Radlos am Bertoldsbrunnen

Helena Barop

Die Stadt Freiburg greift durch: Da immer mehr wild geparkte Fahrräder die Innenstadt verstopfen, will die Stadtverwaltung eine Verbotszone einrichten, in der Fahrräder nur an den dafür vorgesehenen Fahrradständern abgestellt werden dürfen. Wer sein Velo trotzdem verbotswidrig in den rot markierten Straßen (oben, Quelle: BZ) parkt, muss damit rechnen, dass das Fahrrad abgeschleppt wird. In der Fahrradstadt Freiburg könnte dies für Zündstoff sorgen...

Preiswert, gesund und feinstaubarm steuern viele Freiburger ihre Fahrräder durch die Stadt: keine Luftbelastung, keine Parkgebühren und dazu eine Extraeinheit Sport für die Bikinifigur! In der Freiburger Innenstadt aber stehen Freiburgs Radler verstärkt unter Beobachtung: Da ist der Gemeindevollzugsdienst, der Velofahrer zu Kasse bittet, die in der Fußgängerzone nicht vom Rad steigen wollen (Kosten: zehn Euro). Und da ist die Stadtverwaltung, die das wilde Parken rund um den Bertoldsbrunnen bald  durch harte Sanktionen eindämmen will.




Das Thema ist fast schon ein Dauerbrenner im Gemeinderat. Nachdem diverse Appelle und Verbotsschilder nicht gefruchtet haben, will die Verwaltung nun Nägel mit Köpfen machen: Vermutlich noch vor der Sommerpause soll der Gemeinderat einer Änderung des Bebauungsplans zustimmen, die die rechtliche Grundlage dafür schafft, dass Abstellen von Fahrrädern in bestimmten Bereichen zu verbieten. 

Vermutlich ab Herbst 2007 könnte dann das wilde Parken in der City ein Ende haben. Wer sein Rad trotzdem in der Sperrzone stehen lässt, läuft Gefahr, den Rückweg zu Fuß zurücklegen müssen. Ordnungswidrig abgestellte Fahrräder dürfen dann vom Gemeindevollzugsdienst kostenpflichtig entfernt werden. Kostenpunkt: vermutlich 35 Euro. Parksünder können ihre Räder dann im Mobile am Hauptbahnhof abholen. Der Besitzer muss mit dem Schlüssel des Fahrradschlosses nachweisen können, dass das Fahrrad ihm gehört. Fahrräder, die nicht abgeholt werden, sollen versteigert werden.

Spannend wird sein, wie Freiburgs Fahrradfahrer auf die neuen Parkregeln reagieren. Gegenwärtig wissen viele nicht einmal, dass Fahrradfahrer beim Bertoldsbrunnen gewisse Regeln beachten müssen. Hanna Obando (22) zum Beispiel ist erstaunt, als sie das Verbotsschild sieht: "Ich find das nicht so toll. Wahrscheinlich wurde das beschlossen, damit keine Fahrräder im Weg der Straßenbahn stehen oder so. Mir wär das Schild aber jetzt nicht aufgefallen, und ich hätte mein Rad hier abgestellt!"



Andere Falschparker regen sich noch ein bisschen mehr auf. "Das ist ne Fahrradstadt, da muss man doch irgendwo sein Fahrrad abstellen können!" schimpft Katharina Cizmarova (27). Diese Kritik kann eine der Damen vom Gemeindevollzugdienst nicht nachvollziehen. Sie kontrolliert bei unserer Recherche gestern Nachmittag, ob die Fahrradfahrer am Bertoldsbrunnen, die in der Fußgängerzone unterwegs sind, auch brav vom Sattel absteigen. Die Frau  verweist auf die Abstellplätze am Platz der Alten Synagoge. "Das Stückchen wird man ja wohl laufen können."

Egal, was die Fahrradfahrer dazu sagen, das Parkverbot scheint zu kommen. Zu den Initiatoren und Beschwerdeführern zählen nach Auskunft von Martin Haag, Leiter des Garten- und Tiefbauamts der Stadt, auch diverse Einzelhändler sowie die VAG, deren Straßenbahnen (beziehungsweise ein- und aussteigenden Fahrgäste) immer wieder durch die Fahrräder behindert werden. Haag weist auch darauf hin, dass die Stadt den Radfahrern konkrete Alternativen bietet: "Wir haben schon neue Fahrradabstellanlagen geschaffen und alte Anlagen modernisiert." Gleichwohl werde das Parkverbot natürlich dafür sorgen, dass Radfahrer ihr Zweirad häufig nicht mehr direkt vor dem Geschäft abstellen können.

Wer die Knöllchengefahr vermeiden will, sollte am besten einfach außerhalb der Innenstadt parken. Wenn im Herbst nämlich ein Lastwagen am Bertoldsbrunnen parkt, der Fahrräder einsammelt, ist das (wahrscheinlich) nicht die neue Strategie der Fahraddiebe. Es ist der Fahrrabschleppdienst. Hoffentlich ist es dann nicht euer Fahrrad, das auf der Ladefläche verschwindet.


Abstellverbot für Fahrräder (Quelle: BZ / Stadt Freiburg)

Ergebnis der Umfrage:
"Parkverbot für Fahrräder am Bertoldsbrunnen? Was haltet ihr davon?"