Rapport aus Gelsenkirchen: FC Schalke 04 vs. SC Freiburg

SC-Rapporter

Am Freitag geht ja bekanntermaßen die Welt unter, was der diesjährigen Hinrundentabelle der Bundesliga natürlich eine besondere Bedeutung verleiht. Der SCF beendet also seine letzte Bundesligasaison auf Platz 5! Der Rapport vom 3:1-Sieg auf Schalke:



Die Veltins-Arena

Das Schalker Stadion steht nicht etwa in Gelsenkirchen-Schalke, sondern im Stadtteil Buer. Ein imposanter blau-weiß beleuchteter Klotz.  Den Eingang zum Gästeblock haben die Schalker gut versteckt, irgendwo im Niemandsland hinter einem großen Parkplatz. Man wird hier strikt von den Schalker Fans getrennt und betritt die Arena über einen speziellen Aufgang.

Die Multifunktionsarena wird wegen des verschließbaren Daches vor allem von Dortmunder Fans gerne als Turnhalle verspottet. Der erste Blick ins Stadion ist aber beeindruckend. Man ist nah dran am Spielfeld, die Ränge sind steil. Über allem thronen die weißen Streben der Dachkonstruktion und ein riesiger Videowürfel. Eine große Fußballbühne, auf welcher der SC heute in seinen roten Heimtrikots antritt.



Boykott

Der Gästeblock ist für Freiburger Verhältnisse gut gefüllt. Die ersten Minuten schweigen die SC-Fans – es steht mal wieder ein Stimmungsboykott gegen die neuen Sicherheitsbestimmungen an. Der Großteil der Schalker Fans hat wohl keine Lust auf Boykott, Wechselgesänge zwischen Nord- und Südkurve beherrschen die Arena. Nach 12 Minuten und 12 Sekunden beenden die Freiburger Fans das Schweigen mit einer Choreo und lauter Anfeuerung.

Nach 20 Minuten hat Jefferson Farfan nach einer Freiburger Unaufmerksamkeit zum 1:0 getroffen.  Es läuft also alles nach Plan für die zuletzt kriselnden Schalker. Wäre da nicht der SCF 2012, den ein Gegentor bekanntlich mal überhaupt nicht schockt, der einfach seelenruhig weiter nach vorne spielt und darauf vertraut, dass er irgendwann ein Tor erzielen wird. Diesmal klappt das schon sechs Minuten nach dem Gegentor. Jan Rosenthal nimmt den Ball nach einem Zuspiel von Kruse einfach mal volley, der Ball dotzt auf und springt ins Toreck. 1:1!



Die 32. Minute

Der SC  spielt sich immer wieder vor das Schalker Tor. In der 32. Minute haut der Schalker Joel Matip neben den Ball, plötzlich läuft Jonathan Schmidt völlig frei auf Keeper Timo Hildebrandt zu. Der Lärmpegel im Gästeblock steigt dramatisch an, und dann ist der Ball auch schon im Netz.

Bei den Freiburger Fans brechen alle Dämme, die SC-Spieler feiern an der Eckfahne und Schmid formt mit den Händen ein Herz in Richtung rot-weiße Fans. Plötzlich ist es ein rotes Fußballfest in der blauen Arena.

Auswärtssieg!



Fan-Aktion

Nachdem Rosenthal per Traumtor das 3:1 besorgt hat, scheinen die Verhältnisse geklärt. Die Schalker Fans boykottieren jetzt offenbar ihre eigene Mannschaft und schweigen. Nach 70 Minuten setzt auf den Rängen eine wahre Völkerwanderung ein, die Fans verlassen frustriert die Arena. Die Stimmung ist ein bisschen apokalyptisch, vielleicht liegt’s am nahenden Weltuntergang.

Der kleine Freiburger Fanblock singt jetzt „Oh wie ist das schön“, minutenlang und mit voller Inbrunst. Und dann: „Gegen Freiburg kann man mal verlieren“. Die Schalker Verantwortlichen haben das wohl nicht begriffen: Nach dem Spiel wird Trainer Huub Stevens entlassen. Das ist übrigens schon der dritte Trainer, den der SC in diesem Jahr auf dem Gewissen hat. Auch Robin Dutt (Leverkusen) und Felix Magath (Wolfsburg) mussten nach Heimniederlagen gegen Freiburg ihren Hut nehmen.



König des Platzes

Jan Rosenthal zeigt in dieser Hinrunde endlich, was er drauf hat: Seit er zum Stürmer umfunktioniert wurde, schießt er ein wichtiges Tor nach dem anderen. Seine beiden Treffer auf Schalke: Frech und abgezockt!

Auch Max Kruse wirbelte in Gelsenkirchen wieder mal die gegnerische Abwehr durcheinander. Ein Neuzugang, der aber mal so richtig eingeschlagen hat!

Fazit

Man muss an dieser Stelle noch mal den alten Artikel von Bild-Kolumnist Mario Basler hervorkramen. Er trägt den schönen Titel: „Freiburg streich(t) sich aus der Liga“. Es kam anders: Unter Streich hat der SC wahnsinnige 53 Punkte geholt, hat in dieser Saison die zweitwenigsten Gegentore der Liga kassiert und überwintert jetzt auf Platz 5. Europapokal! Zumindest aber 17 Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.

Nach dem Spiel sind einige SC-Fans im Regionalexpress Richtung Essen unterwegs. Ungläubig begutachten sie die Tabelle auf einem Smartphone. „Die schau ich mir jetzt bis zur Rückrunde jeden Tag aufs Neue an“, sagt einer. Dann singen sie: „Auf, auf, auf in die Champions League!“