"Radfahrer werden diskriminiert", findet Christoph Pfisterer - und organisiert heute eine Demo

Marius Buhl

In weißer Kleidung und völliger Stille: Am Mittwoch will Christoph Pfisterer mit 100 weiteren Freiburgern schweigend durch die Stadt radeln. Sie wollen damit auf die Benachteiligung von Radfahrern im Straßenverkehr aufmerksam machen - und der Verkehrstoten gedenken. Die Idee stammt aus den USA:



Es ist der vierte Mai 2003, als der US-Amerikaner Larry Schwartz in Dallas radelnd von einem Schulbus erfasst wird - der Außenspiegel des Busses tötet den jungen Radfahrer. Sein Freund, Chris Phelan, hat daraufhin eine Idee. Zusammen mit anderen Rad-Aficionados veranstaltet er wenige Tage darauf den ersten Ride of Silence. Ganz in weiß gekleidet radeln rund 1000 Menschen auf seinen Aufruf hin schweigend durch Dallas - ihre Fahrt soll ein Zeichen sein: für gestorbene Radfahrer im Straßenverkehr und gegen die Nichtbeachtung derselben.


Nun, 12 Jahre später, wurde aus ursprünglich einmaligen Ride of Silence eine weltweite Veranstaltung. In Nicaragua, in New York, in China, in Oldenburg, in Freiburg - überall wollen am Mittwoch Radfahrer weiß gekleidet und schweigend durch die Stadt radeln.

In Freiburg werden rund 100 Teilnehmer erwartet. Treffpunkt ist um 19 Uhr der Stühlinger Park. Dann wollen die Veranstalter um den Freiburger Christoph Pfisterer zu gefährlichen Kreuzungen radeln, auf Sicherheitsprobleme hinweisen und so auch ein wenig dem Rad an sich huldigen.

"Das Ziel der Demo ist Aufmerksamkeit", sagt Christoph Pfisterer, "Aufmerksamkeit für Radfahrer. Denn obwohl wir 30% aller Verkehrsteilnehmner stellen, sind wir die schwächste und am wenigsten beachtetste Gruppe!" Ihn ärgert vor allem, dass Freiburg als Fahrradstadt gelte - für die Sicherheit der Radfahrer aber kaum Geld ausgebe. Dabei gäbe es genug Orte, an denen das nötig sei, wie eine digitale Karte des VCD, adfc und Greenpeace Freiburg beweise, findet Pfisterer. In die können Freiburger alle Orte einzeichnen, die sie aus Radfahrersicht verändern würden - inzwischen sind es weit über 100 geworden. Mal stehe eine Laterne ungünstig im Weg, mal ende ein Radweg unvermittelt auf der Straße, mal müssten Radfahrer ungerechtfertigt Umwege fahren.

"Mein Lieblingsbeispiel ist die Schwabentorbrücke", sagt Pfisterer. "Kommt man aus der Innenstadt und will nach Littenweiler, wird man auf einen großen Umweg durch die Wiehre gezwungen. Besser wäre es, es gäbe einen direkten Weg. Aber den gibt es mal wieder nur für die Starken, die Autos, LKWs und Motorräder."Pfisterer findet, dass Freiburg sich an anderen Städten orientieren sollte - gerade weil die Stadt sich als "Green City" bezeichne. "Amsterdam und Kopenhagen - das sind Fahrradstädte!"

Um auf die Thematik aufmerksam zu machen, hat Pfisterer bereits vor einigen Tagen ein weiß-lackiertes Rad ans Theater gestellt - ein Ghost Bike. "Inzwischen wurde es geklaut."



Mehr dazu:



Was: Ride of Silence Freiburg
Wann: Mittwoch, 20. Mai, 19 Uhr
Wo: Stühlinger-Park [Foto: Christoph Pfisterer]