Leute und Listen

Ramon Kathrein von der Liste Teilhabe und Inklusion: "Uns geht es um die Teilhabe aller"

Simone Lutz

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Heute: Ramon Kathrein von der Liste Teilhabe und Inklusion.

BZ: Herr Kathrein, Sie selbst sind blind. Ist Inklusion vor allem für die ein Thema, die sich in bestimmten Bereichen ausgeschlossen fühlen?
Kathrein: Ich habe das Gefühl, bundesweit waren wir schon weiter, etwa an Schulen. In Freiburg erreicht das Thema schon breitere Gesellschaftsschichten.




BZ:
Wofür steht Ihre Liste?
Kathrein: Uns geht es nicht nur um behinderte Menschen, sondern um die Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben – um Alleinerziehende, Senioren, Arme. Wir sind keine Liste für eine spezielle Klientel.

Teilhabe muss für alle Entscheidungen des Gemeinderats eine Rolle spielen, nicht nur, wenn es medienwirksam ins Bild passt.

BZ: Was muss sich in Freiburg dringend ändern?
Kathrein: Teilhabe muss für alle Entscheidungen des Gemeinderats eine Rolle spielen, nicht nur, wenn es medienwirksam ins Bild passt.

BZ: Soll Freiburg weiter wachsen oder sollte nach dem Bau des neuen Stadtteils Dietenbach Schluss sein?
Kathrein: Wir wollen vor allem barrierefreien Wohnraum und inklusive Quartiere. Das lässt sich eher in Neubauten realisieren. Barrierefreiheit muss der Mindeststandard werden.

BZ: Für den neuen Haushalt haben Stadtverwaltung und Gemeinderat 70 Millionen Euro neue Schulden beschlossen. Wie bekommt man die Finanzen wieder in den Griff?
Kathrein: Wir befürworten einen Finanzausschuss, der die städtischen Ausgaben danach abklopft, ob sie auch sinnvoll sind. 100000 Euro für Graffiti-Beseitigung zum Beispiel – sowas ist nicht Aufgabe der Stadt.
Zur Person

Ramon Kathrein, 37, ist Teilhabeberater und Erlebnispädagoge. Er engagiert sich beim Beirat für Menschen mit Behinderung, ist ledig und lebt in Zähringen.

BZ: Ihre Traumveranstaltung für das Stadtjubiläum?
Kathrein: Da gibt’s keine besondere – ich würde mir ein Fest für alle wünschen, bei dem alle mitwirken. Ich glaube, wir sind da auf einem guten Weg.

BZ: Bitte vervollständigen Sie: Ich finde den kommunalen Ordnungsdienst...
Kathrein: ... nur dann sinnvoll, wenn er sich um Brennpunkte und Angsträume kümmert wie zum Beispiel den Stühlinger Kirchplatz.

BZ: Die Umsetzung politischer Entscheidungen scheitert öfter am Widerstand von Bürgern. Wie wollen Sie vermitteln?
Kathrein: Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten, Befürchtungen ernst nehmen und dann eine Abwägung treffen zwischen individuellen Argumenten und dem Gemeinwohl.

BZ: Mit welchen Listen könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?
Kathrein: Mit allen außer der AfD, denn die steht für Ausgrenzung und Exklusion.

BZ: Welcher Gemeinderatsbeschluss der letzten zehn Jahre war top, welcher war der größte Flop?
Kathrein: Ein Meilenstein war der Beschluss, eine Million Euro im Doppelhaushalt für Barrierefreiheit bereitzustellen. Was uns stört, ist, dass beim Bauen Ästhetik gegen Barrierefreiheit ausgespielt wird.
Leute und Listen

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Wir haben die jeweiligen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten um Antworten für einen Fragebogen gebeten. Alle bisher erschienenen Folgen gibt’s unter: Kommunalwahl 2019 in Freiburg: Leute und Listen.

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