Rapport aus Canossa: Der SC Freiburg ist abgestiegen

Marius Buhl

Der SC Freiburg ist abgestiegen. Trauriger wird es nicht mehr. Der Rapporter war beim Gang nach Canoss.., äh, Hannover dabei - und berichtet aus dem Gästeblock. Was er erlebte: Falsche Freude, Gänsehaut-Stimmung - und einen heulenden Freiburg-Fan, der Karim Guédé mit bloßen Fäusten verteidigen wollte:

   


Vor dem Spiel

7.49 Uhr am Freiburger Hauptbahnhof. Im Ice, der Freiburg in Richtung Hannover, ach was, in Richtung unendliche Traurigkeit verlässt, jubeln und feiern, trinken und grölen sie. Noch. Sie, das sind rund 200 Freiburger, zu erkennen an rotleuchtenden Jerseys und Schals. Aber auch Oli Sorg und Christopher Jullien sitzen im Zug. An Abstieg denkt kein Mensch. Ankunft Hannover. Wow, ist diese Arena groß. Und, wow, sind die Freiburger laut. O-ooooo-ooo-oo-o,  O-ooooo-ooo-oo-o,  O-ooooo-ooo-oo-o Sportclub Freiburg Olé! Zuversicht. Und unten auf dem Feld nagelt Johnny einen Ball beim Warmschießen in den Winkel. Fuck you, Abstiegsgespenst!

Das Spiel

Es läuft die 91. Spielminute. Im Freiburger Fanblock bricht plötzlich Jubel aus. Die Roten, die gerade noch weinend auf ihre Smartphones geschaut haben, sie grölen und feiern, recken die Fäuste nach oben. Irgendjemand hat die Kunde verbreitet, Paderborn habe gegen Stuttgart ausgeglichen. Becher fliegen durch die Luft, Fans fallen sich um den Hals, irgendjemand ruft "Erste Liga!" Und dann ist da noch Petersen, der unten auf dem Feld das Tor für Freiburg schießt. Hoffnung, Erlösung, Jubel. Und dann: Ernüchterung. Der erneute Blick aufs Smartphone zeigt: Weder hat Paderborn ausgeglichen, noch brachte der Anschlusstreffer durch Petersen noch etwas ein. Schiedsrichter Stark pfeift ab. Freiburg ist abgestiegen.

In der Trauer lassen sich da nun verschiedene Muster erkennen. Die Prolls heben die Mittelfinger Richtung Hannover-Fans, was natürlich Quatsch ist. Die Emotionalen heulen einfach los. Die Analysten erklären den Abstieg. Sie sagen: "Das war das Schlimmste, was passieren konnte. Nun gehen Petersen und Bürki, Mehmedi und Darida, und Freiburg muss wieder von vorne beginnen. Als wäre der SC Freiburg der Yenga-Turm des Fußball-Gotts." Und dann sind da noch die, deren Trauer in Wut umschlägt.

Als etwa 7 Hannover-Fans höhnisch Karim Guédé verspotten, reicht es einem Freiburger. Er macht sich von seine Freunden los und rennt mit erhobener Faust auf die Spötter los. Im Alleingang will er diese platt machen. Die Polizei hält ihn auf, bevor er sein Vorhaben wahr machen kann.

König des Spiels: Der Gästeblock

Kein einziger Pfiff, dafür Applaus für die Spieler nach dem Abpfiff. Den größten aller Pechvögel, Pavel Krmas, mit Sprechchören verabschiedet. Christian Streich und Roman Bürki besungen. Kein Zweifel: Deshalb sind wir Fan dieses Vereins, deshalb tragen wir die Farben rot und weiß.  

Fazit

Nicht auszumalen, wie furchtbar dieser Abstieg ist. Sandhausen statt München, Karlsruhe statt Dortmund. Dazu kommen die Spielerverluste, Johnny Schmid soll bereits mit Hoffenheim angebandelt haben. Der SC muss nun einen Neuanfang machen, zum leider völlig falschen Zeitpunkt. Das ist schade, aber: Das ist eben der SC. Es bleibt zu hoffen, dass Christian Streich eine Truppe voller junger, hungriger Spieler in die Zweitligakämpfe schickt, die mit Willen und feinem Fußballspiel dort einiges reißen wird. Und das ist ja auch mal schön: Oben mitspielen, statt unten rumzukrebsen. Und um noch zwei Floskeln zu verweden: Ein Schritt nach hinten, zwei nach vorne! Und: Liebe kennt keine Liga.

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  [Foto: Marius Buhl]