Rampe '13: Noch mal Weihnachten für die Brothers of Santa Claus

Alexander Ochs

Was macht ein Freund des Weihnachtsfestes nach Weihnachten? Sich in Selbstmitleid auflösen? Nein. In Depressionen verfallen? Nein. In Alkohol flüchten? Vielleicht. Aber es geht auch anders, wie gesehen am Donnerstagabend beim Finale des traditionsreichen Band-Contest Rampe im Jazzhaus:



Die „Brüder des Weihnachtsmanns“ haben sich, sechs Wochen nach dem Fest, gefreut wie die Schneekönige. Die fünfköpfige Folk-Band konnte den Nachwuchswettbewerb 'Rampe '13' für sich entschieden. Platz zwei belegte die professionell wirkende Progrock-Formation Reding Street aus Basel, während die aus Freiburg stammende Truppe Project Mayhem sich mit gelungener Bühnenpräsenz, sattem Groove und Funk-Appeal den dritten Rang sicherte.

Nur die beiden Bands, die mit „L“ anfingen, landeten dahinter: Obschon sie als dritte und fünfte an der Reihe und so mit einem guten Startplatz gesegnet waren, gingen die HipHop-Combo Lingulistig und das Loungerock-Quintett Lakehouse leer aus. Aber was heißt schon leer: Wer es unter 56 eingereichten Bewerbungen am Donnerstagabend auf die Jazzhaus-Bühne geschafft hat, gehörte zu den oberen zehn – nicht: -tausend, sondern – Prozent.

Für die Bewertung der Auftritte hatte Moderatorin Brigitte Schömmel den Zuschauern drei Kriterien an die Hand gegeben: musikalische Qualität, Niveau der Texte und die Bühnenpräsenz. Dabei hatte das Publikum die Möglichkeit, seinen Favoriten zu küren: Beim Einlass hatte jeder Konzertbesucher drei Jetons bekommen, die er am Ende des Abends nach Lust und Laune auf die gestarteten Bands verteilen konnte, indem er sie in den jeweiligen Sektkübel hineinwarf. Vier Jury-Mitglieder vergaben je eine Stimme; das Publikum hatte also auch eine gemeinsame Stimme.



Publikumsrenner waren ganz klar die Brothers Of Santa Claus. Sie schafften es als Band mit dem zweiten Startplatz, die Zuschauer ganz nach vorne zu beamen mit ihrer Mischung aus Folkpop, Singer/Songwriter-Balladen und Jazzelementen. Zupackende Gitarrenriffs, warm tropfende Basslinien und die samtig-raue Stimme von Frontmann Maximilian Bischofberger sowie die richtige Dosis Gefühl – das überzeugte Jury wie Publikum gleichermaßen. Dazu gab es besenreine Drums, auch mal ein Glockenspiel oder ein furioses Beatbox-Intro. Dabei spielen die fünf jungen Schwarzwälder erst seit gut einem Jahr in dieser Formation zusammen. Ihre Sporen haben sie sich auch als Straßenmusiker auf der Kajo verdient. Und jetzt verdient gewonnen. Obwohl...

Beeindruckend cool und souverän auf der Bühne und an ihren Instrumenten agierten auch die vier Basler Jungspunde von Reding Street. Dunkel gewandet servieren sie bisweilen düsteren Progrock, der gekonnt changiert zwischen scharfkantigen Riffs, durchschlagendem Bass und schnellem Schlagwerk auf der einen Seite und introvertierten Momenten und ruhigen Piano-Passagen auf der anderen Seite. Mit einem Wahnsinns-Tieftöner bringen sie die vorderen Reihen zum Vibrieren, nehmen in raffinierten Breaks kurz die Luft raus, um dann wieder Bass- und Gitarrensalven in den rappelvollen Gewölbekeller hinauszujagen. Dichter Sound, melodisch grundiert, spieltechnisch avanciert.

Das Niveau der Rampe war in diesem Jahr außergewöhnlich hoch. Der Auftritt der siebenköpfigen Multikulti-Funkband Project Mayhem war trotz undankbarem ersten Startplatz von Anfang an mitreißend. Ähnliches gilt für Lingulistig mit ihren lebensnahen deutschen Texten und ihrem Hiphop zum Mittanzen. Und auch Lakehouse, die einzige Band mit einer Frau in ihren Reihen, schafften es, nicht nur die Fangirls mit ihrem Poprock im Unplugged-Stil mit Cajon und Akustikgitarre zum Kreischen und Mitwippen zu animieren.

Der Jahrgang 2013, zum zehnjährigen Jubiläum des Wettbewerbs: ein richtig guter. Da greift nicht nur der Weihnachtsmann freudig zum Glas.

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