Purzelnde Preise bei Pennplätzen für Papstpilger

Konstantin Goerlich

Das Angebot an Mitwohngelegenheiten zum Papstbesuch übersteigt die Nachfrage bei weitem. Zimmer für Wucherpreise an Pilger loszuwerden hat für viele WGs nicht funktioniert. Konstantin hat für fudder den Markt sondiert und bei Anbietern nachgefragt, die ihre Zimmer nicht losgeworden sind.

Was man von der richtigen Börse gilt auch für die Bettebörse für Papstpilger: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Erzdiözese und FWTM hatten beim Start der Bettenbörse an die Nächstenliebe appeliert (fudder berichtete: Zimmerbörse des Erzbistums und der FWTM), doch einigen Angeboten sah und sieht man auf den ersten Blick an, daß offensichtlich auch die Nächstenliebe bisweilen käuflich ist. An ihren Preisen sollt ihr sie erkennen!


Während drei Tage vor der Ankunft des Papst noch viele Zimmer für kleine bis mittlere zweistellige Eurobeträge pro Person und Nacht zu haben sind gibt es auch etliche Ausreißer nach oben. So findet sich eine Zweiraumwohnung in Flugplatznähe mit Betten für zwei und Platz für bis zu fünf Personen für unchristliche 1000 Euro. Immerhin, ein gefüllter Kühlschrank ist hier inklusive.

Viel mehr los als bei der mittlerweile für neue Angebote geschlossenen Börse der Kirche ist bei wg-gesucht.de, wo man beispielsweise eine ähnliche Wohnung wie die obige mieten kann. Das Papstwochenende für 4 Personen kostet hier zwar nur 900 Euro, allerdings ist die Wohnung nicht ganz so papstgünstig gelegen – in Ebnet. Wer allein oder zu zweit anreist und sich mit zwei Matratzen in einem Zimmerchen von 13 Quadratmetern zufrieden gibt kommt in Herdern für 400 Euro unter.

All diese Angebote stehen jetzt immer noch drin - zusammen mit unzähligen anderen, die meisten davon mit absolut fairen Preisen. Das Angebot übersteigt die Nachfrage bei weitem und wer darauf spekuliert hatte, die WG-Kasse im Windschatten des Papamobils zu sanieren, schaut gewaltig in die Röhre.

Auch Ruben, Isabell, Martin und Miriam, die in einer Papst-günstig gelegenen WG in Zähringen wohnen, sind seit drei Wochen auf Pilgersuche – vergeblich. "Nach fünf Minuten war unser Inserat auf wg-gesucht schon auf Seite 2 gerutscht, so schnell wurden die Angebote eingestellt", erinnert sich Isabell. "Daß so viele Wohnungen und Zimmer nicht vermietet werden, liegt am Überangebot, und nicht an den Preisen."

Angesichts einer Wohnung, die sie für 1000 Euro weggehen sahen, geben sie der Nächstenliebe nun Vorfahrt vor dem Kapitalismus: "Schade, daß so viele darin eine Geldgrube sehen, aber kostenlos soll es dann auch nicht sein." wägt Isabell ab. Die WG, in der am kommenden Wochenende nur ein Bewohner zugegen sein wird, zielt mit 60 Euro nun auf das mittlere Preissegment.

Dort vermutete sich auch Lara, die ihr Zimmer ebenfalls nicht losgeworden ist. Sie hatte ihre Wohnung für 200 Euro die Nacht ins Netz gestellt - und hat das Angebot mittlerweile gelöscht. "Ich habe an der Universität gehört, dass manche Studenten ihre 20 Quadratmeter Wohnung für 600 Euro und mehr für diese beiden Tage bereits erfolgreich untervermietet haben. Unter diesen Umständen erschienen mir 200 Euro für die Nacht noch recht günstig." Abzocke? Nicht ganz.

"Ich schäme mich nicht!", sagt die 20-jährige stolz. "Es ist nun einmal leider so, dass Studenten wie ich noch unterhalb der Armutsgrenze leben, ja sogar Tafelanspruch haben. Je nach Studiengang ist regelmäßiges Arbeiten unter der Woche nur eingeschränkt möglich, in den Ferien müssen Hausarbeiten geschrieben und Klausuren vorbereitet werden. Ich hätte dieses Geld nicht für Partys, Kleidung oder sonstige Vergnügungen ausgegeben, sondern auf mein Sparkonto gepackt und für Notfälle verwendet – oder schlicht zum Leben."

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