Rapport aus Schwaben: VfB Stuttgart vs. SC Freiburg

Jan Wittenbrink

Das war nix: Der SC Freiburg hat das Abstiegskampf-Derby beim VfB Stuttgart mit 0:2 verloren. Der Bericht des fudder-Rapporters aus dem ausverkauften Gästeblock:

 

Vor dem Spiel

Da ist er, der Traum vom Derbysieg mit 4000 Freiburgern in Stuttgart. Der Gästeblock ist ausverkauft – heute geht es um mehr als die badisch-schwäbische Rivalität. Die Vorzeichen sind ganz anders als noch vor einem Jahr im DFB-Pokal-Halbfinale. Abstiegskampf pur steht auf der Speisekarte. Der jüngste Zwischenspurt des SCF mit 10 Punkten aus vier Spielen hat die SC-Fans euphorisiert. Gewinnt man heute, hätte man acht Punkte Vorsprung auf den großen VfB und würde diesen ganz deutlich Richtung zweite Liga schubsen.

Die Freiburger Fans belagern schon in Karlsruhe die Bahnsteige. Kurz vor Stuttgart dann die Durchsage des eindeutig schwäbelnden Zugführers: „Allen Fußballfans ein schönes Spiel. Möge der Bessere gewinnen.“

Das Stadion

Die Mercedes-Benz-Arena ist vor einigen Jahren zum reinen Fußballstadion umgebaut worden, die Ränge stehen nun nahe am Spielfeld. 58000 Zuschauer sind gekommen. Vor allem für den VfB zählt heute nur ein Sieg. Die Stuttgarter Mannschaft wird mit dem Fluch der Karibik-Soundtrack und einem Freiburger Pfeifkonzert begrüßt. Die gegenüberliegende Cannstatter Kurve fordert von den VfB-Spielern auf einem Banner: „Kampf bis zum Schluss.“



Schon vor dem Anpfiff springt und grölt der ganze Gästeblock. Die Stimmung ist euphorisch, es kann los gehen. Hurra, hurra, die Freiburger sind da.

Das Spiel

Christian Streich muss umbauen: Pavel Krmas ist verletzt, Julian Schuster gesperrt. Der SC kommt in den ersten Minuten ganz gut ins Spiel, dann wird der VfB stärker. Man wird den Eindruck nicht los, dass der SCF mit einem Unentschieden eigentlich ganz zufrieden wäre. Es fehlen der Elan und der unbedingte Wille zum Sieg aus den letzten Heimspielen. Der Trainer wählt heute mal wieder die Auswärtstaktik: Hinten sicher stehen und vielleicht mal erfolgreich einen Konter fahren. Lange das 0:0 halten und das Stuttgarter Publikum nervös machen.

Anfang der zweiten Hälfte dann eine Freiburger Druckphase. Der SC drängt aufs Stuttgarter Tor und der Derbysieg scheint plötzlich möglich. Große Hoffnung und super Stimmung im Gästeblock! VfB-Trainer Huub Stevens reagiert und bringt mit Werner und Maxim zwei frische Akteure.



Die 69. Minute

Traoré tanzt auf rechts drei Freiburger aus und bedient nach Doppelpass mit Gentner den eingewechselten Maxim direkt vor dem Tor. Der ist drin, denkt man sich als Freiburg-Fan schon während der Pass noch unterwegs ist, und Sekunden später: Rekordlautstärkepegel im Stadion, Bro Hymn von Pennywise aus den Boxen und Kopfschütteln im Gästeblock. 0:1. Ärgerlich.

Wie erwartet gibt das Tor den Stuttgartern Auftrieb, sie treffen noch mehrmals Pfosten oder Latte. Aber auch der SC hat noch ein paar Möglichkeiten. Am Ende verliert Freiburg das Derby mit 0:2. Mit ausschlaggebend war heute wohl, dass der VfB solche Klassespieler wie Werner und Maxim von der Bank bringen konnte.

Die Fans

Die Stimmung auf beiden Seiten ist eines Derbys würdig. Der Gästeblock feiert sich selbst („Steht auf, wenn ihr Badner seid“) und beleidigt immer wieder den Gegner, leider nicht auf sehr kreative Art.

Als am Ende die Mannschaft zum Gästeblock kommt, werden tausende Schals in die Höhe gehalten. Nachspielzeit dann auf der Heimfahrt im Regionalexpress: „Zweite Bundesliga VfB“ singen die SC-Fans minutenlang. Man hat schließlich immer noch zwei Punkte Vorsprung auf den schwäbischen Rivalen.



Fazit

Stuttgart bleibt ein schlechtes Pflaster für den SC. Noch bleibt ein kleines Polster auf die Abstiegsplätze. Die Rechnung ist einfach: Holt der SC nächste Woche drei Punkte gegen Braunschweig, sieht es gut aus. Ansonsten geht das ganz große Zittern wieder los.

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