Räkelstunde

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, warum wir uns räkeln? Morgenstund hat nicht nur Blei im Knie, sondern auch in allen anderen Gelenken. Deshalb ist die erste Bewegung, egal ob gewollt oder nicht, ein Sich-Strecken-und-Dehnen. Dieses Stretching machen wir nicht nur nach dem Aufstehen, sondern nach jeder längeren Phase der körperlichen Unbewegtheit; wie etwa stundenlanges Vor dem Rechner Sitzen.

Das Räkeln hat für den Körper eine nicht zu unterschätzende Funktion. Durch zu langes in einer Position verharren verringert sich die Beweglichkeit der Gelenke, die Muskeln verkürzen sich; kurz: die gesamte Körperspannung lässt nach. Und dieses registrieren – natürlich unbewusst – diverse Sensoren im Körper. Die Informationen kommen im Gehirn an und dieses gibt den Befehl zum Räkeln. Denn sonst ist der Mensch nicht für Flucht oder ähnliches vorbereitet.


Dieser Räkelreflex streckt neben den Muskeln auch die Wirbelsäule, was den Brustkorb hebt und das Lungenvolumen vergrößert. Durch dieses "Ganzkörpergähnen" kommt also auch noch mehr Sauerstoff in den Körper. Wenn die viele gute Luft wieder ausgeatmet wird, erzeugt man einen manchmal sehr unterhaltsam-knarrend bis -jauchzenden Ton.

In der Räkelhaltung schieben wir das Kinn nach hinten und machen so den Hals ein bisschen enger. Die Zunge versperrt den Rachen und lässt die Luft nur unter Zwang vorbeiströmen; Das bekannte wohlige Räkelgeräusch entwischt, das übrigens so ansteckend wie ein Gähnen ist.

Und um dem ersten Kommentar vorzubeugen: Ja, bei Männern ist das Räkeln erst die zweite automatische Bewegung nach dem Aufstehen.