Rapport aus Braunschweig: Eintracht Braunschweig vs. SC Freiburg

Berti "piercer" Vogts

Drei Punkte! Auswärtssieg! Das Hochgefühl des Samstagsspiel nehmen die SC-Fans, die mit nach Braunschweig gefahren waren, sicher noch mit in diese Woche. Der Auswärts-Rapport:



Die Anreise

Vor dem Spiel steht der Weg ins Stadion. Die bequemste Anreise haben natürlich alle, die mit den Bussen der Fangemeinschaft nach Braunschweig gekommen sind - denn die fahren genau vors Stadion. Den schönsten Hinweg haben sicher diejenigen, die individuell mit dem Zug anreisen und sich für eine Straßenbahnfahrt durch die Braunschweiger Innenstadt mit bis dahin noch gut gelaunten Heimfans entscheiden. Die skurrilste Anfahrt aber haben aber wohl diejenigen, die mit dem Zug anreisen, sich aber auf das freundliche Busshuttleangebot am Bahnhof mit Polizeibegleitung einlassen.

Der Shuttle bringt einen zwar sicher und mit Blaulicht (!) direkt zum Stadion, aber die 30-minütige Wegstrecke über diverse Teilautobahnen, muss man mir mal ernsthaft erklären.

Das Eintracht-Stadion

Das Wetter ist kalt aber halbwegs trocken, das Sicherheitspersonal freundlich und gefällt   mehrheitlich durch gedehnte Ohrläppchen. Das Cateringangebot besteht aus diversen Wurstzubereitungen und Pommes. Das Bier natürlich alkoholfrei. Dem Gerücht, dass der angebotene Glühwein richtigen Wein enthält kann ich nicht nachgehen. Süßen, warmen Wein trinke ich nicht. So führt mein Weg mich also direkt in den mit ein paar hundert angereisten SC-Fans gut besuchten Gästestehbereich Block 19.

 

Das Spiel

Optimistisch auf drei Auswärtspunkte hoffend, sage ich vor Anpfiff zu meiner Begleitung, dass man heut wohl keinen Fussball-Leckerbissen erwarten darf. Es ist irgendwie nicht so schlimm wie befürchtet, weil Abstiegskampf in seiner ganz grauenhaften Art auch ziemlich faszinierend sein kann.

So wie sich die Braunschweiger Mannschaft in der ersten Halbzeit mit fast wütenden Angriffen auf das Freiburger Tor zu bewegt, zum Beispiel, und die Gefährlichkeit der Angreifer Bellarabi und Elabdellaouil.

Wie aber Trainer Streich das Freiburger Team eingestellt hat ist für die aktuelle Situation erste Sahne. Coole, abgeklärte ehemalige Fussballschüler in der Abwehrreihe und ein glänzend aufgelegter Keeper Oliver Baumann verhindern Schlimmeres. Nur mein Blutdruck fährt immer wieder hoch. 



Ich freunde mich in der Spielpause schonmal mit einer Punkteteilung an, aber es kommt viel besser. Die zweite Halbzeit in Richtung des Gästeblocks spielend nimmt Gelson Fernandes eine von Oliver Sorg in die Mitte gespielte Flanke sicher an, dreht sich und netzt zur ekstatischen Freude aller Freiburger ins Tor von Daniel Davari ein. Großartig! Klassetor!

Die restlichen Ereignisse wie der Tribünengang von Heimtrainer Lieberknecht und die weiteren Angriffe der Braunschweiger Mannschaft nehme ich nun unter meiner Anspannung wie im Traum wahr.

Mich beherrscht ein einziges Mantra, das ich versuche, telepathisch an Schiedsrichter Stark zu übermitteln. Es lautet: "Pfeif ab!" Abstiegskampf eben. Trotzdem. Durchhalten und anfeuern. Von 'Trotz Bullen und Kommerz' bis hin zum Sportclub Freiburg-Walzer wird gesungen und gebrüllt, was das Zeug hält.

Drei Minuten Nachspielzeit. Ich habe es befürchtet, es gibt wegen vieler taktischen Fouls einige Unterbrechungen. Und schliesslich ertönt er, der erlösende Abpfiff. Ich kann es gar nicht glauben. Ich bin ein Braunschweig-Omen! Beim Pokalsieg im letzten Jahr war ich auch schon im Stadion an der Hamburger Straße. Unfassbar! Auswärtssieg!



Die Könige des Platzes

... sind Gelson Fernandes und Oliver Baumann. Fernandes, weil er das Team durch sein Tor in Führung bringt, und Baumann, weil er diese durch seine Paraden und Reflexe rettet. Der wahre König des Platzes sitzt allerdings auf der Freiburger Trainerbank, weil er die Mannschaft cool und taktisch sehr klug agierend einstellt. Wo nimmt der Mann das her?

Fazit

Es ist unterm Strich ein verdienter Zittersieg. Der Sportclub hat ein Tor geschossen, Braunschweig keins. Die Spieler feiern ein bischen zu kurz in der Fankurve, vielleicht sind sie zu müde. Der Torschütze kommt danach zurückgelaufen, um sich nochmals für den Support zu bedanken, und das Braunschweiger Woltersbier am Bahnhof schmeckt nach einem Auswärtsdreier noch süffiger als sowieso schon.