Rapport aus Gladbach: Borussia M'gladbach vs. SC Freiburg

SC-Rapporter

0:0-Spiele mag der fudder SC-Rapporter ja eigentlich nicht so gerne. Der Punktgewinn gegen die Bayern vor drei Wochen hat ihm aber gut gefallen, und auch den Gästeblock des Borussia-Parks verließ er gestern hochzufrieden. Der Rapport aus Mönchengladbach:

 

Der Borussia-Park

Vom Bahnhof Mönchengladbach-Rheydt geht’s erst mal 15 Minuten im Nieselregen mit dem Bus durch die Pampa. Allein unter Grün-Schwarzen. Mein Sitznachbar möchte meinen Tipp hören. Als ich einen knappen Auswärtsssieg vorhersage, fängt er an zu lachen. „Du weißt aber schon, dass wir ter Stegen haben?“

Der Borussia-Park ist seit 2004 das Nachfolge-Stadion des legendären Bökelberg. Er ist eine der modernen Standard-Arenen und hat Platz für 54000 Zuschauer. Das Stadion überzeugt optisch vor allem nach dem Abpfiff: Mit Einbruch der Dämmerung werden Teile des Borussia-Parks in ein neongrünes Licht getaucht. Die zuvor etwas triste Betonfassade sieht jetzt wirklich beeindruckend aus.



Vor dem Anpfiff

Dass heute nur 52000 Zuschauer da sind, liegt auch daran, dass die SC-Fans ihr Kontingent längst nicht ausgeschöpft haben. Im Gästeblock herrscht Bewegungsfreiheit. Der SC tritt heute in Heimtrikots an. Vielleicht bringen die ja das nötige Glück, das in Auswärtsspielen bisher gefehlt hat. Heute zählt nur eins: Nicht verlieren.



Teile des für Gästefans vorgesehenen Sitzplatzbereiches sind an Gladbacher Fans vergeben worden. Das Interesse an der Überraschungsmannschaft Borussia ist riesig, auch wenn es zuletzt eine Niederlage gab. Die gegenüberliegende Gladbacher Nordkurve macht bei der Vereinshymne ordentlich Krach. „Ja, wir schwören Stein und Bein auf die Elf vom Niederrhein.“

Die Elf vom Niederrhein legt gleich mal ordentlich los, in der 10. Minute läuft Mike Hanke allein auf Oliver Baumann zu, der in höchster Not mit dem Fuß abwehrt.

Fan-Aktion



Die Stimmung im Gästeblock ist gut, aber recht ruhig. Eher eine gemütliche Atmosphäre. Mit den SC-Fans hat es auch die Mage Solar-Klatsche bis an den Niederrhein geschafft, wenn auch nur ganz vereinzelt. Je länger es noch 0:0 steht, desto zuversichtlicher ist man im Block. Das kann heute was werden.



Die 43. Minute

Unterkante Latte! Beinahe ein Eigentor durch einen Kopfball des Gladbachers Jantschke. Die Führung ist kurz vor der Pause zum Greifen nahe. „Auswärtssieg!“, schreit der Gästeblock.

Andi und Lothar

Auf seine Kinder-Füchsle-Fahne lässt Andi nichts kommen, die hat er schon ewig. Bei Heimspielen ist er Ordner auf der Osttribüne, heute sind sein Kumpel Lothar und er nach Gladbach gefahren. Andi leidet mit der Mannschaft. „Die müssen einfach belohnt werden! Die Jungs sind super!“



Nach einer technisch gelungenen Aktion ruft er laut „Breisgaubrasilianer!“. Als die Gladbacher kurz vor Schluss auf den Sieg drängen, ist er fertig mit den Nerven. „Lothar, ich halte das nicht aus. Was passiert hier psychologisch mit uns?“

König des Platzes

Oliver Baumann!“, skandiert der Gästeblock nach dem Schlusspfiff. Die Freiburger Nummer Eins wird erst mal ausgiebig von Christian Streich geherzt. Mit einer überragenden Leistung hat Baumann das ganze Spiel über, vor allem aber in der Schlussphase das 0:0 festgehalten.
Beispiel 85. Minute: Marco Reus taucht allein vor Baumann auf. Die Borussia-Fans reißt es von den Sitzen, im Freiburger Block rechnet man mit dem Schlimmsten. Wieder mal gut mitgespielt, aber knapp verloren? Aber es kommt anders. Jetzt würde man sich den Gladbach-Fan aus dem Bus herbeiwünschen: „Du weißt aber schon, dass wir Baumann haben?“

Fazit
Ein wichtiger und auch verdienter Punkt. Die Freiburger haben taktisch und kämpferisch überzeugt, auch wenn vorne der Zug zum Tor gefehlt hat. Die wiederholt gute Leistung macht Hoffnung für den Klassenerhalt. Oder, um es mit Andis Worten zu sagen: „So steige mir nit ab.“