Rapper Elzhi in der Kaserne Basel: Wohlig-detroitig, aber luftig besetzt

Savera Kang

Schon lange hatte man nichts mehr von ihm gehört, er selbst meldete sich auch nicht zu Wort. Um dann eine Mini-Tour anzukündigen, die Rapper Elzhi am Donnerstagabend nach Basel führte. Wie es war und ob die Fans nun schlauer sind:



Auf die Basler Kaserne können Rap-Fans sich verlassen, immer wieder stehen auf ihrer Bühne große Namen oder Größen aus dem Untergrund. Und so zieht es auch den Detroiter Rapper Elzhi wieder dorthin, wo er 2011 sein damals neues Album "Elmatic" vorstellte - vor halb-leerem Haus.
Nach "Elmatic" kam lange nichts mehr, abgesehen von einem Kickstarter-Aufruf 2013, für seine geplante Platte in Vorleistung zu gehen.

Diese erschien nicht, bis heute. Und jetzt tourt Elzhi also für sechs Termine durch Europa? Hat er eine Überraschung im Gepäck? Oder wenigstens eine Erklärung? Fans und solche, die es mal waren, bemühen schon länger soziale Medien auf der Suche nach Antworten. Doch von Elzhi kamen keine. Im Oktober postete er den ersten neuen Song seit Jahren, "P.S.", dass das geplante Werk den Titel "Lead Poison" tragen soll, ist auch schon bekannt. Und dann erschien Mitte Januar auf Twitter ein Hinweis auf sechs Konzerttermine in der zweiten Monatshälfte: Frankreich, Belgien und die Schweiz sollten den Verschollenen zu Gesicht bekommen.

Die DJs Tray und Philister aus Basel bildeten – wie so oft vor Rap-Acts in der Kaserne – das Vorprogramm. Ein undankbarer Job, wenn die Halle so luftig besetzt ist. Keine hundert Fans sind es an diesem Abend, 50 vielleicht. Sie sind gut drauf, nicken schon zaghaft mit dem Kopf, etwas enthusiastischer, wenn DJ Tray Oldschool-Erfolge auspackt. Und dann, ohne großes Drama, tritt Elzhi auf die Bühne, begrüßt die Anwesenden, bittet sie näher ran an die Bühne und legt los.

Die meisten Jungs und Mädels im Publikum haben sich ihrer klobigsten Winterklamotten an der Garderobe entledigt, der Rapper steht in dicker Jacke auf der Bühne, zieht die Kapuze über die Baseballkappe und verschwindet so fast. Die Front wird beherrscht von einer überdimensionierten Brille. Die Zuhörer lassen sich bitten, drei Mal, bevor sie wirklich an die Bühne vorrücken und so das Bild eines Publikums abgeben.

Wenn Elzhi das Mikro in ihre Richtung hält wird es kurz still. Trotzdem ist auf beiden Seiten Freude zu vernehmen, drei Jungs bilden einen Kreis und tanzen, ein Pärchen steht eng umschlungen und bewegt die Lippen zum Text. Der Rapper scheint nicht enttäuscht, vielleicht sogar erleichtert, lächelt fast durchgängig.

Und nutzt die Pausen zwischen den Liedern – hauptsächlich vom Elmatic-Album – um dem ehemaligen Slum Village-Mitglied J-Dilla zu gedenken, sich immer wieder dafür zu bedanken, dass die Leute hergekommen sind (weiß auch, dass der eine oder andere aus Deutschland angereist ist) und für ein bescheidenes „I go by the name of Elzhi“. Und wer ihn nicht kennt, solle ihn googlen. Und, als ob das Fragezeichen, das ihn im Internet verfolgt, auch im Raum stünde, erklärt er: „We just came to say: What's up?!“

Und dann spielt sein DJ tatsächlich einen neuen Song an. Elzhi kündigt an, es könne jetzt etwas holprig werden, denn er habe ihn noch nie performt. Auch das: bescheiden, sympathisch. Und natürlich nicht holprig, der Mann rappt entspannt wie immer über die wohlig-detroitigen Beats, erzählt die Geschichten, für die er geschätzt wird. Wirklich warm wird das Publikum bei „Deep“, doch als Elzhi dann nach etwa 45 Minuten unerwartet hinter der Bühne verschwindet, ist noch niemand durchgeschwitzt. Er kommt für ein Lied zurück, verbeugt sich, bedankt sich erneut und ist weg.

Beziehungsweise am Merchandise-Stand. Erst will niemand auf ihn zugehen, dann bildet sich eine Schlange. Der Rapper, der seit bald 20 Jahren aktiv ist und von vielen Kennern der Szene geschätzt wird, bietet jedem an, ein gemeinsames Foto zu machen, schüttelt Hände und lässt jeden Einzelnen wissen, dass er sein Kommen schätzt. Auf die Frage, was denn nun eigentlich hinter all den Online-Mutmaßungen und Vorwürfen stecke, antwortet Elzhi: „Die Antworten sind alle auf dem Album“. Und das sei fertig, Lead Poison stehe in den Startlöchern. Sollte es denn wirklich bald erscheinen, verspricht es einige sehr persönliche Geschichten.

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Fotos: Savera Kang

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