Put your hands up! Trombone Shorty im Jazzhaus

Dennis Wiesch

Am Freitag bat Trombone Shorty zur Funkparty ins Jazzhaus. Und für einen Abend wurde der Laden in der Schnewlinstraße zum Breisgau-New-Orleans. Unser Mitarbeiter Dennis hat für uns in bester Hiphop-Manier zum Posaunenfunk mitgebounced und ein paar Notizen mitgebracht.



New Orleans und Funk sind genauso eng miteinander verbunden wie wie Kobe Bryant und die L.A. Lakers. Troy „Trombone Shorty“ Andrews gilt gerade in seiner Heimatstadt, deren Welt vom Hurrikan Katrina aus den Fugen gehoben wurde, als Symbol für den Neuanfang, den Glauben an die eigene Kraft und Stärke und vor allem den Stolz, in dieser mit so viel Musikhistorie behafteten Stadt aufgewachsen zu sein. Diese Energie versteht Shorty eindrucksvoll auf die Bühne des Jazzhaus zu übertragen und wird das komplette Konzert über nicht müde, zu betonen, in welcher Stadt seine Wurzeln liegen.


Direkt mit dem ersten Song schaltet die Band in den fünften Gang und gibt gleich die Ansage, was an diesem Abend zu erwarten sein wird: Powerfunk! Die von „Orleans Avenue“ geschaffene Basis aus druckvollen Rhythmen und dickem Groove dient Shorty als optimales Klanggerüst, sein virtuoses und filigranes Posaunenspiel auszubreiten.

Mit dem ersten Takt ist das Publikum gefangen und von Shortys Bühnenpräsenz voll eingenommen. Wird anfangs noch dezent Kniegas gegeben und verhalten mit dem Kopf genickt, kommen sehr schnell die Hüfte und andere Körperteile zum Einsatz, und es wird ordentlich gegroovt.

Die Band schafft es mühelos, das Energielevel konstant auf Anschlag zu halten und beweist spielerisch leicht seine musikalische Vielfalt. Das Grundgerüst bildet der Funk, aber es sind auch deutlich Einflüsse aus Soul, Blues, Rock, Swing, Balkanpop und Brass herauszuhören, die von der fünfköpfigen Band zu einem energetischen Stilmix verwoben werden.

Die Spielfreude ist vor allem dem Bandleader selbst anzumerken. Was Shorty für Töne aus seiner Posaune - und gelegentlich auch aus der Trompete - rausbläst und -quetscht, ist faszinierend. Gleichzeitig entpuppt er sich als Rampensau, Spaßvogel und Einheizer: Er genießt es, sich in den Vordergrund zu stellen, feiern zu lassen, Grimassen zu schneiden und das Publikum mit „Put your hands up“-Rufen zum Mitmachen zu animieren - als würden wir uns auf einer Hiphop-Party befinden.

Im letzten Drittel seines Auftritts sorgt das Ensemble für einen wahren Höhepunkt: eine Hommage an den verstorbenen Godfather of Soul James Brown. „Orleans Avenue“ spielen ein dreckiges Funkbrett wie zu Browns besten Zeiten in den frühen 70ern, das Shorty viel Raum bietet, den Gesang, die Ausrufe wie „Make it funky“ oder „Hit me“ und die Bewegungen des großen Funkhelden imitieren zu können. Die Menge tobt.

In der Zugabe sorgt ein unerwarteter Instrumentenwechsel für großes Staunen. Urplötzlich sitzt Shorty am Schlagzeug, der Schlagzeuger spielt Gitarre, der Gitarrist bedient das Saxophon, der Saxophonist zupft den E-Bass und der Bassist gibt den neuen Frontmann und spielt Trompete. Begeisterungsstürme beim Publikum, da jeder Musiker sein neues Instrument mit äußerster Leichtigkeit zu spielen scheint.

Trombone Shorty lebt die Funkmusik leidenschaftlich mit jeder Faser seines Körpers und hat das Publikum sehr intensiv an diesem Lebensgefühl teilhaben lassen. Dieser Abend wird bei vielen noch lange in bester Erinnerung bleiben.

[Leider war es Dennis nicht möglich, im rappelvollen bouncenden Jazzhaus Bilder zu machen.]

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[Bild: Steven Haberland]