit "offiziell" 24.000 Zuschauern gefüllt. Für ein richtiges Badenderby ist das recht dürftig. Aber für ein richtiges Badenderby fehlt es der TSG natürlich auch an der nötigen Tradition und den "richtigen" Fans. Erst 20 Minuten vor Spielbeginn (!) ist der Stehplatzbereich der Hoffenheimer-"Ultras" auf der Südtribüne halbwegs gut gefüllt. Mit der Stimmgewalt der mitgereisten Freiburger Anhänger können die Hoffenheimer Fans nicht mithalten.



Für große Aufregung beim Rapporter sorgt das Rauchverbot im Stadion. Nicht nur dass man hier keine vernünftige Wurst bekommt, kein Becherrecycling betreibt und keine Fankultur hat, in Hoffenheim darf man sich nicht mal ein Kippchen anzünden, wenn's spannend wird. Der Rapporter versucht es trotzdem. Doch es dauert keine Minute dann steht schon ein stämmiger Ordner vor ihm und fordert ihn auf das Rauchen unverzüglich einzustellen.

Die Hymne

Kurz vor dem Anpfiff gibt es dann noch die offizielle Stadionhymne "Unsre Heimat unsre Liebe 1899 TSG". Allerdings singt fast niemand im Stadion mit. Waran das liegt? Am besten einfach mal selbst den Liedtext anschauen und beurteilen:

 
Manchmal denkst Du, Du bist in einem Traum, der nie zu Ende geht.
Und plötzlich spürst Du -und glaubst es kaum-, dass du diesen Traum erlebst.
Und dann schwörst Du immer Treue auf unseren Dorfverein.

Unsre Hoffnung, unsere Heimat, unsre Liebe: 18hundert99 TSG !!!
Lästerei und Neiderei geh'n uns am ***** vorbei, 18hundert99 TSG !!!

Ein Leben lang im Niemandsland - nur Hoffi´s Ruf erschallt!
Und endlich ganz schnell weltbekannt. Unser kleines Dorf am Wald...
Und sind wir dann mal oben, dann wird's nie wieder nach unten geh'n!

Unsre Hoffnung, unsere Heimat, unsre Liebe: 18hundert99 TSG !!!
Lästerei und Neiderei gehn uns am ***** vorbei, 18hundert99 TSG !!!

Unsre Hoffnung, unsere Heimat, unsre Liebe: 18hundert99 TSG !!!
Lästerei und Neiderei gehn uns am ***** vorbei, 18hundert99 Hoffenheim !!!




Das Spiel...

... beginnt für Freiburg perfekt. Schon nach 5 Minuten führt der Sportclub mit 0:1 und ist drauf und dran noch ein Tor zu erzielen - endlich also wieder ein Torerfolg und keine Nullnummer. Als die Hoffenheimer in der 10. Minute aus heiterem Himmel das 1:1 erzielen bricht jedoch plötzlich das Spiel der Freiburger zusammen. Die Zuordnung in der Defensive stimmt nicht mehr, und auch den Aktionen nach Vorne fehlt es an Präzision. Hoffenheim kommt besser ins Spiel und kann in der 26. Minute einen Fehler von Oliver Sorg nutzen, um das 2:1 zu erzielen. Bis zur Pause findet die Streich-Elf nicht mehr in die Spur zurück.



Die 2. Halbzeit...

... ist dann vom Anrennen der Freiburger geprägt. Hoffenheim findet bis auf einen Konter nicht mehr statt. Es ist ein Spiel auf ein Tor. Das Problem jedoch: Es fehlt die Leichtigkeit. Statt schneller Pass-Stafetten viele Dribblings. Auch das Spiel über die Außenseite funktioniert heute nicht. Sowohl Jonathan Schmid als auch sein Gegenüber Daniel Caligiuri haben nicht ihren besten Tag erwischt. In der Mitte wirkt Flum, zwar körperlich sehr stark, am Ball jedoch zeigt auch er einige ungewohnte Schwächen. Vor allem am letzten entscheidenden Pass hapert es.

Die Standardsituationen werden vom Sportclub ausnahmsweise nicht im Barca-Style ausgeführt, sondern ganz klassisch als Flanken in den Hoffenheimer Sechzehner. Der neue Hoffenheimer Keeper Gomes erweist sich jedoch als guter Strafraumtorwart und pflückt alles vom Himmel. Schade, dass Tim Wiese nicht noch einmal eine Chance bekommen hat...



Der König des Platzes ...

... ist heute auf Seiten der Freiburger derjenige, der die wenigsten Fehler gemacht hat. Neben Torwart Baumann, der alles hielt was es zu halten gab, ist vor allem Fallou Diagné positiv aufgefallen. Er ist schnell, stört früh und entwickelt immer mehr Übersicht. Auch im Spielaufbau wird er immer besser von seinen Mitspielern eingebunden.

Fazit


Vielleicht standen die Vorzeichen zu gut für Freiburg: Hoffenheim neu formiert, dazu der Wiese-Skandal und Vorletzter in der Tabelle. Dann geht der Sportclub sogar schon in der 4. Minute in Führung ohne auf Gegenwehr zu stoßen. Bis jedoch binnen 20 Minuten plötzlich zwei mal Hoffenheim jubelt. Man merkt dem jungen Freiburger Team in der Folge deutlich die Verunsicherung an. Dennoch bewiest die Mannschaft Moral und kämpft bis zum Schlusspfiff. Hätte der ein oder andere Leistungsträger einen besseren Tag erwicht, wäre ein Unentschieden locker möglich gewesen.

Vor dem Spiel am nächsten Sonntag zu Hause gegen Düsseldorf sollte Christian Streich im Training das Szenario einer frühen Führung durchspielen, damit - sollte es so kommen - seine Kicker wissen, wie sie damit umgehen müssen.