Queerfeldein ist der einzige schwul-lesbische Sportverein in Freiburg

Sédric Curic

Homophobie gibt es überall – auch in Sportvereinen. Darum hat sich in Freiburg vor drei Jahren Queerfeldein gegründet. Der queere Verein will für seine Mitglieder Sport ohne Vorurteile ermöglichen – ohne jemanden auszuschließen.

Der Regen prasselt laut auf das Dach der Turnseehalle in der Wiehre. Heute ist Fußball angesagt. In der Halle: elf Frauen und ein Mann. "Der Frauenanteil in unserem Verein ist wirklich hoch. Ich weiß nicht warum", sagt Britta Stratmann, lacht und fügt dann hinzu: "Es wäre schöner, wenn wir ein paar Männer mehr hätten". Britta ist eine von mehreren Vorständen des queeren Sportvereins Queerfeldein Freiburg e.V. und selbst Mitglied in der Fußballgruppe.


"Vor drei Jahren hatte eine Bekannte die Idee einen Sportverein für die LSBTTIQ-Community zu gründen. Um ein Feedback innerhalb der Community zu bekommen, führte sie Umfragen während queeren Veranstaltungen durch", sagt Britta. Dabei habe sie schnell gemerkt , dass das Bedürfnis nach einem Sportverein für die Community sehr groß ist. Die Gründung von Queerfeldein erfolgte dann im März 2015. "Wir wollen uns keineswegs abschotten – im Gegenteil! Wir laden alle ein, egal ob Hetero, Homo, Bi oder Trans, in unserem Verein mitzumachen."

Bisher hat der Verein keinen feste Halle

Zurzeit hat Queerfeldein keine eigene Halle und kein Vereinsheim, sondern ist zeitweise in verschiedenen Hallen und öffentlichen Plätzen in Freiburg untergebracht. "In diesem Bereich würden wir uns Unterstützung seitens der Stadt wünschen", sagt Britta.

Neben Fußball bietet Queerfeldein auch weitere Sportarten an, etwa Badminton, Fitness, und Tanzen. "Wir sind zurzeit in keiner Liga vertreten, bestreiten aber schon regelmäßig Turniere gegen andere queere Sportvereine", sagt Britta. "In naher Zukunft wollen wir die Anzahl an Turnieren und Sportarten ausbauen".

Kein Verein für Leistungssport

Queerfeldein soll primär jedoch kein Ort für Leistungssport sein, sondern ein Ort der Begegnung. Durch den Verein soll es Homo, Trans- und Intersexuellen einfach gemacht werden, Sport in einer vorurteilsfreien Umgebung zu betreiben. Außerdem bietet der Verein die Möglichkeit, sich schnell in die Community zu integrieren.

Dass der Verein in dieser Form nötig ist, belegen mehrere Geschichten von Mitgliedern des Vereins. Homophobie, sei sie unbewusst oder aggressiv ausgelebt, findet sich immer wieder im Breitensport. Auch Britta war vor der Gründung von Queerfeldein sportlich aktiv und tanzte in der Tanzschule Gutmann. "Es war nicht so, dass der Tanzlehrer oder die anderen Mitglieder sich uns gegenüber schlecht verhalten hätten. Tanzen ist aber nun mal ziemlich heteronormativ", sagt Britta. "So sprach man meine Partnerin mit den anderen Männern des Kurses, wenn es um eine Schrittfolge ging immer mit "Männer" an. Ich fühlte mich in diesen Situationen immer etwas unwohl". Das Nicht-Integrieren von Schwulen und Lesben in Sportvereine könne bisweilen dramatische Folgen für das soziale und sportliche Leben der Betroffenen haben.

Homophobie in Sportvereinen

Wie wird in anderen Vereinen mit dem Thema Homophobie umgegangen? Matthias Krause ist Geschäftsführer des Badischen Sportbundes Freiburg, dem Dachverband des Sports in Freiburg. Er will präventiv gegen Homophobie vorgehen: "Wir haben bereits erste Kontakte zu FLUSS e. V. aufgebaut. Ein Verein, der Bildungsarbeit zu Geschlecht und sexueller Orientierung auch mit Beratung für andere Vereine anbietet", sagt Matthias Krause.

Des Weiteren unterschreiben alle Trainer des Badischen Sportbundes Freiburg einen "Ehrenkodex", in dem sie versprechen Diskriminierungen aller Art entgegenzutreten. "Das Unterschreiben eines solchen Ehrenkodexes hat in der Praxis bisher nicht viel gebracht", sagt Britta Stratmann. Auch darum gibt es den queeren Sportverein in Freiburg.

Mehr zum Thema: