Radio Dreyeckland in der Krise

Helena Barop & Aljoscha Harmsen

Radio Dreyeckland sendet seit 30 Jahren ein Programm für Freiburg und Umgebung. Als nichtkommerzieller Sender ist er auf die Finanzierung durch die Landesanstalt für Kommunikation angewiesen. Jetzt steckt der Sender in der schwersten Finanzkrise seit seinem Bestehen. Bald könnte er verstummen.

Der Sender und das liebe Geld


Radio Dreyeckland (RDL) ist ein basisdemokratisches linkes Medienprojekt. Aus einer Protestbewegung gegen die Atomkraftwerke in Wyhl und Fessenheim entstand bei den Teilnehmern der Bewegung das Bedürfnis nach einem eigenen Medium. So wurde RDL gegründet. Bis 1988 war RDL ein Piratenradio und hat ohne Zulassung gesendet. Heute hat es eine 24-Stunden-Frequenz und ist bis etwa 50 Kilometer um Freiburg zu empfangen.

Die Sendungen von RDL sind nach eigenen Angaben kritisch und haben eine eher linke Perspektive. Es gibt muttersprachliche Sendungen in 14 verschiedenen Sprachen. RDL berichtet über regionale Themen wie zum Beispiel den Bürgerentscheid zum Verkauf der städtischen Sozialwohnungen. Besonderes Feature: Einzelne Gruppen können selbstständig senden. Das machen zum Beispiel Studenten des Goethe-Instituts. Aber auch die Streetpunks haben mit der "Panneshow" eine eigene Sendung.

Radio Dreyeckland ist ein freier Radiosender. Er gehört nicht zu den Privatsendern, die sich selbst über Werbung finanzieren. Er gehört aber auch nicht zu den großen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten (wie SWR), die sich auf eine ausreichende Bezahlung durch die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) verlassen können. Von den Rundfunkgebühren erreicht ihn nur ein kleiner Teil. Ein Vergleich: Dem SWR stehen für eine Minute Sendezeit zirka 79 Euro zur Verfügung. Bei RDL sind es gerade mal 20 Cent.

Die Verteilung der Rundfunkgebühren in Baden-Württemberg übernimmt die Landesanstalt für Kommunikation (LFK). Diese Behörde schöpft aus einem 8-Millionen-Euro-Topf der GEZ. 90% gehen an die öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehprogramme. 10%, also 800 000 Euro bleiben für die neun freien Sender im Land.

80 000 Euro braucht ein nichtkommerzielles Radioprogramm für sein Überleben. Das hat der Landtag 1995 festgelegt. Nach der großen Schlacht um die Gelder im Topf bleiben für Radio Dreyeckland in diesem Jahr 53 000 Euro.



Die Krise

Die Finanzlage von Radio Dreyeckland ist nicht nur durch diese knappe Versorgung angeschlagen. Hinzu kommen gerichtliche Streitigkeiten, die der Sender in der letzten Zeit mit der LFK auszutragen hatte. Es wurde geklagt, was das Zeug hielt. Stets ging es um die Finanzierung einzelner Leistungen und immer wieder lief es am Ende darauf hinaus, dass das Geld für Radio Dreyeckland knapper wurde.

Birgit Huber, langjährige Redakteurin von RDL, schätzt die Chancen, die Fördergelder doch noch zu erhalten, gering ein: "Wir haben Beschwerde gegen das Urteil eingelegt. Aber es steht in der Urteilsbegründung des Gerichts, dass die Fördermittelvergabe Ermessenssache der LFK sein soll."

Axel Dürr ist Sprecher der LFK und erklärt die Situation so:

"Radio Dreyeckland bekommt 100 Prozent der Förderung. Es bekam im Jahr 2007 49 000 Euro und bekommt für das Jahr 2008 51 000 Euro. Darüber hinaus kann es Zuschüsse für Projekte bekommen. RDL wollte ein eigenständiges Lokalprogramm für Schopfheim machen und hätte dafür einen fünfstelligen Förderbetrag bekommen.

Die Förderrichtlinien hat es nicht erfüllt, weil RDL nur Lokal-Beiträge im normalen Programm gesendet hat und kein eigenständiges Programm. RDL hat gesagt, dass sie erst einmal ein Studio in Lörrach aufbauen wollen. Die LMA hat ihnen die Gelder also gezahlt, in der Erwartung: Wenn es sein Studio aufgebaut hat, wird es die Richtlinien erfüllen.

Nach einigen Gesprächen hat die Landesmedienanstalt jetzt gesagt: So geht es nicht. Ihr macht kein Programm für Schopfheim, wie es vereinbart war. Radio Dreyeckland hatte das Geld, das ihm für das Lörracher Programm gezahlt wurde, allerdings schon ausgegeben."


Huber (RDL) stellt die Situation so dar:

"Es war in den Förderrichtlinien nicht von vornherein klar, dass das Lörracher Programm in Lörrach gesendet werden muss und das Freiburger in Freiburg. Dass wir das tun würden, haben wir auch nie behauptet. Uns wurde sogar im Mai noch ein Vergleich angeboten, damit wir den Prozess nicht führen. Das Angebot: Wenn wir auf den Prozess verzichten, geben wir euch ab Mai einen Teil der Gelder.

Im Mai hatten wir nämlich das Studio in Lörrach in Betrieb genommen. Wir senden dort jeden Morgen von Lörrach aus Beiträge.

Die LFK hat uns Anfang des Jahres 2006 die Fördermittel bewilligt und wir haben 18 000 Euro bekommen, sogar noch die 1. Rate für 2007. Im März 2007 wurde dann alles in Frage gestellt und das Geld zurückgefordert."

Die Rettung?

Die hauptamtlichen Redakteure von RDL arbeiten im Moment weiter und verzichten seit August auf ihr Honorar. Demnächst werden Räume aufgegeben und Honorarstellen gestrichen. RDL spart, um nicht unterzugehen. Ob sie den Sender retten können, hängt aber auch von ganz banalen Dingen ab: Es darf zum Beispiel gerade jetzt auf keinen Fall ein Mischpult den Geist aufgeben.

Aber auch andere Faktoren können entscheidend sein. Um sich aus der prekären Lage zu befreien, will RDL sich von der LFK-Behörde so unabhängig wie möglich machen. Das geht vor allem über den „Freundeskreis“; das sind die Mitglieder des Senders. "Den Freundeskreis gibt es, seit wir legal senden, also seit 1988. Es sind insgesamt 1300 zahlende Mitglieder", erklärt Huber. Dieser Förderverein sucht dringend Mitglieder, die mit 5 oder 3 Euro im Monat das alternative freie Radio unterstützen und vor dem Bankrott retten.