Quasi ein Heimkonzert: Moritz Krämer in Lörrach

Janna Breitfeld

"Ficken"? Hört man als Bildungsbürger Lieder mit solchen Wörtern? Scheinbar schon, war doch der Lörracher Burghof am Samstag gut besucht. Der Singer-Songwriter Moritz Krämer spielte dort im Rahmen des Goldene Zeiten-Festivals und füllte den Saal mit poetischen Momentaufnahmen.

Den Auftakt gibt an diesem Samstagabend ein leicht schläfriger Element of Crime-Verschnitt namens Bergen. Die Bläser-, Klavier- und Akkordeon-Einsätze der Dresdner Band harmonieren zwar gekonnt mit ihrer textlichen Melancholie, verrühren sich aber auf Dauer zu einem Einheitsbrei. Wo ist der Refrain, wo der Spannungsbogen? Für diese Musik muss man in einer ganz bestimmten Stimmung sein.


Das Publikum - drapiert an blaubedeckten Zweiertischchen - applaudiert brav. Was es wohl zu Moritz sagen wird, wenn er so was wie "Ficken" singt?

Jazzig, rockig, swingend tritt er dann mit seiner Band auf die Bühne. Sein trockener Humor weckt alle wieder auf. Mit kurios schiefer Kopfhaltung klebt er am Mikro und säuselt lässig die unschuldig nüchternen Alltagsdetails hinein: "Da is Rotz in deina Nase - gelb, kindlich und warm." Moritz Krämer verschnörkelt nichts und trotzdem wünscht man sich von so manchem Lied eine Zugabe, um jede herumschwirrende Bedeutung einfangen zu können.

Als er auf den Verzerrer drückt, überkommt ihn ein bisschen das schlechte Gewissen - seine Mutter sitzt heute Abend mit im Raum. Für ihn ist's ja quasi ein Heimkonzert, und alle sind verwunderlich still, während er seine Gitarre stimmt. Ganz nah fühlt sich das an, wie ein Gig unter Freunden - und das im schnieken Burghof. Bitte all das noch mal genau so, nur passend zum Textleben in studentisch legerer Atmosphäre irgendwo in Freiburg. Moritz Krämer will das auf jeden Fall ... vielleicht auf seiner Herbsttour.