Ralf Welteroth liest im Swamp

Tobias Schächtele

Ralf Welteroth, 43, hauptberuflich Quereinsteiger, präsentiert sein erstes Buch. Nachdem er als Geschmackspolizist aktiv war, mit eigenem Liedgut durch Deutschland tingelte und seine literarische Seite auf diversen Lesebühnen auslebte, liest er nun im Swamp aus seinem Debut "Unter Eselsbrücken".



Erste Schreibversuche wagt Ralf Welteroth bereits in der Jugend, schreibt Gedichte und Kurzgeschichten, die er in kindlicher Hoffnung auf den großen Durchbruch an Verlage sendet. Der große Erfolg bleibt jedoch aus. Mit Abitur, aber ohne weitere (Aus-)Bildung, schlägt er sich durch die Vorwendezeit. In den frühen Neunzigern wendet er sich einer anderen Kunstform zu: der Musik.


Seine Band Laika spielt Songs, die man in mehrere Schubladen stecken müsste, von Rock über Indie und Folk zu Punk. Als sich Mitte der Neunziger die Gründung einer neuen Combo abzeichnet, fällt die Namenswahl auf "Levy Shoemaker", nach jenem Kometen, der zu dieser Zeit den Himmel beherrscht. Zwar ist ihm auch dieses Mal kein kometenhafter Aufstieg vergönnt, aber das Verfassen deutscher Liedtexte weckt wieder den Autor in ihm.

1999 wirkte er bei der Entstehung der Geschmackspolizei Freiburg mit, ein Bühnenprojekt im Stile eines Informationsabends, bei dem tatverdächtige Künstler und ihre Tonträger vorgeführt werden. Währenddessen bereichert er im Satiremagazin Titanic die Rubriken „Vom Fachmann für Kenner“ und „Briefe an die Leser“, wird vom Freiburger Comedian Jess Jochimsen zu dessen Swamp Poetry eingeladen und profiliert sich bei der Stuttgarter Lese-Veranstaltung "Get Shorties". Noch denkt Welteroth nicht an eine Buchveröffentlichung. Doch dann tritt der Maringo Verlag an ihn heran, der Kurzgeschichten aus dem Umfeld der Lesebühne veröffentlicht. Und so kommt es, dass Welteroth einigen Termindruck, Arbeitsfleiß und sicher auch Angstschweiß später sein eigenes Buch in den Händen hält.



Sein Erstlingswerk „Unter Eselsbrücken“ besteht zu gleichen Teilen aus Geschichten, die in den vergangenen fünf Jahren entstanden sind und Texten, die er speziell für das Buch verfasste. Es handelt von Situationen, die absurd und lebensnah zugleich sind. Die Schrullen seiner Figuren, die einem mitunter sehr bekannt vorkommen, treibt er verwegen auf die Spitze. Im Mittelpunkt vieler Geschichten steht sein Ich-Erzähler, der aus Worthülsen und dahergesagten Zeilen überraschende und amüsante Monologe spinnt.

"Es fing gut an. Natürlich fing es nicht gut an, sondern ziemlich schlecht, aber man sagt unverständlicherweise: „Das fängt ja gut an“, wenn man eigentlich meint, dass etwas schlecht anfängt. Auf jeden Fall fing es schon mal gut an (…)"

Welteroths Inspiration speist sich sichtlich aus dem ganz normalen Alltagswahnsinn, und wie es sich gehört, trägt er gern ein Notizbuch bei sich, in dem er spontane Einfälle festhält (die Schreibarbeit geschieht dann am Computer). So hat jede Geschichte ihren wahren Kern – autobiographisch darf man das Geschilderte jedoch nicht sehen. Denn so abenteuerlich seine Erzählungen auch klingen mögen, für sein derzeit sehr geregeltes und zufriedenes Leben zwischen seiner Arbeit bei der Badischen Zeitung und seiner Familie tritt er gerne kürzer.

Mehr dazu:

  • Was: Book-Release-Lesung „Unter Eselsbrücken“ mit Ralf Welteroth
  • Wann: Sonntag, 16. November 2008, 20.30 Uhr
  • Wo: Swamp Freiburg, Talstr. 90